Holzgerlingen Flüchtlingshilfe feiert Erfolgsgeschichte

Ein Fest für viele, die in Holzgerlingen Geflüchteten helfen: der Bürgermeister Ioannis Delakos, Christine Henck (Integrationsmanagement), die Leiterin des Arbeitskreises, Susanne Schäfer und Mitgründerin des AK, Tabea Dölker. Foto: Thomas Morawitzky

Der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe Holzgerlingen blickt zurück auf zehn Jahre engagierter offener Arbeit. Diese Art der Verbindung aus Ehrenamt und Kommune ist sehr besonders.

„Wir sind alle Holzgerlinger. Die einen kommen dorther, die andren von da.“ Susanne Schäfer, Leiterin des Holzgerlinger AK Flüchtlingshilfe, sagte das beim großen Fest des AK im CVJM-Haus der Gemeinde. Der Arbeitskreis feiert sein zehnjähriges Bestehen, blickt in sehr geselliger Runde zurück auf manchmal harte, letztlich aber sehr erfolgreiche Jahre, die er einer Aufteilung verdankt.

 

Die Gemeinde Holzgerlingen schafft die Voraussetzungen, bietet die Möglichkeiten, Räume an, Spenden kommen dem Arbeitskreis über die Holzgerlinger Bürgerstiftung zu – und die Bürgerinnen, Bürger können sich engagieren. „Eine Struktur kann nur die Verwaltung gaben“, sagt Susanne Schäfer. „Das Menschliche machen wir.“

Von Anfang an arbeiteten die ehrenamtlichen Helfer aus dem Kreis der Holzgerlinger Bürgerschaft sehr eng zusammen mit dem Integrationsmanagement ihrer Kommune. Die Holzgerlinger Flüchtlingshilfe besteht heute, neben einigen regelmäßigen Angeboten, aus vielen individuellen Hilfeleistungen – ein sehr dezentrales, offenes Modell also, das in zehn Jahren zu einigen guten Ergebnissen geführt hat. Beim Fest kommen geflüchtete Menschen unmittelbar zu Wort, erzählen von ihren Erfahrungen, es kommen aber auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Arbeitskreises zu Wort – und Katharina Pfister, Leiterin des Amts für Migration und Flüchtlinge am Landratsamt Böblingen. Sie spricht von der großen Herausforderung, die sich vor zehn Jahren für den Landkreis stellte, von der Schwierigkeit, genügend Betten und Unterkünfte zur Verfügung zu stellen. „Wir dürfen heute stolz darauf sein, dass wir immer Unterkünfte hatten, die wenigstens ein bisschen Privatsphäre gestatteten. Wir haben hart dafür gekämpft, es war eine harte Zeit.“

Längst, so Pfister, stellen sich andere Probleme: „Die Rahmenbedingungen verschärfen sich. Derzeit erleben wir mehr Abschiebungen, das politische Klima verändert sich und die Qualität unserer Arbeit wird zu einem wichtigen Thema.“

Ein fester Kern von 20 Helfern

Susanne Schäfer übernahm den AK Flüchtlingshilfe vor vier Jahren als Leiterin von ihrem Vorgänger Thomas Maurer, der die Gruppe über sechs Jahre hin aufgebaut hatte. Zum Kreis gehören derzeit etwa 80 passive Mitglieder und ein aktiver Kern von etwa 20 Personen. Tabea Dölker fungiert als Schäfers Stellvertreterin und war bereits bei der Gründung mit dabei. Im AK existieren mehrere große Gruppen, die für regelmäßige Angebote sorgen, wie etwa eine Werkstatt, Sprachkurse oder der „Malort“ – wo in völliger Stille nach der Methode des Pädagogen Arno Stein die Seele „zu Wort“ kommt.

Sie alle werden geehrt. Eine Ehrung wird auch Anni Langenegger zuteil, die für viele steht, die in Holzgerlingen helfen, ohne mit dem AK Flüchtlingshilfe verbunden zu sein. „Im Hochhaus, in dem sie wohnt, kennt jeder sie. Es heißt: ‚Das ist die Anni, die hilft jedem‘“.

Insgesamt treffen derweil weniger Geflüchtete in Holzgerlingen ein, viele aber aus der Ukraine. Aktuell leben etwa 460 Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, in der Stadt. Die großen Schwierigkeiten, denen sie begegnen, sind dieselben geblieben – der Umgang mit den Behörden, der deutschen Bürokratie, die Suche nach einem Arbeitsplatz, die Bewerbung. Der Holzgerliner AK Flüchtlingshilfe möchte Alltagsbegleiter sein, kennt seine Grenzen.

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