Holger Kube Ventura verlässt Kunsthalle Tübingen Künftig regiert der Chef allein

Nach seiner ersten erfolgreichen Ausstellung in Tübingen sagt Holger Kube Ventura,  das Leid sei zu groß geworden. Foto: dpa
Nach seiner ersten erfolgreichen Ausstellung in Tübingen sagt Holger Kube Ventura, das Leid sei zu groß geworden. Foto: dpa

Im März ist die frisch sanierte Kunsthalle Tübingen eröffnet worden. Jetzt hat der Leiter Holger Kube Ventura das Handtuch geworfen, weil aus seiner Sicht sein prominenter Vorgänger in die Geschäfte reinregiert. Die Stiftung versucht nun einen Neustart.

Kultur: Adrienne Braun (adr)
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Tübingen - Unruhe in der Kunsthalle Tübingen. Holger Kube Ventura, der erst seit einem Jahr die Kunsthalle Tübingen leitet, hat überraschend gekündigt. Der fünfzigjährige Künstlerische Vorstand der Kunsthalle wird das Ausstellungshaus bereits Ende September verlassen. Grund hierfür sei ein Dauerkonflikt mit Götz Adriani, dem Stiftungsvorstand und früheren Leiter der Kunsthalle, der sich, so Kube Ventura, allzu stark in seine Arbeit eingemischt habe. Völlig überraschend wird jetzt aber auch Götz Adriani die Stiftung verlassen. Obwohl sein Vertrag erst zum 30.Juni 2018 endet, wird er bereits zum Jahresende seinen Platz räumen.

Schon von Beginn an muss es zu Konflikten zwischen Adriani und Holger Kube Ventura gekommen sein. Das erste Mediationsgespräch habe bereits im April 2016, also bereits einen Monat nach seinem Antritt stattgefunden, sagt Kube Ventura. Anders als seine beiden Vorgänger, die als Kuratoren ans Haus geholt worden waren, habe man ihn sogar bewusst als Vorstandsmitglied eingestellt. „Die damit verbundenen Rechte und Pflichten wurden mir aber nie eingeräumt“, so Kube Ventura. Für ihn steht fest: „Herr Adriani duldet keine andere Leitung der Kunsthalle.“

„Ich weise den Vorwurf entschieden zurück“, sagt dagegen Götz Adriani, Holger Kube Ventura habe „völlig freie Hand“ gehabt, wegen seines „miserablen Führungsstils“ habe es aber Probleme im Haus gegeben. Auch Hans Baumgart, der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Kunsthalle, hält den Vorwurf, Götz Adriani habe sich zu stark eingemischt, für nicht zutreffend. „Da muss ich entschieden widersprechen.“ Es sei geklärt gewesen, welche Zuständigkeiten er und welche Adriani habe. In die Planung der Ausstellungen habe Götz Adriani nicht eingegriffen, weshalb sie auch deutlich die Handschrift von Holger Kube Ventura trage. „Ich weiß nicht, was er meint“, kommentiert Baumgart den Vorgang.

Götz Adriani geht – um einen Neuanfang zu ermöglichen

Für den Vorsitzenden des Kuratoriums kommt die Kündigung überraschend. Man habe noch versucht, den Leiter zu halten. „Alle Gespräche mit ihm endeten damit, dass er bei seiner ureigenen Entscheidung bleibe“, so Baumgart. Kube Ventura wollte nur unter der Bedingung bleiben, dass Adriani zurücktritt, „weil wir das hier nicht zusammen machen können“, so Kube Ventura. „Das hat er abgelehnt.“

Um künftige Konflikte zu vermeiden, hat das Kuratorium nun entschieden, die Kompetenzen im Vorstand wieder in einer Person zu bündeln. Man will einen Vorstand der Stiftung ernennen, der zugleich den Ausstellungsbetrieb leitet. Deshalb scheidet Götz Adriani aus der Stiftung aus. „Nachdem sich diese neue Situation ergeben hat, soll sie für einen Neuanfang genutzt werden“, sagt Hans Baumgart.

Das Kuratorium wird nun versuchen, die neue Stelle möglichst bald zu besetzen. Sollte bis zum Ausscheiden von Kube Ventura im September kein Nachfolger gefunden sein, wird Götz Adriani vorübergehend die Geschäfte leiten. „Aber ich bin guter Dinge, dass wir zu einer Lösung kommen“, sagt Baumgart.

Unklar ist, was aus den 150 000 Euro der Kulturstiftung des Bundes wird

Nach mehrjähriger Sanierung war die Kunsthalle Tübingen erst Mitte März mit der Ausstellung „Kapitalströmung“ wieder eröffnet worden. Auch die nächste Schau, eine große Retrospektive der iranischen Künstlerin Shirin Neshat, wird noch wie geplant zum 1. Juli eröffnet werden. Unklar ist dagegen, ob die Ausstellung des Künstlerduos Korpys/Löffler im November stattfinden kann und was nun mit weiteren Verträgen und Vereinbarungen ist, die bereits getroffen wurden. So hat Kube Ventura für ein geplantes Projekt die Zusage der Kulturstiftung des Bundes über eine Förderung von 150 000 Euro. „Die sind aber an die künstlerische Leitung gebunden“, erklärt er diesen Fall. Ein Nachfolger könne das Projekt deshalb nicht einfach übernehmen.

Auch wenn Kube Ventura, der vor seinem Wechsel an die Kunsthalle Tübingen den Frankfurter Kunstverein leitete, sich eine neue Tätigkeit suchen muss, zeigt er sich erleichtert. „Irgendwann stellt sich nicht mehr die Frage des Abwägens, sondern ist das Leid so groß – und so war es bei mir“, sagt der Kunsthistoriker. „Jetzt geht es mir gut, ich muss die Situation nicht weiter aushalten.“




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