Im Lehrerzimmer des Solitude-Gymnasiums in Stuttgart sind in den Weihnachtsferien 80 Schränke aufgebrochen und durchwühlt worden. Foto: Solitude-Gymnasium
Besonders in den Weihnachtsferien, aber auch schon zuvor haben Einbrecher Schulen vor allem in Stuttgart und in Filderstadt verwüstet. Jetzt sind 19 Taten wohl aufgeklärt.
Am Abend des 5. Januar geht es in Filderstadt-Bernhausen zu wie in einem Krimi. Gegen 21.15 Uhr hören Zeugen verdächtige Geräusche aus einer Schule. Die sollte sich eigentlich im Winterschlaf befinden, denn es sind noch Weihnachtsferien. Sie rufen die Polizei. Was folgt, ist eine filmreife Aktion: Die Einsatzkräfte stellen drei Flüchtende. Einer der Verdächtigen wird dabei von einem Polizeihund gebissen. Außerdem wird ein Polizeihubschrauber angefordert. Dessen Besatzung entdeckt einen vierten Einbrecher auf dem Dach der Schule. Alle vier werden festgenommen – sie sind zwischen 16 und 18 Jahre alt. Sie landen in Untersuchungshaft.
Es ist nur ein Fall von vielen rund um den Jahreswechsel in Stuttgart und den angrenzenden Landkreisen. Unbekannte stiegen in zahlreiche Schulen und Kindergärten ein. Einige davon wurden geradezu verwüstet. Im Solitude-Gymnasium in Stuttgartbrachen sie im Lehrerzimmer 80 Schränke auf, in anderen Fällen wurden Wasserhähne aufgedreht und teils ganze Geschosse geflutet. Der Sachschaden war enorm.
Zahlreiche Türen sind aufgebrochen worden. Foto: Solitude-Gymnasium
Zumindest ein großer Teil der Fälle scheint jetzt jedoch aufgeklärt. Was die Ermittler zu den vier in Filderstadt festgenommenen Jugendlichen zurückbringt. Denn Staatsanwaltschaft und Polizei Stuttgart gehen inzwischen davon aus, dass die Gruppe für einen guten Teil der Serie verantwortlich zeichnet.
„Das Quartett steht im Verdacht, mehrere Einbrüche begangen zu haben. Aufgrund der Ermittlungen sollen die vier Tatverdächtigen derzeit für 19 Einbrüche im Großraum Stuttgart verantwortlich sein“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Insgesamt seien bei der Serie Gegenstände im Wert von über 20 000 Euro erbeutet worden. Viel höher sei allerdings der Schaden, der bei den Einbrüchen durch Vandalismus in den Gebäuden angerichtet wurde. Er liege bei rund 250 000 Euro.
Weitere Taten sind ungeklärt
„Die Beamten der Kriminalpolizei standen bei ihren Ermittlungen in engem Austausch mit den Ermittlern des Polizeipräsidiums Reutlingen“, heißt es bei der Stuttgarter Polizei. Den Tatverdächtigen werde schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen. Sie sollen bei ihren Taten in wechselnder Besetzung zwischen Ende November 2025 bis zum Zeitpunkt ihrer Festnahme in öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten eingebrochen sein.
Alle Taten sind damit freilich noch nicht aufgeklärt. Allein in den Weihnachtsferien hatte es in der Region 24 Einbrüche in Schulen und Kindergärten gegeben, davon 16 in Stuttgart und vier in Filderstadt. Auf den Fildern lief die Serie freilich schon länger. „In den vergangenen Monaten gab es eine Vielzahl von Einbrüchen in Schulgebäude im Bereich Filderstadt sowie in der näheren Umgebung. Die Zahl liegt insgesamt im mittleren zweistelligen Bereich“, sagte Tina Rempfer vom zuständigen Polizeipräsidium in Reutlingen bereits im Januar. Die Ermittlungen, ob die Tatverdächtigen für weitere Einbrüche in Frage kommen, dauern deshalb weiter an.
Offen ist das Motiv der Gruppe. Zwar haben sie bei den Einbrüchen Beute gemacht, die fällt angesichts des Aufwandes und des durch den Vandalismus angerichteten Schadens allerdings eher bescheiden aus. Zu den Hintergründen äußern sich Polizei und Staatsanwaltschaft aufgrund der weiter laufenden Ermittlungen bisher nicht.