Holzmaden 150 Millionen Jahre alt und quicklebendig

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Uwe Eller eilt der Ruf voraus, Fossilien mit Akribie und ruhiger Hand in Meisterwerke zu verwandeln. Im Rahmen einer Sonderschau im Holzmadener Urweltmuseum Hauff können sich Besucher noch bis Jahresende davon überzeugen.

Der Museumschef Rolf Bernhard Hauff und der unaussprechliche Schnabelfisch. Foto: I. Rudel

Holzmaden - Aspidorhynchus acutirostris – diesen Namen sollte man sich unbedingt merken. Vor rund 150 Millionen Jahren gestorben und in den Solnhofer Schiefer unweit des oberbayrischen Eichstätt gesunken, macht der Schnabelfisch in der Vitrine des Urweltmuseums Hauff einen äußerst lebendigen Eindruck.

Die wundersame Auferweckung ist ein Verdienst des Fossilienpräparators Uwe Eller. Er hat in akribischer Kleinarbeit nicht nur den Urzeit-Fisch aus dem ewigen Dunkel geholt, sondern auch Aeger tipularis, die 150 Millionen Jahre alte Mutter aller Langusten, oder Lepidotes elvensis, der einst das seichte Urmeer am Fuße der Schwäbischen Alb durchpflügt hat.

Für den Fisch, der rund 180 Millionen Jahre auf seinen Schmelzschuppen haben dürfte, ist die jetzt eröffnete Sonderausstellung „Tiere der Urzeit erblicken wieder das Licht der Sonne“ so etwas wie ein Heimspiel. Noch bis zum Jahresende gewährt das Holzmadener Museum unter dieser etwas zu poetisch geratenen Überschrift Einblicke in die einmalige, rund 80 Versteinerungen von Fischen, Krebsen und Echsen umfassende Sammlung des 75 Jahre alten Hobby-Präparators.

Uwe Eller, ein in der Eifel lebender Tierarzt im Ruhestand, widmet sich seit knapp 40 Jahren den Fossilien mit einer Akribie, die selbst einem Profi wie dem Museumsleiter Rolf Bernhard Hauff höchsten Respekt abnötigt. „Allein in der Präparation des Schmelzschuppenfisches stecken 1000 Arbeitsstunden. „Das ist für uns als Museum nicht zu leisten. So ein Fisch ist eigentlich unbezahlbar“, sagt Hauff, der auch Aug’ in Aug’ mit Aspidorhynchus acutirostris richtiggehend ins Schwärmen gerät. Mit seiner Begeisterung ist er nicht allein. Den versammelten Wissenschaftler seien anlässlich der Ausstellungeröffnung die Augen ausgefallen ob der Brillanz der Arbeit, sagt der Museumschef. Die Detailtreue der Präparation eröffne auch für die Forschung ganz neue Perspektiven.

Generationsübergreifende Freundschaftsbande

Die ruhige Hand und das Bemühen, selbst Unmögliches in Angriff zu nehmen, habe Eller schon als Tierarzt ausgezeichnet. So habe er unter anderem einen Falken am gebrochenen Flügel operiert. „Der konnte anschließend wieder fliegen“, erinnert sich Hauff, dessen im Jahr 1990 gestorbener Vater zu seinen Lebzeiten schon mit Eller zusammengearbeitet hatte.

Die generationsübergreifenden Freundschaftsbande waren es auch, die der Ausstellung in Holzmaden erst den Weg bereitet hat. Der Präparator hat in den Museumsräumen seinen 75. Geburtstag gefeiert und die Ausstellung als Geschenk mitgebracht. Die Vitrinen mit den einzigartigen Präparaten aus dem Holzmadener Schiefer, dem Solnhofer Schiefer und den mit 45 Millionen Jahren vergleichsweise jungen Gesteinsschichten aus dem amerikanischen Wyoming sind nicht nur rein zufällig unter der raumfüllenden Seelilienkolonie, dem Prunkstück des Holzmadener Museums, aufgebaut. 18 Jahre lang haben die Hauffs und ihre Mitarbeiter einst an dem 18 Meter langen und sechs Meter hohen Urzeitpuzzle gearbeitet, bevor das Panorama aus vergangener Zeit das Licht der heutigen Welt erblicken durfte.

Fenster zur Urwelt

Die sich aufdrängende Frage, wie lange ein Perfektionist wie Eller wohl an solch einem monumentalen Stück gearbeitet hätte, will allerdings selbst ein Rolf Bernhard Hauff, der von Berufs wegen gewohnt ist, in paläontologischen Zeitdimensionen zu denken, nicht beantworten.

Mit rund 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist das Urweltmuseum Hauff Deutschlands größtes privates Naturkundemuseum. Es beherbergt die besterhaltenen und spektakulärsten Funde, die in den vergangenen 150 Jahren in Holzmaden, Ohmden und Umgebung entdeckt wurden. Das Prunkstück der Ausstellung ist die mit über 100 Quadratmetern weltweit größte Seelilienkolonie. Ins Leben gerufen wurde das Museum im Jahr 1936 von Bernhard Hauff. Sein Enkel Rolf Bernhard Hauff leitet das Museum in der dritten Generation.

Die mit hohem Zeitaufwand und Akribie von Uwe Eller präparierten Fossilien finden sich in allen bedeutenden deutschen Naturkundemuseen. In Holzmaden ist eine auserwählte Sammlung von 80 Versteinerungen von Fischen, Krebsen und Echsen zu sehen.