Holzelfingen auf der Alb Ski deluxe: Lift für 150 Euro die Stunde buchen
In ganz Deutschland stehen die Skilifts still. Nur in Holzelfingen in der Gemeinde Lichtenstein läuft der Betrieb – für eine exklusive Kundschaft.
In ganz Deutschland stehen die Skilifts still. Nur in Holzelfingen in der Gemeinde Lichtenstein läuft der Betrieb – für eine exklusive Kundschaft.
Lichtenstein - Es herrscht Stillstand in den deutschen Skigebieten, Corona hat den Wintersport ausgebremst, außer an einem Ort im Land: im schwäbischen Holzelfingen. „Wir sind meines Wissens nach der einzige Skilift in Deutschland, der läuft“, sagt Betreiber Jochen Gekeler und könnte glücklich sein über seine Geschäftsidee: für 150 Euro die Stunde kann der Salach-Lift auf der Alb gleich hinter Reutlingen exklusiv gemietet werden.
Ein Haushalt darf Hygieneordnungskonform auf die Bretter und in die Skisaison starten. Es gibt reichlich Schnee, eine 900 Meter lange Abfahrt und an deren Ende sogar ein Verpflegungsstand mit Pommes und Früchtepunsch. Ein bisschen Gaudi deluxe in Zeiten, wo der Pistenspaß bis in den Januar hinein und womöglich noch länger tabu ist.
Die Not habe ihn erfinderisch gemacht, sagt Gekeler, 44 Jahre alt und im Hauptberuf KfZ-Meister. Der begeisterte Skifahrer und gebürtige Holzelfinger ist einer der fünf Gesellschafter der Wintersportarena, die es geschafft haben mit hohen Investitionen ein Mini-Skiparadies aufzubauen: vier Lifte, ein Rodelpark, an guten Wochenenden kommen 2000 Besucher – selbst aus Holland reisen Gäste an.
„Wir stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand“, sagt Gekeler und ist einer, der ansonsten wenig klagt und gerne anpackt. Die Nacht über war er im Pistenbulli unterwegs, hat den Hang präpariert. Fünf Stunden Schlaf, mehr hatte er nicht. Das Geschäft im letzten Winter sei wegen Null Schnee ausgefallen, sagt der Liftbetreiber in zweiter Generation. Den Sommer über habe Corona den Veranstaltungsbetrieb in den Hütten verhagelt, keine Hochzeit, keine Feiern. Und jetzt das: trotz ausgeklügeltem Hygienekonzept mit Beschränkungen der Besucherzahlen und zwei getrennten Kassen dürfe die Wintersportarena nicht aufmachen. „Wir bekommen kein grünes Licht“, ärgert sich Gekeler und von staatlicher Seite gebe es keinerlei Unterstützung. „Wir machen das im Nebenerwerb und fallen aus den Förderungen raus.“ Auch eine Dezemberhilfe für Firmen im Teil-Lockdown könne nicht beantragt werden angesichts der Null Einnahmen im Vorjahr.
Die Idee der Privatbuchungen kommt bestens an: Friederike Siegler ist mit ihrer Familie am Donnerstag zum Skifahren von Pfullingen hoch auf die Alb gekommen. „Wir haben das auf Facebook gesehen“, sagt sie und schlüpft nebenbei in ihre Skistiefel. Im Keller liege alles parat, auch die Ausrüstung von Elias und Louis, drei und fünf Jahre alt. „Das ist unser Heimatskilift“, sagt die 36-Jährige, „wir wollen Spaß haben und die Aktion unterstützen.“ Der Spaß wird allerdings bald vorbei sein. Bis zum Wochenende ist der Lift ausgebucht, dann steigen die Temperaturen.