Herr Sanwald, Ihr Team musste am ersten Spieltag Lehrgeld zahlen. Wie enttäuscht waren Sie über das 0:2 in Wolfsburg?
Dass wir Lehrgeld zahlen mussten, trifft es rückblickend wahrscheinlich am besten. Der Start in die Partie mit dem frühen Gegentreffer hat die Aufgabe natürlich nicht leichter gemacht. Insgesamt hat uns in der ersten Halbzeit die nötige Konsequenz in den Zweikämpfen gefehlt, um gegen solch eine individuell stark besetzte Offensive zu bestehen. In der zweiten Halbzeit haben wir das dann deutlich besser gemacht und uns im Spiel nach vorne mehr zugetraut. Leider ist uns da der Anschlusstreffer nicht gelungen, sonst wäre vielleicht nochmals was gegangen. Vor dem Tor müssen wir in der Bundesliga noch kaltschnäuziger werden.
Welche Haupterkenntnisse nehmen Sie aus dem ersten Bundesligaspiel der Heidenheimer Vereinsgeschichte mit?
Die Haupterkenntnis ist wenig überraschend, dass wir uns ganz schnell an dieses fußballerische Top-Niveau anpassen müssen – sowohl, was die Konsequenz in der Defensive als auch in der Offensive betrifft. In der Bundesliga ist die individuelle Qualität der Einzelspieler so hoch, dass oftmals kleine Situationen ein Spiel entscheiden. Umso wichtiger ist, dass du dir als Mannschaft keine Auszeiten in deinem Spiel erlaubst. Die Bundesliga bedeutet für uns als FCH an jedem Wochenende Existenzkampf und das müssen wir annehmen, um bestehen zu können!
Das erste Bundesliga-Heimspiel dürfte etwas ganz Besonderes sein. Können Sie die Vorfreude bei Ihnen, im Club, im Umfeld an einem Beispiel beschreiben?
Die Vorfreude auf die Bundesliga ist seit dem Tag des Aufstiegs in allen Bereichen täglich spürbar. Unsere Mitgliederzahl ist beispielsweise, innerhalb von nur drei Monaten, von 3000 auf 8500 angewachsen. Das verdeutlicht, die Begeisterung der Menschen in Heidenheim und unserer Region für den FCH ist so riesig wie noch nie.
Was erwarten Sie von der Heimpremiere gegen die TSG 1899 Hoffenheim, und was muss besser werden gegenüber dem ersten Spiel?
Wir wollen, mit der Euphorie unserer Fans im Rücken, im Vergleich zum Wolfsburg-Spiel einen Schritt nach vorne machen – leidenschaftlich, mutig und mit dem Willen am besten die drei Punkte in der Voith-Arena zu behalten.
Hoffenheim verlor sein Auftaktspiel gegen den SC Freiburg ebenfalls und steht gleich unter Druck. Ein Vorteil für den FCH?
Nein, es steht der zweite Spieltag bevor. Da sollte man von bislang einem absolvierten Spiel noch nicht zu viele voreilige Schlüsse ziehen. Fakt ist: Mit der TSG Hoffenheim wartet die nächste top-besetzte Mannschaft auf uns. Wer die Anzahl der Bundesliga- oder Länderspiele vergleicht, wird sehen, dass wir erneut der krasse Außenseiter sind. Umso mehr wollen wir in diesem David-gegen-Goliath-Duell für eine Überraschung sorgen.
Was wird sich am Ablauf bei den Heimspielen gegenüber der zweiten Liga ändern?
Grundsätzlich ändert sich am Ablauf nichts. Es gibt aber natürlich infrastrukturelle Veränderungen in der Voith-Arena. Durch die DFL-Auflagen waren beispielsweise für die TV-Produktion zusätzliche Kommentatoren- und Kameraplätze auf den Tribünen notwendig. Außerdem haben wir ein neues Bandensystem auf absolutem Top-Niveau und unsere Fans können sich über eine große, neue LED-Videowand freuen.
Personelle Änderungen denkbar
Wie viele Tickets hätten Sie für die Heimpremiere verkaufen können?
Es herrscht seit Wochen und Monaten eine nie da gewesene Ticketnachfrage. Wir hätten die Voith-Arena wahrscheinlich zweimal ausverkaufen können.
Was wird sich bis zur Schließung des Transferfensters am 1. September beim FCH noch tun?
Es ist gut möglich, dass es in beide Richtungen noch personelle Veränderungen gibt. Es ist schließlich noch eine Woche Zeit. Wir werden aber wie immer nur dann noch Spieler verpflichten oder abgeben, wenn es sowohl sportlich und auch wirtschaftlich sinnvoll ist. An dieser Philosophie wird sich auch zukünftig nichts ändern.
Zur Person
Karriere
Holger Sanwald wurde am 18. Mai 1967 in Giengen/Brenz geboren. Er stürmte früher selbst für den Vorgängerclub Heidenheimer SB, von dem sich die Fußballabteilung 2007 als FCH abspaltete, in der Jugend und in der Landesliga. Im Alter von 27 wurde er ehrenamtlicher Abteilungsleiter. Der Diplom-Ökonom kümmert sich seit 2008 hauptamtlich um den Verein, erst als Geschäftsführer, seit Januar 2017 als Vorstandsvorsitzender. Er ist seit Ende 2017 Mitglied im Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).
Persönliches
Holger Sanwald ist verheiratet, eine Tochter. Hobbys: Hund, Reisen, Geschichte. (jüf)