Die Landeshauptstadt hat Ende März ihren Beteiligungsbericht für das Jahr 2021 vorgelegt und damit die Gehälter der Geschäftsführer und Vorstände städtischer Betriebe offenbart. Die zehn bestbezahlten verdienten – ohne LBBW-Vorstandschef Rainer Neske – im Schnitt rund 23 000 Euro mehr als im Vorjahr. In den Betrieben arbeiteten zum Stichtag 31. Dezember 16 216 Menschen – mehr als in der Stadtverwaltung, die 12 478 Köpfe zählte. Die Beschäftigtenzahl nahm zu, bei den Beteiligungsunternehmen um 425, in der Stadtverwaltung gegenüber 2020 um 248 Mitarbeitende.
Vom Normalbetrieb 2021 noch entfernt
Die Beteiligungsunternehmen investierten 2021 erneut gewaltig, nämlich 468 Millionen Euro, im Stadthaushalt waren es 263 Millionen. Die Tochterbetriebe übernehmen einen großen Teil der Daseinsvorsorge, einige konnten „noch nicht wieder zum Normalbetrieb zurückkehren und mussten Umsatzeinbußen hinnehmen“, so Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU). Gebeutelt waren vor allem der Flughafen, die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), Bäder, Landesmesse und Kunstmuseum. Beim Klinikum musste die Stadt einen Verlust von 32,4 Millionen schultern, bei den Bädern von 22,4 Millionen. Die Verschuldung der Betriebe nahm auf 1,428 Milliarden Euro zu, gleichzeitig ist die Landeshauptstadt schuldenfrei.
Erfolgsprämie fiel wegen Corona aus
Beim Thema Gehalt zeichneten sich im zweiten Jahr der Coronapandemie deutliche Bremsspuren nur noch bei den Flughafenchefs Arina Freitag und Walter Schoefer ab. Sie erzielten mit 204 000 und 212 000 Euro ein erheblich geringeres Einkommen als vor der Pandemie. Schoefer hatte 2019 als Eingang auf dem Konto noch 329 000 Euro, Freitag 325 000 Euro vorgefunden, davon jeweils 117 000 Euro Erfolgsprämie, die 2021 komplett ausfiel. Freitag wechselte 2022 als Chief Financial Officer zu Tennet, einem Betreiber von Hochspannungsnetzen.
LBBW liegt bei Bezahlung weit vorn
Die Stadt hält an der Flughafen Stuttgart GmbH einen Anteil von 35 Prozent, der Rest gehört dem Land. Noch geringer ist der Anteil der Stadt nur bei der Landesbank (LBBW) mit 18,92 Prozent und bei den SSB, wo unmittelbar nur 8,35, über eine Holding aber weitere 91,65 Prozent gehalten werden. Wie üblich führen die Vorstände der Bank das Gehaltsranking an. Vorstandschef Rainer Neske erhielt laut LBBW-Vergütungsbericht zwischen zwei und 2,449 Millionen Euro, weitere sieben sogenannte Risk Taker eine bis 1,499 Millionen.
Vollversorgung nicht mehr Usus
In den Chefetagen mit städtischer Beteiligung rangiert die Dotierung eine Sphäre darunter. Die 400 000-Euro-Marke überschritt der Vorstandsvorsitzende am Klinikum Stuttgart, Professor Jan Steffen Jürgensen, gefolgt vom Kaufmännischen Geschäftsführer Alexander Hewer (396 000 Euro). Er wechselt 2023 als Finanzchef zur Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH in Berlin. Mit Abstand folgten SSB-Vorstandssprecher Thomas Moser (307 000 Euro) und Sabine Groner-Weber (SSB, 292 000 Euro).
Der Flughafenchef Walter Schoefer, der zum 1. Februar 2023 nach 23 Jahren in den Ruhestand trat, ist laut Beteiligungsbericht der einzige Geschäftsführer in (teil-)städtischen Diensten, der auf eine vom Unternehmen gebildete, wohl respektable Altersversorgung blicken kann. Dafür hat die Flughafengesellschaft bis Ende 2021 rund 1,84 Millionen Euro zurückgelegt. Früher war die Vollversorgung in den der Stadt angegliederten Chefetagen Usus, der langjährige Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) schaffte die teure Alimentierung aber mit jeder Neueinstellung sukzessive ab. Normale Angestellte nach TvÖD-Tabelle (E1 - E15) träumen ohnehin nur von einem derart luxuriösen Gehalt bei der Stadt Stuttgart.