Der Ministerpräsident Winfried Kretschmann kommt zur Prunksitzung nach Donzdorf. Dabei war der Grüne im vergangenen Jahr noch verschmäht worden.

Baden-Württemberg: Eberhard Wein (kew)

Donzdorf - Stefan Mappus ist einen halben Abend da gewesen, Günther Oettinger hat mehrfach vorbeigeschaut, und Erwin Teufel hat es zumindest versucht. Jetzt tritt der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann in die Fußstapfen seiner schwarzen Amtsvorgänger und wird am Samstag zusammen mit seiner Frau unter den 600 Gästen bei der Donzdorfer Prunksitzung sein. Der Landesvater habe sein Kommen fest zugesagt, erklärt der Präsident des Donzdorfer Kulturrings, Alexander Müller – vorausgesetzt, es rufe nicht kurzfristig eine wichtige dienstliche Verpflichtung.

 

Kulturring wird selbst zur Lachnummer

Selbstverständlich ist die Zusage nicht. Schließlich hatte sich im vergangenen Jahr der damalige Kulturring-Präsident Eberhard Schmid noch standhaft geweigert, den neuen Regierungschef nach Donzdorf einzuladen. Er habe „eine Aversion gegen den Mann“, rechtfertigte Schmid seine Zurückhaltung, wobei dabei weniger persönliche als parteipolitische Gründe eine Rolle gespielt haben dürften. Schmid ist seit mehr als vier Jahrzehnten treues CDU-Mitglied.

Das Ergebnis der Affäre: Schmid trat zurück, der Kulturring, der als Zusammenschluss der Donzdorfer Vereine die Prunksitzungen organisiert, wurde selbst zur Lachnummer und stand obendrein mitten in der hochnärrischen Zeit ohne seinen langjährigen Präsidenten da.

„Der Ministerpräsident freut sich schon sehr“

In diesem Jahr scheint sich alles zum Guten zu wenden, was auch daran liegen mag, dass Kretschmann, anders als seine beiden protestantischen Amtsvorgänger, über einen natürlichen Draht zur schwäbisch-alemannischen Fasnet verfügt. In seinem Heimatort Laiz gehört er zur Narrenzunft. Zunächst verschmäht, ist er daher nicht nachtragend. Es komme bei der Fasnet immer wieder das Gerücht auf, dass mit steigender Meereshöhe die Qualität des Humors sinke. Zwar liege Donzdorf auf bis zu 749 Metern, aber der Ministerpräsident wolle mit seiner Zusage dem Gerücht entschieden entgegentreten und freue sich sehr auf den Termin, sagte eine Sprecherin des Staatsministeriums. Gerücht oder nicht? Nach fünf Stunden Programm wird Kretschmann es wissen.