Der Zuwachs ist beträchtlich: Vor 2017 gab es an den 148 städtischen Schulen mit ihren 172 Standorten „so gut wie keine mobilen Endgeräte, bis Corona rund 5000“, sagt Andreas Hein, der Leiter des Schulverwaltungsamts. Heute seien es 44 000, bis Jahresende sollen es 48 000 werden, mit Ablauf des Jahres 2024 sogar 57 500. Darunter sind nicht nur mobile Geräte wie Notebooks oder Tablets, sondern auch 9000 stationäre PC. Bei aktuell 74 200 Schülerinnen und Schülern (Privatschulen: 10 900) wird die Stadt deutlich über einer Ausstattung von eins zu zwei bei Geräten und Schülern liegen.
Alle Lehrkräfte bekommen ein mobiles Gerät
Im Rahmen des Digitalpakts Schule erhält die Stadt vom Land von 2019 bis 2024 insgesamt 30,6 Millionen Euro. Diese Mittel hat der Gemeinderat um 7,8 Millionen Euro aufgestockt, sodass insgesamt 38,2 Millionen Euro zur Verfügung stehen.
Für die Lehrkräfte strebt die Verwaltung eine Vollausstattung mit mobilen Geräten an. Rund 4100 Geräte konnten mit 2,9 Millionen Euro des Bundes angeschafft werden. Da in den Schulen der Stadt aber gegen 7000 Geräte für Lehrer gebraucht werden, hat der Rat entschieden, dass weitere 2900 Endgeräte gekauft werden. „Die Beschaffung und Auslieferung der letzten Geräte läuft“, sagt Andreas Hein. Bis Jahresende sollen alle Lehrkräfte ein solches Gerät haben.
Doch Geräte alleine nützen wenig. Auch der Leiter des Schulverwaltungsamts weiß: „Bei der Infrastruktur haben wir den größten Nachholbedarf.“ Zum einen beim Anschluss der Schulen ans Breitbandkabelnetz. Angesichts wachsender IT-Gerätschaften und anspruchsvoller pädagogischer Konzepte für den digitalisierten Unterricht braucht man hohe Datenkapazitäten. Auch hier hat sich einiges getan. 2020 waren 117 der 172 Schulstandorte ans Glasfasernetz angeschlossen, heute seien es 164, erklärt Andreas Hein. Von den restlichen acht bekämen sechs noch in diesem Jahr einen Breitbandanschluss, die letzten beiden „im ersten Quartal 2024“.
Doch was nützt der Breitbandanschluss am Eingang, wenn die Schule selbst unzureichend ausgestattet ist? Deshalb müsse man, wenn die Glasfaserkabel liegen, „sofort weitermachen“. Server und andere Netzwerkkomponenten müssen ertüchtigt werden. „Alle Schulgebäude werden gescannt“, um zu klären, wie „mit überschaubarem Aufwand“ die Elektroinfrastruktur verbessert werden könne, sagt Andreas Hein.
Ziel ist eine flächendeckende WLAN-Infrastruktur. Das SWIS (Schulweite Intranet Stuttgart), das den Schulen derzeit eine Kapazität von einem Gigabit pro Sekunde bietet, muss aufgerüstet werden. „Durch neue Ausstattungs- und Unterrichtsszenarien ist ein Upgrade von Schulstandorten auf 10 bis zu 100 Gigabit/s erforderlich“, heißt es in einer Ratsvorlage. Andreas Hein glaubt, dass das bis Ende 2025 zu schaffen ist. Dafür sind insgesamt 5,6 Millionen Euro vorgesehen.
Im Klassenzimmer ist die höhere Leistung dann aber noch nicht. Von den rund 5300 Räumen in den städtischen Schulen seien etwa 3500 mit einem WLAN-Access-Point versehen. Auch wenn man hier gut vorankommen sollte: Wird in etlichen Fällen womöglich doch erst die Generalsanierung oder ein Neubau die schulische Infrastruktur auf das heute nötige technische Niveau heben? Und das könnte lange dauern: Das Sanierungsprogramm (Gesamtvolumen: 770 Millionen Euro) und das Neubauprogramm (zwei Milliarden Euro) sind im Verzug. Das Zeitziel, bis alles abgearbeitet ist, liege inzwischen bei „Ende der 2020er oder Anfang der 2030er Jahre“, räumt Andreas Hein ein. So lange sollen die betroffenen Schulen allerdings nicht warten müssen.
Der Leiter des Schulverwaltungsamts geht davon aus, dass durch Ertüchtigungen in den nächsten vier bis fünf Jahren „alle Gebäude mit Interimslösungen vernetzt sein werden“. Hein: „2027 werden wir überall WLAN haben.“ Aber warum hat der Rat dann kürzlich beschlossen, in 975 bisher nicht vernetzten Klassenräumen LTE-Router zu installieren? Diese Zwischenlösung bietet nämlich „keine Vollfunktion wie ein Netzwerk“, sagt auch Andreas Hein. Die LTE-Router lieferten aber dort, wo es kein schulisches WLAN gebe, immerhin „in jedem Raum Internet“. Aber auch das wird voraussichtlich erst Ende 2024 realisiert sein. „Knapp 150 Router sind beauftragt“, erklärt der Amtsleiter. Bei den Routern handle es sich im Übrigen nur um eine „ganz kurzfristige Lösung“, die nach der Installation nicht länger als ein Jahr im Einsatz sein sollen.
Finanzierung der Wiederbeschaffung ist ungeklärt
Bliebe die Frage, wie die Finanzierung weiterer Investitionen nach dem Ende des Digitalpakts 2024 geregelt wird. Schon im ersten Schritt habe das Land „nicht genug Geld“ bereitgestellt, sagt der Schulverwaltungsamtsleiter. Und klar ist: „Nach fünf Jahren sind die Geräte abgeschrieben, die Refinanzierung ist aber ungeklärt.“ Addiert man den Finanzbedarf der nächsten fünf Jahre für den Bereich, kommen 123 Millionen Euro zusammen, alleine 80 Millionen Euro für Wiederbeschaffungen. Andreas Hein sagt, die Stadt sollte schon im kommenden Doppelhaushalt in die Wiederbeschaffung einsteigen. Das hält die Kämmerei, was die Finanzierung der Lehrergeräte angeht, aber für keine gute Idee, sondern für ein „erneut falsches Signal“. Für die „Wiederbeschaffung und den dauerhaften Support von diesen Endgeräten“, schreibt das Finanzreferat, müsse zuerst eine „Finanzierungszusage seitens des Landes erfolgen“.