Honig aus der Region Zwei Imker, ein Stand, kein Problem

Berengar Weber und Ute Gasselin teilen sich auf dem Wochenmarkt im Scharnhauser Park seit acht Jahren einen Stand. Foto: Ines Rudel

Nicht nur auf dem Esslinger Wochenmarkt bietet Berengar Weber seinen regionalen Honig an. Im Scharnhauser Park Ostfildern teilt er sich einen Stand mit seiner ehemaligen Mentorin Ute Gasselin.

Viele Marktgänger sind sehr zielstrebig: „Guten Morgen, ein Glas Kastanienhonig bitte“, ein leeres Glas wird abgegeben, das neue eingepackt – 30 Sekunden. Inzwischen kennt der Imker Berengar Weber seine Kunden. „Manchmal ist es schon ein wenig seltsam: Die wissen, wer ich bin, und von einigen Kunden weiß ich vieles aus dem Privatleben, aber ich kenne nicht einmal deren Vornamen. Man stellt sich ja nicht vor, wenn man einkaufen geht.“

 

Zwar werde sein Honig auch im Supermarkt verkauft, aber den Direktverkauf ziehe er vor – eben wegen des Kundenkontakts. „Man kann gemütlich mit den Leuten quatschen und sie auch beraten. Im Supermarktregal sehen die Leute ja nur das Etikett. Hier hat man eher das Gefühl, dass man es selbst in der Hand hat“, sagt der Imker. „Wenn die Qualität stimmt, ist man seines eigenen Glückes Schmied.“ Zwischendurch kommen noch die Kollegen vom Esslinger Imkerverein auf ein Schwätzchen vorbei. Man fachsimpelt über die aktuelle Honigernte und probiert gemeinsam. „Die kommen eigentlich fast jede Woche“, erzählt Weber.

Über die Anzahl der Bienenvölker spricht man nicht

Eigentlich hat Berengar Weber seinen Hof im Landkreis Göppingen. Seine Kundschaft sei aber hauptsächlich hier im Kreis Esslingen. Nach seinem Studium hatte er auf einem Hof in Denkendorf gearbeitet, bevor er im Jahr 2016 den Unteren Merzenhof in Ottenbach fand. Dort erfüllte er sich mit seiner Frau Jasmin den Traum von der Selbstständigkeit. Sie kümmert sich dort um die Gewächshäuser, er um die Bienen.

Neben Honig haben sie auch exotischere Obst- und Gemüsesorten wie die asiatische Schlangengurke im Angebot . „Der Gemüseanbau rettet uns in den Jahren, in denen die Honigernte schlecht war“, sagt Weber. Gelernt habe er das Imkern beim Esslinger Imkerverein. Genauer gesagt bei Ute Gasselin, der ehemaligen Vorsitzenden des Vereins. Inzwischen ist Berengar Weber einer von wenigen hauptberuflichen Imkern in Deutschland. Er kümmert sich um mehrere Hundert Bienenvölker. Genaue Zahlen wolle er nicht nennen. „Das ist bei Imkern, wie über das Gehalt zu sprechen.“, erklärt er.

Bienen lassen sich nichts vorschreiben

Samstags ist er immer auf dem Wochenmarkt im Scharnhauser Park zu finden. Er teilt sich den Stand mit seiner ehemaligen Mentorin Ute Gasselin. Eine ungewöhnliche Partnerschaft: zwei Beschicker, die das gleiche Produkt anbieten. „Wir ergänzen uns gut“, sagt die Imkerin. „Außerdem ist es auch eine schöne Lektion für das Leben: Es muss sich nicht immer alles um Konkurrenz drehen.“ Ist einer mal im Gespräch, kümmert sich der andere um den Verkauf an beiden Tischen. Außerdem sei Honig eben nicht gleich Honig. „Selbst wenn die Kästen in zwei Jahren in Folge an derselben Stelle stehen, schmeckt der Honig immer anders“, sagt Gasselin. Die Bienen ließen sich eben nicht vorschreiben, wo sie was zu sammeln hätten. Sie betreibe die Imkerei als Hobby – das heißt, sie habe weniger als 30 Bienenvölker. Allein habe sie den Bedarf des Ostfilderner Marktes nicht decken können, weshalb sie vor rund acht Jahren Berengar Weber mit ins Boot geholt habe.

In der Gemeinschaft der Marktleute sei er damals schnell aufgenommen worden, sagt er. Kurz mal Geld wechseln – unter Kollegen kein Problem. Wenn man selbst etwas aktuell nicht anbieten kann, schickt man den Kunden zum Nachbarstand. „Mit dem Aufbau eines Kundenstamms hat es länger gedauert“, erinnert sich Weber. Auch nach zwei Jahren sei er teilweise noch gefragt worden, ob er neu sei.

Der frühe Vogel verkauft den Honig

Weber hat samstags auch einen Stand auf dem Esslinger Wochenmarkt. Dort ist seine Ehefrau Jasmin für den Verkauf zuständig im Wechsel mit einer Verkäuferin, je nachdem, wie es mit der Kinderbetreuung klappe. Die beiden Wochenmärkte würden sich stark unterscheiden. „Ostfildern ist ganz anders als der Markt in Esslingen“, sagt Weber. Während in Esslingen viele Touristen aus der Region den Markt besuchen würden, sei der Anteil der Stammkunden im Scharnhauser Park höher. „Außerdem schläft man in Ostfildern wohl etwas länger“, sagt Weber. Dort beginnt der Markt eine Stunde später – erst um 8 Uhr. Ein Luxus, den er nicht genießen kann: Um 4.30 Uhr heißt es jeden Samstag aufstehen, Auto beladen und die beiden Stände aufbauen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Imker Honig Wochenmarkt