Hoppenlaufriedhof Räte wollen historische Gräber retten

Von Thomas Braun 

Die Restaurierung der vom Zerfall bedrohten Grabsteine auf dem Hoppenlaufriedhof in Stuttgart-Mitte kostet insgesamt 1,5 Millionen Euro.

Feuchtigkeit bedroht die historischen Grabsteine. Foto: Achim Zweygarth
Feuchtigkeit bedroht die historischen Grabsteine. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Grabstätten auf dem jahrhundertealten Hoppenlaufriedhof sind vom Zerfall bedroht. Das 1626 angelegte Grabfeld ist sowohl stadt- als auch landesgeschichtlich von Bedeutung und gilt darüber hinaus als einer der bedeutendsten historischen Friedhöfe in Deutschland. Um zu verhindern, dass die Gräber bedeutender historischer Persönlichkeiten wie dem des Verlegers Johann Friedlich Cotta, des Dichters Wilhelm Hauff oder des Musikers und Publizisten Christian Friedrich Daniel Schubart dem Zerfall preisgegeben werden, muss auch die Stadt investieren: 1,5 Millionen Euro veranschlagt der Leiter des Friedhofsamts, Volker Schirner, für entsprechende Konservierungsmaßnahmen der Grabsteine.

Erhebliche Schäden an vielen Grabmalen

Im September hat das Amt eine Schadensanalyse auf der insgesamt mehr als 1600 Grabmale umfassenden Ruhestätte veranlasst. 1464 Grabmale stehen auf dem allgemeinen Friedhofsteil, auf dem jüdische Friedhofsteil finden sich noch einmal 211 Grabstätten. Dabei wurden die Grabsteine in Schadensklassen und Dringlichkeitsstufen unterteilt und ihr Zustand analysiert. Feuchtigkeit und Schadstoffe haben vielen der Grabmale, die zum großen Teil aus Sandstein bestehen, erhebliche Schäden zugefügt, teilweise sind die Inschriften kaum noch entzifferbar.

Den Finanzbedarf für die dringlichsten Reparaturen beziffert das Friedhofsamt allein auf rund 750 000 Euro. Im jüdischen Teil des Friedhofs können die Schäden nicht behoben werden, die Grabmale müssen dort konserviert werden. Kostenpunkt: rund 250 000 Euro. Zusammen mit der Restaurierung der bereits angegriffenen, aber noch nicht unmittelbar vor dem Zerfall stehenden Grabsteine kommen eineinhalb Millionen Euro zusammen. Schirner wies am Dienstag im Technischen Ausschuss des Gemeinderats allerdings darauf hin, dass für die Sanierung Zuschüsse seitens des Landes sowie der Stiftung Denkmalpflege in Höhe von jeweils einer halben Million Euro zu erwarten seien. Die Restaurierung könnte 2013 beginnen, dann über mehrere Haushaltsjahre finanziert und 2017 abgeschlossen werden.

Stadträtin hält den städtischen Anteil für überschaubar

Im Ausschuss waren sich die Fraktionen auch rasch einig, dass die Stadt Geld in die Hand nehmen müsse, um die historischen Grabstätten zu erhalten. „Der Hoppenlau­friedhof ist die letzte Ruhestätte der Dichter und Denker“, betonte die SPD-Fraktionschefin Roswitha Blind. Wenn man nicht investiere, würden die Grabsteine bald für immer verschwunden sein. Die Kosten in Höhe von rund 500 000 Euro, die letztlich an der Stadt hängen bleiben würden, seien „relativ überschaubar“. Vielleicht lasse sich die Summe zudem durch Spenden vom Schwäbischen Heimatbund weiter reduzieren, so Blind.

Dem widersprach der Grünen-Stadtrat Michael Kienzle. Er glaube nicht, dass der selbst von Spenden lebende Heimatbund einen nennenswerten Betrag beisteuern könne. Dennoch sei es richtig, die Aufgabe jetzt anzugehen. Die CDU und die Freien Wähler (FW) schlossen sich dieser Meinung an. Der FW-Fraktionschef Jürgen Zeeb betonte zugleich, es gehe nicht um Kleinstbeträge, sondern um durchaus große Summen, die die Landeshauptstadt zur Rettung des Friedhofs finanzieren müsse.

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