Hohe Waldbrandgefahr im Kreis Böblingen Das Spiel mit dem Feuer ist brandgefährlich

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Wegen der großen Trockenheit ist die Waldbrandgefahr im Kreis derzeit sehr hoch, in Malmsheim brannte neulich ein Wiesengrundstück. 

In Malmsheim brannten unter anderem  Bäume, eine Grillgesellschaft hat wohl nicht richtig aufgepasst. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern. Foto: factum/Granville
In Malmsheim brannten unter anderem Bäume, eine Grillgesellschaft hat wohl nicht richtig aufgepasst. Die Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindern. Foto: factum/Granville

Böblingen - Nur der Renninger Feuerwehr ist es zu verdanken, dass die Katastrophe noch einmal abgewendet werden konnte. Unbekannte hatten am Sonntag hinter dem Sportplatz von Malmsheim ein Feuer angezündet, vermutlich wollten sie wild grillen. Schnell gerieten die Flammen außer Kontrolle. „Das geht rasend schnell, die Böden sind so trocken“, sagt Erhard Mohr, der Renninger Feuerwehrkommandant. Als die Einsatzkräfte eintrafen, loderten die Flammen schon auf einer Fläche von 75 Quadratmetern nahe der ­S-Bahn-Gleise. Mit vereinten Kräften gelang es der Feuerwehr schließlich, den Brand zu löschen. Das Feuer hatte da allerdings schon auf einige Bäume übergegriffen, die nun gefällt werden müssen. Zum Glück für die Feuerwehr hatte es jedoch deren Kronen noch nicht erreicht. „Wenn bei einer Kiefer mal die Krone brennt, dann greift das wie ein Blitzfeuer über“, so Mohr.

Immer wieder kommt es im Sommer zu Bränden in der Natur – meist durch die Gedankenlosigkeit von Menschen. „Mehr als 95 Prozent der Waldbrände lassen sich auf menschliches Handeln und Fahrlässigkeit zurückführen“, sagt Rebecca Kottmann, die Sprecherin des Böblinger Landratsamts. Die Gefahr für Waldbrände sei im Augenblick sehr hoch.

Wenige Regentage im Juni

Das liegt vor allem daran, dass es lange nicht geregnet hat. Die letzten starken Niederschläge verzeichnete die Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf dem Stuttgarter Schnarrenberg am 12. Juni – im Kreis Böblingen gebe es keine Station und daher keine entsprechenden Werte, sagt Marco Puckert vom DWD. Auch am 7. Juni hatte es dort stark geregnet. Zusammengerechnet sind an diesen beiden Regentagen auf dem Schnarrenberg 90 Liter pro Quadratmeter gemessen worden. „Das ist in kurzer Zeit zwar wahnsinnig viel Wasser“, so Puckert. Die Böden könnten aber gar nicht so viel aufnehmen.

Wildes Grillen sei deshalb absolut tabu, sagt der Feuerwehrmann Mohr. Auch in Wäldern wie dem Schönbuch gelten strenge Verhaltensregeln. Grillen im Wald sei gestattet, aber nur an den ausgewiesenen Feuerstellen, sagt Rebecca Kottmann. „Selbst mitgebrachte Gartengrillgeräte oder selbst gebaute Feuerstellen sind dafür nicht erlaubt.“ Das Feuer dürfe man nicht aus den Augen lassen, und es müsse vollständig gelöscht sein, wenn man die Grillstelle verlasse. Außerdem gelte von März bis Oktober ein Rauchverbot im Wald.

Wengerter freuen sich über das Wetter

Für die Wengerter hingegen sei dieses Jahr gerade wegen der heißen und trockenen Witterung ein „Turbo-Jahr“, sagt Albert Kaspari, der Vorsitzende des Obst-, Garten- und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg. „Das Wetter ist optimal.“ Im Frühjahr hätten die Rebstöcke früh ausgetrieben, insgesamt seien sie ihrer Zeit jetzt gut drei Wochen voraus. Wenn alles gut gehe, könne man schon Anfang September mit der Lese beginnen, schätzt der Wein-Experte. Nach dem Verlust eines Großteils der Ernte im vergangenen Jahr wegen der Frostnächte im April sind dieses Mal die Chancen auf einen guten Jahrgang hervorragend. „Die Reben hängen voller Trauben.“ Die noch für diese Woche angekündigten Gewitter machen dem Wengerter keine Sorgen, selbst Starkregen würde den Reben nicht schaden. Im Gegenteil. „Wasser brauchen die Pflanzen ja auch.“

Das dürften sie noch in dieser Woche bekommen. Laut Puckert ist der Regen bereits im Anmarsch, dann sinkt auch die Waldbrandgefahr vorerst wieder. Am Mittwoch drohen bei schwülem Wetter auch im Kreis Böblingen Gewitter. Am Donnerstag müsse man mit Schauern rechnen, bevor das Wetter am Wochenende wieder in heiß und trocken umschlage, so Puckert.

Weitere Brände in der Region Stuttgart

Allmersbach im Tal:
Auch in der 4700 Einwohner zählenden Gemeinde im Rems-Murr-Kreis musste die Feuerwehr am vergangenen Wochenende zu einem Flächenbrand ausrücken. Zwei Männer hatten am Sonntag, 1. Juli, auf einem Grundstück am Ortsausgang Richtung Rudersberg Holz verbrannt. Das Feuer geriet außer Kontrolle und zerstörte schließlich eine Fläche von 30 mal 50 Metern, bevor die Einsatzkräfte die Flammen löschen konnten.

Musberg:
Ein Fall von Brandstiftung beschäftigt die Polizei in Filderstadt (Kreis Esslingen). Im Waldgebiet zwischen dem Schützenhaus Musberg und der Mäulesmühle hatten Unbekannte am vergangenen Wochenende einen Holzstapel angezündet. Die Feuerwehr konnte die Flammen auf dem etwa 30 Quadratmeter großen Areal gerade noch löschen, bevor sie auf den Wald übergreifen konnte. Ein Polizeihubschrauber wurde für die Suche nach Brandnestern eingesetzt.

Schönbuch:
Großalarm für die Feuerwehr: Am 20. April brach ein Brand an einer entlegenen Stelle des Waldes zwischen Steinenbronn und Musberg (Kreis Esslingen) aus, mehr als 200 Einsatzkräfte aus der Region waren im Einsatz. Die Besatzung eines Polizeihubschraubers, der zufällig in der Gegend unterwegs gewesen war, hatte am Nachmittag den Rauch entdeckt. Letztlich loderte das Feuer auf einer Fläche von einem halben Quadratkilometer. Bei den Löscharbeiten stießen die Einsatzkräfte auf eine Phosphorbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die das Feuer eventuell ausgelöst haben könnte.