Hoher Wasserpreis in Stuttgart Trinkwasser für Stuttgart: „Komplexität in nicht vergleichbarem Umfang“

Der Hochwasserbehälter Hasenberg ist der größte der 41 Speicher in Stuttgart und fasst rund 25 Millionen Liter. Foto: Imago/Wilhelm Mierendorf

Stuttgart hat einen der höchsten Trinkwasserpreise in der Region – und eine schwierige Topografie. Wird es künftig noch teurer?

Frisches Leitungswasser, eine kalte Dusche oder gar ein Pool im Garten – bei den aktuellen Temperaturen steigt der Wasserverbrauch in den meisten Haushalten spürbar an. Jeder Stuttgarter verbraucht laut Netze BW im Schnitt 129 Liter Trinkwasser am Tag. Wie viel das kostet, dürften die Wenigsten wissen. Dabei ist Trinkwasser in Stuttgart ziemlich teuer, zumindest im Vergleich mit den Nachbargemeinden.

 

Die Wassergebühren in Stuttgart zählen zu den teuersten zehn Prozent in der Region: 1000 Liter kosten 3,43 Euro, dazu kommt eine jährliche Grundgebühr von 62 Euro (Stand: Januar 2024). Eine typische vierköpfige Familie mit 150 000 Liter Jahresverbrauch zahlt 576 Euro – 36 Euro mehr als 2023. Das liegt deutlich über dem Landesmittel von 423 Euro (Region: 435 Euro).

Trinkwasser in Stuttgart ist vergleichsweise teuer

Die Karte zeigt die Trinkwasserpreise für 150 000 Liter Verbrauch in der Region Stuttgart. Klicken Sie auf eine Ortschaft für Details.

Wer verantwortet diese Wassergebühren? Der mit Abstand größte Trinkwasserversorger in der Landeshauptstadt ist die EnBW. Deren Tochterunternehmen Netze BW ist weiterhin Eigentümerin und Betreiberin des entsprechenden Leitungsnetzes. Seit Jahren gibt es gerichtliche Auseinandersetzungen mit der Stadt über den Rückkauf des Leitungsnetzes.

Stuttgart hat 41 Wasserspeicher, München drei

Teuer ist das Trinkwasser in Stuttgart nicht zuletzt wegen der Lage. Höhenunterschiede von mehr als 300 Metern innerhalb des Stadtgebiets stellen die Versorgung vor besondere Herausforderungen. „Stuttgart wird aus 41 Trinkwasserspeichern versorgt – in München sind es drei“, sagt der EnBW-Sprecher Hans-Jörg Groscurth auf Nachfrage.

Etwa 2 500 Kilometer Leitungsnetz in 65 Druckzonen bringen mithilfe von 80 Pumpen das Wasser dann von den Speichern zu den Haushalten. „Oder anders gesagt: Es gibt in Deutschland keine Wasserversorgung, die eine Komplexität in vergleichbarem Umfang besitzt“, meint Groscurth.

So entsteht der Wasserpreis Foto: StZN/Lange

Nicht nur im Betrieb führten die ausgeklügelten technischen Anlagen zu höheren Kosten. Auch Sanierung und Neubau seien teurer als anderswo, sagt Groscurth: „Die Besonderheiten des Bauens in einem stark verdichteten Ballungsraum wie der Landeshauptstadt wirken sich zusätzlich kostensteigernd auf den Erhalt und die Weiterentwicklung der Wasserversorgung aus“.

Preissteigerungen bei Wasserlieferanten

Das verbleibende Drittel des Wasserpreises bestimmen die Wasserlieferanten. Das Trinkwasser in Stuttgarter Leitungen stammt fast ausschließlich von den Zweckverbänden Landes- und Bodenseewasserversorgung. Grob gesagt erhält der Norden und Osten Wasser aus dem Donauried, Süden und Westen vom Bodensee. Alle Stuttgarter zahlen indes den gleichen Tarif an EnBW – auch wenn die Zweckverbände ihre Preise unterschiedlich anheben.

Von 2023 auf 2024 erhöhte die Bodenseewasserversorgung ihre Preise um 8,83 Prozent, die Landeswasserversorgung um 7,58 Prozent. Für alle Stuttgarter Verbraucher stiegen die Wasserpreise einheitlich um 7,5 Prozent. Die Bodenseewasserversorgung hat angekündigt, ihren Preis bis 2041 zu verdreifachen. Als Grund gibt sie den Klimawandel und anstehende Investitionen an. Ob sich die Tarife bei EnBW und damit in Stuttgart ähnlich rasant verteuern? Darüber werde man nicht spekulieren, erklärt der Konzernsprecher Hans-Jörg Groscurth.

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