Holzgerlinger Bügermeister gehackt Fake-Profil von Ioannis Delakos wirbt für Bitcoin
Identitätsdiebstahl ist eine ernste Sache – vor allem, wenn sie einen Amtsträger wie Ioannis Delakos trifft.
Identitätsdiebstahl ist eine ernste Sache – vor allem, wenn sie einen Amtsträger wie Ioannis Delakos trifft.
Wenn ein schwäbischer Bürgermeister auf Facebook empfiehlt, in Bitcoins zu investieren, dann muss das doch ein seriöser Anlagetipp sein, oder? Womöglich steckt dieser Gedanke hinter einem Fall von Identitätsdiebstahl, der zuletzt Holzgerlingens Rathauschef Ioannis Delakos beschäftigt hat.
„Hallo zusammen! Offenbar wurde ein Fake-Profil von mir angelegt und es werden alle, mit denen ich hier verbunden bin, angeschrieben“, teilte Delakos am Montag auf seiner Facebook-Seite mit. „Ich kann Euch versichern, dass ich Euch nichts verkaufen möchte und Euch auch sonst keine Investitions-, Partnerwahl- oder Lebensstilempfehlungen gebe“, schickt er direkt darunter einen augenzwinkernden Disclaimer (Internet-Sprech für Haftungssauschluss) hinterher. „Bitte aufpassen!“, hängt er noch eine Warnung dran.
Noch deutlicher wird er auf Instagram: „Ich verkaufe Euch nix und geb auch keine Investitionsempfehlung“, schreibt er dort. Dazu platziert er ein „Danger“-Warnschild neben seinem Konterfei und fügt zusammen mit einem augenzwinkernden Emoji den Spruch – „Es kann nur einen geben“ – hinzu.
Die humorvoll-gelassene Reaktion des Bürgermeisters kommt im Netz offenbar gut an. „Ernstes Thema und sehr unschön! Aber der Spruch mit Partnerwahl- oder Lebensstilempfehlungen war witzig“, lautet ein Kommentar auf Facebook. Sogar die Dauer-Kandidatin Fridi Miller nutzt die Gelegenheit, solidarisch eigene Erfahrungen mit Identitätsklau zu teilen. „Bleiben Sie stark“, schreibt sie dem Holzgerlinger Bürgermeister aufmunternde Worte.
„Keine Ahnung, wie das passieren konnte“, sagt Delakos zu dieser Erfahrung, „aber Banditen gibt es eben überall.“ Nur durch Zufall habe er überhaupt von dem Fake-Profil erfahren, weile eine auf Instagram mit ihm befreundete Person ihn darauf aufmerksam gemacht habe. Bald hätten sich weitere seiner rund 2840 Facebook-Freunde und rund 2500 Instagram-Follower bei ihm gemeldet.
„Von einem habe ich die Info bekommen, dass ihm über das Fake-Profil empfohlen wurde, in Bitcoins zu investieren“, berichtet der 50-Jährige. Schon nach kurzer Zeit sei das gefälschte Profil mit dem von seiner eigenen Seite abfotografierten Porträt wieder verschwunden gewesen. Ganz weg sei es aber noch nicht, stattdessen habe es jemand in den eher schwierig einprägsamen Namen „Whos.xnbre“ umbenannt.
Als Delakos von dem gekaperten Profil erfuhr, habe er umgehend den Meta-Konzern kontaktiert, zu dem beide Social-Media-Plattformen gehören. In einer ersten Antwort habe man ihm jedoch mitgeteilt, das Profil verstoße nicht gegen die Richtlinien des Konzerns. Also legte er Widerspruch ein und fordert eine nochmalige Überprüfung. „Bis jetzt ist da aber nichts passiert“, sagte Delakos zur Wochenmitte. Anzeige habe er nicht erstattet. „Das würde ja nichts bringen“, erklärt er. Außer, dass er ihm das Recht am eigenen Bild gestohlen wurde, sei zum Glück ja auch nichts weiter passiert.
Aber Delakos nimmt die Sache durchaus ernst. Schließlich richtet sich auf ihn als Bürgermeister eine ganze andere Aufmerksamkeit und damit verbunden auch eine andere Verantwortung als bei einer Privatperson. „Deshalb habe ich auch so schnell reagiert“, erklärt er. „Das kann ja jeden treffen. Morgen könnte es der Oberbürgermeister Stefan Belz in Böblingen oder sonst wer sein.“
Schließlich seien die sozialen Medien für Amtsträger wie ihn heutzutage ein wichtiger Kanal, um möglichst viele Menschen zu erreichen und zu informieren. Das gelte insbesondere in Krisenzeiten, wie zuletzt in der Corona-Pandemie oder dem Ukrainekrieg. „Gerade dann ist eine seriöse Kommunikation sehr wichtig“, betont der Bürgermeister. Wenn durch solche Fake-Profile das Vertrauen in offizielle Stellen untergraben werde, könne das schlimme Folgen haben, warnt Delakos.
Wie Internetbetrüger an digitale Identitäten kommen und was sie damit anfangen, lässt sich nur schwer nachvollziehen. Oft sind es Maschen wie betrügerische E-Mails oder SMS-Nachrichten („Phishing“, „Smishing“) oder Datenlecks, die in die Hände von Kriminellen gelangen. „Klicken Sie nicht auf Links und Anhänge von unbekannten Quellen – egal, ob in E-Mails, SMS oder auf social Media“, warnt deshalb die Verbraucherzentrale. Außerdem gelte Vorsicht bei der Nutzung von öffentlichen und in der Regel unverschlüsselten WLAN-Angeboten.
Weitere Tipps der Verbraucherzentrale: Sensible Daten nicht per E-Mail verschicken, möglichst sichere Passwörter und für jedes Nutzerkonto ein eigenes verwenden, E-Mails möglichst verschlüsselt senden und vor allem stets misstrauisch sein, wenn sensible Daten wie Passwörter, Pins, Bankverbindung oder Kreditkartennummern abgefragt werden.
Warnzeichen
Eine fremde Person meldet sich mit einem anderen Gerät beim eigenen Konto an, persönliche Daten oder Passwörter in Online-Accounts sind plötzlich geändert, man erhält nicht nachvollziehbare Bestellbestätigungen, Mahnungen oder Inkassobriefe, Nachrichten und Anfragen versenden sich scheinbar von selbst an andere oder man kommt nicht mehr auf den eigenen Account.
Gegenmaßnahmen
Betrüger nutzen persönliche Daten, um im Netz einzukaufen und Verträge auf Kosten ihrer Opfer zu schließen. Um dies zu verhindern, bietet die Verbraucherschutzzentrale auf verschiedenen Wegen Unterstützung an – zum Beispiel mit Musterbriefen an Anbieter oder gegen Mahnbescheide.