Hohenheimer Schlossradrennen „Da müsste ich 50 000 Euro auf den Tisch legen“

Wer macht diesmal das Rennen? Insgesamt geht es in acht Kategorien um den Sieg. Foto: Archiv/Baumann

Am Sonntag steigt die 27. Auflage des Eintagesklassikers. Der Organisator Folker Baur spricht übers Teilnehmerfeld, Kosten für Stars der Szene und seine besten Erinnerungen.

Vor fast drei Jahrzehnten als spontane Idee zweier Radsportbegeisterter in einer Bierlaune entstanden, hat sich das Hohenheimer Schlossradrennen längst zu einer festen Größe im Stuttgarter Sportkalender entwickelt. Heute ist es einer der größten und traditionsreichsten Eintagesklassiker in Süddeutschland. Von Beginn an dabei ist Folker Baur, Ideengeber, Cheforganisator und Vorsitzender des Veranstalters TV Plieningen. In unserem Interview spricht der 74-Jährige über die 27. Auflage am kommenden Sonntag und über die Zukunft der Konkurrenz. Gestartet wird von 10 Uhr an in acht verschiedenen Kategorien. Die Eliterennen sind um 11.45 Uhr (Frauen) sowie 14.30 Uhr (Männer).

 

Herr Baur, was erwartet die interessierten Radsportfans am Sonntag an der Strecke?

Sie dürfen sich auf ein spannendes Hauptrennen der Elite-Männer vor der imposanten Kulisse des Schlosses freuen, aber auch auf die zweite Austragung unseres Frauenrennens, bei der ich mich speziell auf die 17 Jahre alte Leni Bauer vom RSV Vaihingen freue, die eines der größten deutschen Talente ihrer Altersklasse ist. Abgerundet wird alles von einem tollen Rahmenprogramm und dem Stuttgarter OB Nopper, der den Startschuss gibt.

Wer sind die Favoriten bei den Männern?

Ganz klar wie immer die Kemptener Gäste, dazu der Oberbayer Daniel Bichlmann, der Sieger von 2022. Nicht unterschätzt werden dürfen auch zwei österreichische Fahrer und unsere Nachbarn aus Vaihingen.

Die ganz großen Namen der Szene, wie sie in der Vergangenheit auch mal dabei waren, fehlen nun schon seit einigen Jahren. Warum?

Das hat mehrere Gründe: Der internationale Terminkalender der Profis ist mittlerweile so voll, dass wir da einfach nicht mehr dazwischenkommen. Und bekannte deutsche Radsportstars wie Erik Zabel oder Jens Vogt, die gerne bei uns waren und auch gewonnen haben, die gibt es nicht mehr. Wenn ich in Plieningen zehn Menschen auf der Straße nach einem aktuellen deutschen Tour-de-France-Teilnehmer frage, dann höre ich zehnmal ein Schweigen.

In welchem Preisrahmen befinden sich die ganz großen Stars im Radsport?

Wenn ich einen aktuellen Sieger von Tour de France, Giro oder Spanien-Rundfahrt anlocken wollte, müsste ich 50 000 Euro plus Übernachtung und ein paar Annehmlichkeiten für zwei Stunden Radrennen auf den Tisch legen. Das gibt unser Etat einfach nicht her. Mein Traum wäre es aber, vielleicht noch einmal einen ehemaligen Spitzenfahrer zu locken oder zumindest einen Jan Ullrich als Ehrengast zum Autogramme schreiben.

Gibt es schon einen Kronprinzen für die Organisation?

Wir haben einen riesengroßen, engagierten Kreis an Helfern, ohne die unsere Veranstaltung nicht möglich wäre. Jemanden, der meinen Job übernehmen möchte, suche ich aber noch immer. Ich will solange selbst am Ruder bleiben, wie meine Gesundheit mitmacht. Die 30. Austragung 2028 habe ich definitiv noch als Ziel.

Welches ist das Erlebnis beim Schlossradrennen, an das Sie die besten Erinnerungen haben?

Das waren ganz klar die Besuche von Jens Vogt, dem zweimaligen Etappengewinner der Tour de France. Ein unglaublich sympathischer, bodenständiger Zeitgenosse. Der hat in einem einfachen Gasthaus an der Garbe übernachtet und sich nach seinem Rennen wie jeder Zuschauer in der Schlange am Wurststand angestellt. Wir telefonieren noch immer ein-, zweimal im Jahr.

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