Holzgerlingen will seine Bürger überzeugen Kein privates Feuerwerk mehr
Viele Gemeinden im ganzen Land reden darüber, Holzgerlingen will es umsetzen: Das private Böllern in der Schönbuchkommune soll enden.
Viele Gemeinden im ganzen Land reden darüber, Holzgerlingen will es umsetzen: Das private Böllern in der Schönbuchkommune soll enden.
Der Jahreswechsel ist für viele Menschen ein Grund zum Feiern. Die Begleiterscheinungen des Feuerwerks jedoch geraten zunehmend in die Kritik. Grund für die Fraktion der Freien Wähler in Holzgerlingen, einen Antrag in den Gemeinderat einzubringen, nach dem auf privates Feuerwerk verzichtet werden soll. Als Ausgleich soll es demzufolge ein organisiertes Feuerwerk der Stadt geben. Die Resonanz: überaus positiv.
„Der vergangene Jahreswechsel hat gezeigt, dass die Menge privater Feuerwerke und Böller zum wiederholten Mal zugenommen hat. Die Menschen in Deutschland haben den Schätzungen zufolge in diesem Jahr über 180 Millionen Euro für mehr als 40 000 Tonnen Feuerwerkskörper ausgegeben“, ist in dem Antrag der Freien Wähler zu lesen. Direkt vor und in den Tagen nach Silvester flamme in der Folge jedes Jahr die Debatte rund um ein Feuerwerksverbot auf, sagte Alexander Failenschmid in der Sitzung. Doch mehr werde daraus nicht. Dabei kann er selbst ein Lied von den Schäden singen, die privat abgebranntes Feuerwerk hinterlassen kann: Noch immer habe der Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie einen Jungen in Behandlung, der sich an Silvester „die halbe Hand weggesprengt hat“. Von den negativen Auswirkungen auf die Umwelt ganz zu schweigen.
„Somit bleibt hier nur eine Insellösung“, sind sich die Freien Wähler sicher. Laut Antrag auch bekannt als der „Holzgerlinger Weg“ – noch aus Corona-Zeiten. Die Idee ist, dass die Menschen durch eine groß angelegte Informationskampagne frühzeitig vor Silvester für die negativen Folgen von Privatfeuerwerk sensibilisiert werden. Im besten Fall verzichten sie dadurch – so der Plan – freiwillig darauf. Als Anreiz kommen die Holzgerlinger in den Genuss von organisierter Pyrotechnik auf dem Rathausplatz. Die Freien Wähler setzen damit bewusst auf Verzicht statt Verbot.
Im Gemeinderat ging es zunächst um die Idee als solche. Ein genaues Konzept, wie das Ganze ablaufen soll, gibt es nämlich noch nicht. Doch Failenschmid zeigte sich optimistisch: „Vor dem Impfmarathon haben auch alle gesagt, ‚das geht nicht‘“, erinnert er sich. Jetzt würden das wahrscheinlich auch viele sagen. „Aber vielleicht werden wir am 1. Januar eines Besseren belehrt.“
Antonietta Scarano (Bürger für Natur und Umweltschutz) konnte sich sofort für den Antrag begeistern: „Das hätte auch von uns kommen können.“ Sie begrüßte insbesondere die Vorgehensweise, nicht auf Verbote zu setzen – denn diese wirkten oftmals nicht.
Auch das restliche Gremium schloss sich dem positiven Votum an – der Antrag der Freien Wähler wurde einstimmig abgesegnet. Die Verwaltung wird damit beauftragt, ein Konzept für den kommenden Jahreswechsel auszuarbeiten. Gespräche mit einem Pyrotechnik-Unternehmen habe es bereits gegeben, verriet Bürgermeister Ioannis Delakos. Für 5000 bis 10 000 Euro könne man etwas sehr Schönes bekommen. Finanziert werden könnte das durch die Bürgerstiftung. Dem Einwand von Edeltraud Stribick (CDU), lieber ganz auf Laser statt auf Pyrotechnik zu setzen, erteilte Delakos eine Absage. Den Erfahrungen – auch von Experten – nach, „ist das nix“.
Die Idee des Feuerwerksverzichts hält der Bürgermeister für „eine gute Sache“. Oder, wie die Antragsteller in ihrem Dokument schreiben: „Ein Versuch ist es wert.“