Holzporträts in Welzheim Eine Parade der Menschenfreunde

Hansjörg Palm, Auge in Auge mit  dem Präsidenten Nelson Mandela Foto: Gottfried Stoppel
Hansjörg Palm, Auge in Auge mit dem Präsidenten Nelson Mandela Foto: Gottfried Stoppel

Nelson Mandela und Joseph Beuys, Florence Nightingale und Goethe: die Porträts dieser Menschenfreunde hat der Bildhauer Hansjörg Palm aus dem Stamm einer Eiche gehauen. Zu sehen sind die Riesenköpfe im Erfahrungsfeld der Sinne „Eins und alles“.

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Welzheim - An Herrn Mandelas Teint hat Hansjörg Palm feilen müssen – im wahrsten Sinne des Wortes. Den Eisenstaub zum Nachdunkeln des hellen Holzes habe er versehentlich zu dick aufgetragen, erzählt der Bildhauer aus Freiburg: „Mandela war kohlrabenschwarz.“ Also hat Palm dem kniehohen Präsidentenkopf, den er aus einem Eichenstamm gesägt hat, mit einer Feile ein Peeling verpasst und die Gesichtsfarbe des Südafrikaners anschließend noch mit einer Lasur aufgehellt. Auch beim Konterfei des Aktionskünstlers Joseph Beuys ist Hansjörg Palm ins Schwitzen gekommen: „Er hat ewig geschielt.“

Acht Köpfe aus dem Stamm einer 100-jährigen Eiche

Nun aber ist alles perfekt. Auf Nelson Mandelas Lippen liegt ein mildes Lächeln und Joseph Beuys blickt mit seinen blaugrünen Augen schmerzvoll, aber schön geradeaus. Hansjörg Palm geht einige Schritte den Trampelpfad hinauf, der als „Wunderweg“ durch den Wald und hinein in das Erfahrungsfeld der Sinne „Eins und Alles“ bei der Laufenmühle führt. Dann schaut er zurück auf die entlang des Weges aufgereihten, knapp meterhohen Köpfe, die er Stück für Stück mit der Kettensäge, dem Beil und einem Schnitzmesser aus dem Stamm einer dicken, hundertjährigen Welzheimer-Wald-Eiche herausgearbeitet hat.

Zwischen vier und fünf Tage hat Palm gebraucht, um aus einem fast quadratischen Holzklotz einen knapp 200 Kilo schweren Menschenkopf zu formen. „Ich habe schon viel mit Holz gearbeitet, aber Porträtköpfe in dieser Größe habe ich zum ersten Mal gemacht“, sagt der Bildhauer, der betont, er mache keine Kunst für Galerien: „Ich bin ein Dienstleister, so wie zum Beispiel ein Pizzabäcker.“ Nur, dass Hansjörg Palms Werke eine deutlich längere Lebensdauer haben. Gut, die Köpfe werden leicht verwittern und das Holz wird an manchen Stellen aufspringen – trotzdem: „Eichenholz ist sehr haltbar.“

Im Erfahrungsfeld an der Laufenmühle hat Hansjörg Palm schon an vielen Stellen seine Spuren hinterlassen, seit Jahren kommt er nach Welzheim, um allein oder mit seinen Kunststudenten unter freiem Himmel zu werkeln. Die Idee zu seinem nun vollendeten Werk, der „Galerie der Menschenfreunde“, hat er mit Dieter Einhäuser und Reiner Böning von der Laufenmühle ausgeheckt. Acht Persönlichkeiten hat Palm verewigt: den Dichter Johann Wolfgang von Goethe, die Engländerin Florence Nightingale, eine Pionierin der Krankenpflege, die holländische Ärztin Ita Wegmann, den Philosophen Rudolf Steiner, den Pazifisten Mahatma Gandhi, Joseph Beuys und Nelson Mandela sowie den Pädagogen Hugo Kükelhaus.

Bevor Hansjörg Palm die Kettensäge angeworfen hat, besorgte er sich so viele Ansichten dieser Menschen wie möglich – von vorne und hinten, von rechts und von links. „Ich musste die Köpfe regelrecht auswendig lernen und habe mir viele Schnittpläne gemacht.“ Die zweidimensionalen Bilder und Fotos in dreidimensionale Köpfe zu verwandeln sei ein Kampf gewesen, sagt der 55-Jährige: „Da bin ich richtig ins Schwitzen gekommen, denn wenn das Holz mal weggeschnitten ist, dann ist es weg.“

Die Kinder halten Gandhi für Pettersson

Der Blick ins Antlitz verrate viel über einen Menschen, sagt Palm und zeigt auf Goethe, an dessen Gesicht „alles saftig“ sei: die hohe Denkerstirn, die ausladende Nase, der üppige Mund und die großen Augen. Letztere seien stets der schwierigste Teil gewesen, erzählt Palm, der sich nach einigem Tüfteln dazu entschlossen hat, diese als Löcher zu gestalten. „In dem Moment, in dem ich die Augenlöcher gesägt hatte, sind sie plötzlich angekommen“, sagt Hansjörg Palm über seine Menschenfreunde, die nicht auf einem Sockel thronen, sondern wie Pilze aus dem Waldboden wachsen. Seine Kunstwerke seien zum Anfassen gedacht, sagt Palm. Es stört ihn nicht, wenn „die Kinder sich draufsetzen und Goethe in der Nase bohren“ und er hat auch kein Problem damit, dass die Jüngsten seinen Gandhi oft mit dem Bilderbuch-Helden Pettersson verwechseln – im Gegenteil.

Eines aber möchte er korrigieren: den Frauenanteil. „Wir wollen die Quote auf jeden Fall nach oben bringen“, sagt Palm, der „wild entschlossen“ ist, 2015 wieder mit seiner Kettensäge anzurücken. Wenn Passanten ihm Vorschläge machen, wen er sonst noch porträtieren könnte, zückt Palm Stift und Notizblock und schreibt mit. Sophie Scholl steht auf der Liste, Käthe Kollwitz und Mutter Teresa. „Auf Facebook kann jeder weitere Vorschläge machen.“ Mal sehen, wer Herrn Mandela in Zukunft noch so alles Gesellschaft leistet.




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