Patrice Grad kann man guten Gewissens als Koryphäe des Stuttgarter Nachtlebens betrachten: Seit fast einem Vierteljahrhundert veranstaltet er Techno-Partys, Raves und Festivals. Wir zeigen euch, wie der 52-Jährige in Mitte wohnt.
Bei Patrice Grad, den die meisten Nachteulen der Stadt seit fast einem Vierteljahrhundert als Party-Veranstalter „Patze“ kennen, dreht sich alles um eine positive Grundstimmung, ums Ja- statt Nein-Sagen und „den eigenen Weg gehen“, wie es auf einem Schild in seinem Flur geschrieben steht, wie in wahrscheinlich einigen anderen Wohnungen dieser Stadt – nur, dass man’s Patrice zu hundert Prozent abkauft.
Positive Vibes bei der Inneneinrichtung
Das hat viel damit zu tun, wie der 52-Jährige seine rund 85 Quadratmeter große Wohnung in der Alexanderstraße am Olgaeck eingerichtet hat: Hinter jeder Deko und jedem Möbelstück steckt eine Geschichte, und zwar eine schöne. „Das Bild hier hat eine befreundete Künstlerin, Bojana Wiegand, für mich gemalt, bevor sie bekannt geworden ist“, sagt er und zeigt auf ein großformatiges Werk im Wohnzimmer. Auf dem Boden steht ein gerahmtes Plakat seiner Partyreihe „Herz & Seele“ mit Hashtag „#teampatze“, auf dem Fenstersims und in den Regalen finden sich Buddha- und Bodhisattva-Figuren, nebenan Tempelwächter aus Südostasien, dazwischen ein mit Wachsmalstiften gemaltes Kinderbild, das der Sohn eines befreundeten DJs ihm geschenkt hat und Fotografien seiner besten Freundin. Passt.
„Es ist nicht so superstylisch wie bei anderen“, sagt Patze, „aber ich mag es hier.“ Die Drei-Zimmer-Wohnung, für die er knapp 1400 Euro Miete zahlt, dient dem Hansdampf in Stuttgarts Gassen als Rückzugsort, als Ruhepol, wenn mal wieder viel los ist. „Bei der Einrichtung ist mir deswegen wichtiger, dass ich eine persönliche Verbindung oder Geschichte mit den Dingen habe, als dass alles wie aus dem Wohnkatalog gegossen aussieht“, sagt der Veranstalter.
Neben den Tanzveranstaltungen seiner Agentur Benztown Artists, betreut er seit einigen Jahren auch die Presse der expandierenden Restaurantkette Mauritius. Davon zeugt unter anderem eine goldlackierte Buddhafigur in seinem Schlafzimmer: „Die ist aus der ehemaligen Buddha Lounge am Südheimer Platz, in die mittlerweile das Mauritius eingezogen ist.“ Auch ein lebensgroßer Bodhisattva aus der Buddha Lounge, der sonst dem umfassenden Umbau zum Opfer gefallen wäre, hat in Patrices Wohnung Unterschlupf gefunden.
Auffällig ist, dass sich in ausnahmslos jedem Zimmer Erinnerungsstücke und Fotografien von Freund:innen sowie Postkarten aus aller Welt finden. „Das hat sich lustigerweise irgendwie etabliert: Dass Bekannte und Gäste meiner Partys mir Postkarten schicken, wenn sie gerade im Urlaub sind“, berichtet der Stuttgarter mit einem dicken Stapel frisch reingekommener Karten in der Hand. Jede Woche lande mindestens eine in seinem Briefkasten.
Wohnung mit Herz
Angesprochen auf die vielfältige Sammlung kleiner Figürchen in seinem Arbeitszimmer, muss Patrice schmunzeln. „Die finde ich immer auf meinen Spaziergängen durch die Stadt“, sagt er. Filztiere, Winkekatzen, kleine Porzellanbuddhas, Schlümpfe, ein Raumfahrer – „ich laufe sehr viel“, lautet die Erklärung. Die meisten seiner Erledigungen und Termine bestreite er zu Fuß. „Ich versuche, täglich 15 000 bis 20 000 Schritte zu gehen.“ Zusätzlich startet der Partymacher jeden Morgen um fünf oder sechs Uhr mit einer halbstündigen Sporteinheit auf dem Heimtrainer, bevor er an den Schreibtisch geht. „Ich arbeite gerne so früh morgens – da stört mich keiner“, sagt Patrice lachend.
Von seiner Küche aus geht es hinaus auf einen kleinen Balkon, der Küche und Schlafzimmer verbindet und über ein Parkareal und das Olgaeck hinaus eine Aussicht auf die gegenüberliegenden Stuttgart Hills bietet. „Ein paar Stockwerke höher zu wohnen, wäre noch toll“, träumt er vor sich hin, während er in einer seiner unterschiedlich großen Bialettis einen Kaffee aufsetzt und davon berichtet, wie gerne er für die DJs, die er für seine Events bucht, zuhause Essen und Kaffee kocht. Am Kühlschrank hängen Magnete von seinen Reisen, Festivalbändchen und Karten mit lustigen Sprüchen: „Am Ende ist alles Techno.“
„Ich hoffe, ihr hattet eine gute Zeit“, sagt Patrice, als wir ihm beim Verlassen der Wohnung seine bunten Gäste-Adiletten zurückgeben. „Kommt gerne bei meiner Geburtstagsparty vorbei, ich feiere am 29. März in der Romantica rein und am 4. April im Kowalski raus.“ Machen wir.