Achim Klausner arbeitet dort, wo andere Erholung suchen: im Wald. Foto: /Stefanie Schlecht
Achim Klausner ist seit 23 Jahren Förster. Sein Herz brennt für die Waldpädagogik. Auf Instagram gibt der 49-Jährige Einblicke in seine Arbeit. Jetzt ist er als „Förster des Jahres“ nominiert.
Arbeitshose, Weste, festes Schuhwerk: wenn Achim Klausner zur Arbeit geht, muss er sich nicht in Schale werfen. Die Kleidung muss praktisch sein. Denn seine Arbeitsstätte ist dort, wo Jogger und Erholungssuchende abschalten und dem Alltag entfliehen wollen: im Wald. Doch so idyllisch das auch klingen mag, Zeit um mal die Beine hochzulegen, hat der Förster, dessen Revier 1050 Hektar groß ist, nicht. „Ich könnte locker 16 Stunden pro Tag arbeiten“, erklärt der 49-Jährige, der dieses Jahr zum „Förster des Jahres“ nominiert wurde. Die Nominierung kommt nicht von ungefähr: Denn der gebürtige Holzgerlinger liebt seinen Beruf. Besonders deutlich wird das in seinem unablässigen Engagement für die Waldpädagogik. „Ich bin der Ansprechpartner für alles, was im Wald passiert“, erklärt er kurz und knapp seine Aufgabe.
Der Beruf des Försters ist vielseitig
Achim Klausner ist Förster des Reviers Schönbuchlichtung-Nord. Er ist für Stadtwald, Gemeindewald und Privatwälder in Holzgerlingen, Schönaich und Steinenbronn sowie den Genossenschaftswald Laubach zuständig. 2001 hat er beim Land Baden-Württemberg als Förster im Innendienst begonnen, seit 2012 ist er im Revier unterwegs.
Die Aufgaben eines Försters sind vielfältig. Die heutige Forstwirtschaft verfolgt das Ziel, dem Wald nicht mehr Holz zu entnehmen als in der gleichen Zeit nachwächst. Dies ist der Grundgedanke einer nachhaltigen Waldwirtschaft, weiß Klausner. Zudem ist die Förderung der Artenvielfalt im Wald ein wichtiger Aspekt. Revierförster sind für ein bestimmtes Waldgebiet verantwortlich. Sie kümmern sich um die Bestandspflege, Holzernte und auch um die Jagd.
Diesen Lieblingsplatz im Wald hat sich Achim Klausner einmal ausgesucht – ein Biotop im Holzgerlinger Wald. /Stefanie Schlecht
Am besten gefällt dem 49-Jährigen an seiner Arbeit, dass sie sinnstiftend ist. „Ich bin im Ort verwurzelt und kann selbst mitgestalten, wie es mit dem Wald vor der Haustür weitergeht“, sagt er. Zudem werde es ihm in seinem Beruf nie langweilig, fügt er hinzu. Es passiere immer etwas.
Auf Instagram erklärt Klausner, was im Wald alles passiert
Besonders am Herzen liegt dem vierfachen Vater jedoch die Waldpädagogik. „Viele Kinder und Jugendlichen wachsen im urbanen Raum sehr naturfern auf“, sagt Klausner. Deshalb sei das Begreifen und Erkennen der groben Zusammenhänge, beispielsweise von Saat und Ernte oder CO2-Bindung und O2 -Produktion – also Sauerstoff – , so wichtig. Regelmäßig bietet der 49-Jährige Waldführungen für Schulklassen an. Während der Coronapandemie, als dies nicht möglich war, hat er angefangen, Youtube-Videos zu drehen. Da ihm mittlerweile die Zeit zum Drehen und Schneiden der Kurzfilme fehlt, ist er zu Instagram gewechselt.
Auf seinem Kanal unter foerster__klaus hat er mittlerweile mehr als 8000 Follower. Auf der Plattform zeigt er einen bunten Ausschnitt seiner täglichen Arbeit. Zu fachspezifisch dürften die geposteten Videos nicht sein. „Aber egal ob Rehkitz, Raupe, Käfer oder Zecke – Tiere und Maschinen ziehen eigentlich immer“, sagt er und lacht.
Auch wenn es ein Waldsterben wie in Indonesien, Brasilien oder im Kongo in Deutschland laut Klausner aktuell nicht gibt, so setzten dem heimischen Wald die extremen Wetterbedingungen doch sehr zu. „Mit drei Dürrejahren verteilt auf 100 Jahren kann der Wald noch umgehen, folgten diese aber hintereinander, dann wird es schwierig“, erklärt der Experte. Die Erhaltung und die Aufforstung von Wäldern sind daher wichtige Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels. Auch der sogenannte Waldumbau beschäftigt die Förster: Weg von Monokulturen hin zu Mischkulturen, lautet die Devise. Das hat den Hintergrund, dass wenn es einer Baumart schlecht geht, nicht der ganze Wald in Mitleidenschaft gezogen wird. Man müsse den Wald fit für kommende Veränderungen machen, erklärt der Experte. Achim Klausner ist Förster mit Leib und Seele. Doch er sagt auch: Als Förster müsse einem bewusst sein, dass die Bevölkerung viele Fragen habe, wenn sie durch den Wald spaziere. „Der Wald hat täglich geöffnet. Wir betreiben hier quasi jeden Tag gläserne Produktion“, sagt Klausner. Werden etwa Bäume gefällt, wunderten sich einige Bürger, warum genau diese Exemplare weichen müssten. Sein Plan ist es, per QR-Code direkt im Wald beispielsweise über den nächsten Holzeinschlag zu informieren. „Die meisten Besucher haben ihr Handy in der Tasche und können dann nachsehen, was es damit auf sich hat“, erklärt er.
Die Arbeit eines Försters ist „gläsern“
Nach Feierabend verbringt der Förster nicht nur Zeit mit seiner Familie, er betätigt sich auch als Imker und kümmert sich um sein Bienenvolk, zudem ist er in der Kirchengemeinde aktiv. Auch spazieren geht der 49-Jährige mit seiner Frau gern, obwohl er ja im Job schon oft zu Fuß unterwegs ist: allerdings lieber über die Felder als durch den Revierwald. Und das hat Gründe: „Im Wald bin ich zu abgelenkt und höre nicht zu, sagt meine Frau.“
Soziale Medien Wer Achim Klausers Arbeit mitverfolgen, viel über den Wald und sein Revier erfahren will, kann ihm auf Instagram unter foerster_klaus folgen.
Abstimmung zum „Förster des Jahres“ bis zum Sonntag
Deutscher Waldpreis Mit dem Deutschen Waldpreis zeichnet die Internetplattform forstpraxis.de Menschen aus, die sich in besonderer Weise für die Forstbranche stark machen. Der Preis wird in fünf Kategorien ausgelobt, die je mit 2000 Euro dotiert sind. In diesem Jahr wird die Preisverleihung am 4. Juli in Berlin stattfinden. Der Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat die Schirmherrschaft für den Deutschen Waldpreis übernommen.