Homeschooling im Rems-Murr-Kreis Ein Papa kämpft für mehr Bildung

Auch an der Albertville-Realschule in Winnenden gibt es wegen der Pandemie zurzeit keinen Präsenzunterricht. Foto: Gottfried Stoppel

Eine Familie im Rems-Murr-Kreis ist nicht zufrieden damit, wie die Albertville-Realschule Winnenden das Homeschooling umsetzt. Der Vater schreibt unter anderem an das Schulamt – der Schulleiter lässt die Kritik nicht stehen.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Winnenden - Die Zeit der Corona-Pandemie schürt bei den Menschen ganz unterschiedliche Ängste. Auch eine fünfköpfige Familie aus dem Rems-Murr-Kreis, die ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte, geht nicht ohne Sorgen durch diese Zeit. Besonders die schulische Situation des mittleren Kindes, ein 14-jähriger Junge, der an der Albertville-Realschule in Winnenden ist, macht den Eltern zu schaffen.

 

„Das Homeschooling war unserer Meinung nach eigentlich bis um Weihnachten herum nicht vorhanden. Da hatten wir große Angst, dass unser Kind leistungstechnisch nach hinten rutscht“, sagt der Vater. Statt „richtigem Unterricht“, sei nur mit einer Cloud gearbeitet worden, aus der die Schüler Aufgaben beziehen sollten. „Es gab keine Interaktion. Da suchen sich die Kinder schnell den bequemsten Weg und machen nicht genug.“

Die Eltern verfassen zahlreiche – teils lange – Mails an verschiedene Ämter

Die besorgten Eltern suchten bisher alles andere als den Weg des geringsten Widerstandes. In zahlreichen, teils langen E-Mails an den Rektor der Schule, Sven Kubick, an das Staatliche Schulamt Backnang, das Gesundheitsamt und sogar in einer E-Mail an das Kultusministerium beschrieb die Familie den für sie nicht ausreichenden Online-Unterricht und die generell unbefriedigende Lage. „Ich glaube, viele Familien waren mit der Situation an der Schule nicht einverstanden. Sie haben aber nicht immer auch die Kraft, dafür zu kämpfen. Ich mache das stellvertretend für alle,“ sagt der Familienvater.

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Vieles von dem, was er dem Rektor in den Schreiben und Gesprächen vorwirft, kann Sven Kubick so nicht stehen lassen. So habe man schon lange vor der Pandemie an der Albertville-Realschule erfolgreich mit einer Schulcloud gearbeitet. „Das ist eine anerkannte Plattform, die das Herunterladen von Aufgaben, aber durchaus auch eine Kommunikation via Chat ermöglicht.“ Der Realschulrektor ist aber auch der Meinung, dass ein Chat nicht die verbale Kommunikation mit Kamera ersetzen kann. „Nachdem der Schulträger die Möglichkeit bot, die Schulen in Winnenden mit MS Teams auszustatten, schloss sich die Albertville-Realschule deshalb bereits im September 2020 dem Rahmenvertrag der Stadt an. Die Installation und Konfiguration wurde bis Ende November umgesetzt, sodass die Schule seit Dezember mit Schulcloud und mit MS Teams arbeiten kann.“

Seit sein Sohn mit der Videoplattform Teams arbeitet, ist der Vater zufriedener

Seit sein Sohn mit dieser Videoplattform arbeitet, die viel mehr Interaktion zulässt, ist der Vater zufrieden – beziehungsweise zufriedener. „Die Situation ist aktuell deutlich besser. Jetzt kann man das Ganze auch Homeschooling nennen“, sagt der Mann, der sich nach eigenen Angaben einfach nur freut, dass die Situation jetzt besser ist. Egal, ob seine Beschwerden etwas damit zu tun haben oder nicht. Fragt man den Realschulrektor Sven Kubick, geschah das alles „ganz ohne das Mitwirken des Vaters, dessen Ausführungen so nicht immer korrekt sind“.

Dass die Fronten der beiden in einigen Punkten verhärtet sind, führt der Familienvater aus dem Kreis auch auf den Umgang mit den Quarantäneregeln zurück. „Das Vorgehen der Schule bei Verdachtsfällen war mehrmals nicht nachvollziehbar und wurde nicht offen kommuniziert. Das hat teils zu einem Vertrauensbruch geführt.“ Die mitunter „widersprüchlichen Aussagen“ des Rektors sowie des Staatlichen Schulamts und des Gesundheitsamts hätten die „Missstände im Umgang mit der Coronalage“ aufgezeigt, sagt der Vater.

Dem Vater geht es nicht um einen „persönlichen Feldzug“ gegen Schule oder Rektor

Ihm ist es gleichwohl wichtig zu betonen, dass es ihm nicht um einen „persönlichen Feldzug“ gegen die Schule oder den Rektor gehe. „Uns geht es nur um unser Kind. Wir Eltern sollen alles kompensieren, Geräte bereitstellen und als Lehrer sowie als Techniker fungieren. Das kann es doch nicht sein.“

Der Vater aus dem Rems-Murr-Kreis ist alles andere als zufrieden damit, wie mit dem Thema Laptops umgegangen wurde. „Wir können privat nicht für alle drei Kinder Endgeräte stellen. In der Schule gab es zu wenige, und sie waren zum Teil nicht mit der richtigen Technik bespielt. Die digitale Vorbereitung auf die zweite Coronawelle wurde an der Albertville-Schule verpasst.“ Dem stellt Sven Kubick entgegen, dass bereits zu Beginn der Pandemie ein Medienentwicklungsplan seitens der Schule erstellt und eingereicht worden sei. „In Gesprächen mit dem Schulträger wurde der konkrete Bedarf an Laptops und Tablets geklärt. Nach Auskunft der Stadt hat sich jedoch die Beschaffung der Endgeräte durch Lieferschwierigkeiten verzögert“, sagt der Schulleiter – und wird von Helmut Bauer vom Staatlichen Schulamt bestätigt: „Sicher ist, dass die Albertville-Realschule alle Möglichkeiten ausschöpft, um qualitativ hochwertigen Fernunterricht sicherzustellen, der den vom Land vorgegeben Qualitätsstandards entspricht. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Albertville-Realschule in vielerlei Hinsicht überdurchschnittlich ausgestattet ist und auf hohem Niveau Unterricht gestaltet.“

Zu allen Punkten zeigt sich Schulleiter Sven Kubick gesprächsbereit

Zu allen Punkten zeigt sich Sven Kubick gesprächsbereit. Der besorgte Vater berichtet auch von einem klärenden Gespräch, doch der Schulleiter kritisiert: „Zu einem offenen Umgang mit Eltern gehört eine direkte Kommunikation. Diese spiegelt sich nicht in Schreiben an vorgesetzte Behörden, Dauerklagen über Missstände an der falschen Stelle oder nicht erfüllbare Erwartungshaltungen wider.“

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