Holy Shit Shopping und Co. Wo die Stuttgarter ihre Geschenke herkriegen

Von  

Beim Holy Shit Shopping kriegt man kurz vor Weihnachten Selbstgemachtes und Originelles. Verkaufsmessen dieser Art sind in Stuttgart so populär wie nie. Dabei finden sie anderswo noch viel häufiger statt.

 Foto: Horst Rudel 15 Bilder
Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Seit vier Jahren geht Bettina Kleist jedes Weihnachten ganz entspannt an. „Als ich vor fünf Jahren zum ersten Mal beim Holy Shit Shopping war, habe ich mich geärgert, dass ich davor schon alle Geschenke gekauft habe“, sagt die Stuttgarterin. Ein Jahr später habe sie nichts im Vorfeld gekauft, dafür aber bei dem alternativen Weihnachtsmarkt mit dem verrückten Namen Holy Shit Shopping zugeschlagen. „So mache ich das jetzt immer“, sagt Kleist.

Damit ist sie nicht die Einzige. Die Veranstalter rechnen mit insgesamt rund 5000 Besucher sam Samstag und Sonntag bei dem Markt im Römerkastell. 140 Aussteller verkaufen an ihren Ständen größtenteils selbst designte und selbst gemachte Produkte: Schmuck, Bilder, Taschen (teilweise aus alten Luftmatratzen), Kleinmöbel (aus indonesischen Ölfässern), Kinderspielsachen und Bilder.

„Für die Kreativen ist es eine gute Möglichkeit, sich auszuprobieren und etwas zu verdienen“, sagt Ulrike Kabyl, die die Idee zu dem alternativen Weihnachtsmarkt mit Glühwein und DJ-Musik hatte, der erstmals vor zehn Jahren in Berlin stattgefunden hat. Nach der Hauptstadt kamen Hamburg, Stuttgart (seit 2007) und Köln hinzu. In den ersten Jahren fand die Messe in den Wagenhallen statt, weil es dort zu eng geworden ist, sind die Macher vor einem Jahr ins Römerkastell in Bad Cannstatt umgezogen.

Jeder zweite Aussteller ist von hier

Die Hälfte der Aussteller kommen aus Stuttgart und der Region, die anderen aus ganz Deutschland. „Es bewerben sich immer viel mehr Leute als wir Stände zu vergeben haben“, sagt Ulrike Kabyl. Stuttgart sei mit Abstand am beliebtesten bei den Ausstellern. „Da merkt man eben, dass die Leute hier mehr Geld zur Verfügung haben als in anderen Gegenden“, sagt Kabyl.

Dass der Markt in Stuttgart so gut läuft, liegt auch daran, dass es hier im Vergleich zu Berlin weniger Veranstaltungen dieser Art gibt. Etabliert hat sich hier die Messe für Design, Kunst und Mode (kurz Dekumo), die immer Anfang Dezember an wechselnden Standorten stattfindet (erstmals gab es im Sommer am Feuersee eine Dekumo Cabana). Ebenfalls einen festen Platz im Kalender hat die Blickfang, die nächstes Jahr Mitte März in der Liederhalle stattfindet. Die Blickfang Messe ist mit Abstand die größte Design- und Kreativmesse in Stuttgart– die kleinste ist das Kunstkaufhaus in den Wagenhallen.

Mit insgesamt vier Verkaufsplattformen steht Stuttgart im Vergleich zu anderen Städten im Mittelfeld. „Hier gibt es ja sonntags nicht mal einen Flohmarkt“, ist die Berlinern Ulrike Kabyl überrascht, die sich vor sechs Jahren schwer getan hat, beim Ordnungsamt eine Sonntagsgenehmigung für das Holy Shit Shopping zu bekommen. Dass der alternative Weihnachtsmarkt inzwischen einigermaßen bekannt ist, freut Ines Abt und Monika Goebel, die beide in Stuttgart leben und sich einen Stand im Römerkastell teilen. Ines Abt macht Taschen aus gebrauchtem Material, zum Beispiel aus Fußbällen und Luftmatratzen und Monika Goebel macht Kleinmöbel aus Holz. Vielleicht liegt morgen irgendwo in Stuttgart eine Tasche aus alten Luftmatratzen unter dem Weihnachtsbaum. Ganz im Sinne des Holy Shit Shoppings.

Sonderthemen