Das Taxigewerbe schlägt Alarm. Angesichts der explodierenden Spritpreise durch den Iran-Krieg stehe man unter extremem Druck. „Lange können wird das nicht mehr durchhalten“, sagt Tolga Karakas, der Vorstandsvorsitzende des Taxiverbandes Stuttgart. Die Branche fordert daher Unterstützung von der Politik. Ansonsten wird eine Welle an Insolvenzen befürchtet.
Ein Drittel der Fixkosten macht der Sprit aus
Die Lage sei extrem belastend. Seit dem Beginn der Kampfhandlungen sind die Spritpreise an den Tankstellen in die Höhe geschossen. Inzwischen bis zu 2,30 Euro kostet ein Liter Diesel, den die Taxifahrer nutzen. Vor zwei Wochen habe der Literpreis noch bei 1,60 Euro gelegen. „Das sind mehr als 30 Prozent Zuwachs“, stöhnt Karakas. Durchschnittlich gehe man von 1000 Euro Spritkosten bei rund 3500 Euro Fixkosten im Monat aus. Im Augenblick kämen zusätzliche Ausgaben von 300 Euro auf jeden Taxifahrer zu. Auffangen könnte diese Entwicklung das bereits kämpfende Gewerbe nicht mehr. Es sie nicht möglich wie in anderen Branchen die Gebühren zu erhöhen, schließlich ist man tarifgebunden. „Wir müssen das komplett auf unseren Schultern tragen, stehen mit dem Rücken zur Wand“, warnt Karakas.
Immerhin liegt der Anteil der Spritkosten an den gesamten Kosten für Anschaffung, Versicherung und Unterhalt bei rund 30 Prozent, „wenn der Taxifahrer selbst im Einsatz ist“. Sollte ein Mitarbeiter tätig sein, dann sinkt dieser auf rund 20 Prozent. „Wir brauchen Unterstützung“, betont Karakas. Der Taxiverband Stuttgart sieht dabei die Politik gefordert. Ein entsprechender Antrag an die Stadt und das Land werde gerade vorbereitet.
„Wir liegen derzeit im künstlichen Koma. Und niemand weiß, wann die Geräte abgeschaltet werden.“
Iordanis Georgiadis Vorsitzender der Taxi Auto-Zentrale Stuttgart
Bei der Frage, wie die Unterstützung durch die Politik aussehen könnte, zeigt sich die Branche bewusst offen. „Es ist vieles möglich“, sagt Iordanis Georgiadis, der Vorsitzende der Taxi Auto-Zentrale Stuttgart. Allerdings kommt eine kurzfristige Tariferhöhung aus seiner Sicht nicht in Frage. Zum einen sei eine Aufhebung aufgrund der Richtlinien des Personenbeförderungsgesetzes nicht möglich. Zum anderen hält er eine „Tankzulage“ für den „absolut falschen Weg“. Zwar könne die Kommune eine befristete Ausnahmeregelung festlegen, die zum Beispiel einen Euro pro Kilometer teurer ist, „aber das würde wieder den bereits jetzt gebeutelten Fahrgast treffen“. Dabei haben Karakas und Georgiadis bereits jetzt aufgrund der unsicheren weltpolitischen und wirtschaftlichen Umstände eine deutliche Zurückhaltung bei Kunden und auch Unternehmen festgestellt.
Staatliche Unterstützung wie während der Corona-Pandemie
Die Taxibranche sieht daher die Politik in der Pflicht. Eine Entlastung könnte eine Steuererleichterung oder eine einmalige Zahlung vom Staat bringen. Georgiadis zieht dabei einen Vergleich mit den Corona-Hilfen während der Pandemie. „Damals wurden 50 Prozent der Tilgungsraten für den Kauf eines Neuwagens zeitweise übernommen.“
In Stuttgart setzt das Gewerbe seine Hoffnung in das am 18. April beginnende Stuttgarter Frühlingsfest. Wenn aber auch dann das erwartete Geschäft ausbleibe, dann werde es gefährlich. „Wir liegen derzeit im künstlichen Koma. Und niemand weiß, wann die Geräte abgeschaltet werden“, zieht Georgiadis einen bildhaften Vergleich. Ein akutes Taxisterben der rund 700 Gewerbetreibenden in Stuttgart sieht er derzeit noch nicht, vielmehr rechnet er „mit einer Flut an Insolvenzen“ – sollte die politische Hilfe ausbleiben.