Horrende Spritpreise Busunternehmen in Leonberg und Friolzheim am Limit – drohen Ausfälle?

Die hohen Spritpreise sind für den Friolzheimer Busunternehmer Alf Seitter eine große Herausforderung. Foto: privat

Busunternehmen wie Kappus aus Warmbronn oder Seitter aus Friolzheim beschreiben, wie sie unter Druck sind – und warum die Entwicklung der E-Busse noch am Anfang ist.

Die hohen Spritpreise sind derzeit überall ein Thema – sie beschäftigen auch die lokalen Busunternehmen. „Die Lage ist sehr kritisch, weil auch der Markt völlig unberechenbar ist“, sagt beispielsweise Walter Kappus, Chef des gleichnamigen Busunternehmens im Leonberger Teilort Warmbronn. Anfang des Jahres hat er noch 1,20 Euro pro Liter für HVO 100 bezahlt – ein synthetischer Dieselkraftstoff aus Abfall- und Reststoffen, der CO₂-Emissionen um bis zu 90 Prozent senkt. „Dieser ist schon von Haus teurer als normaler Diesel.“ Im Schnitt alle 20 Tage muss er den 33 000 Liter fassenden Tank des Unternehmens befüllen. Zuletzt lagen die Spritpreise bei 1,90 Euro je Liter.

 

Während im Linienverkehr sein Auftraggeber, der Landkreis Böblingen, für die aktuellen Preiserhöhungen aufkommt, tragen die Busunternehmen die Kosten in den Geschäftsbereichen Mietbusse oder Reiseverkehr selbst. „Bis jetzt haben wir die Kostensteigerungen noch nicht an die Kunden weitergegeben, doch wir beobachten natürlich, wie es weitergeht“, sagt Walter Kappus. Er hofft auch, dass der Landkreis auf Grund der steigenden Kosten den Fahrplan nicht ausdünnt.

Können sich Schulen oder Vereine noch Ausfahrten leisten?

Auch Alf Seitter, Busunternehmer aus Friolzheim, muss mit den aktuellen Herausforderungen zurechtkommen. „Es sind ja nicht nur die hohen Spritpreise, sondern auch die steigenden Kosten der Versicherungen, der Ersatzteile oder der Anschaffung von neuen Fahrzeugen“, sagt er.

Seitter sieht in diesem Jahr von einer Kostenerhöhung bei bestehenden Verträgen ab. „Auf Dauer können Unternehmen diese Kosten nicht tragen“, sagt der 42-Jährige gleichwohl, der den Linienverkehr zwischen dem Landkreis Böblingen und dem Enzkreis bedient. Eine erste Zurückhaltung hat er bei Vereinen oder auch Schulen festgestellt. „Sie überlegen sich derzeit eher, ob sie sich eine Busausfahrt noch leisten können.“

Der Warmbronner Busunternehmer Walter Kappus plant in diesem Jahr hohe Investitionen. Foto: Simon Granville

Stellung zur angespannten Lage der Bustouristik in Baden-Württemberg hat kürzlich der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) bezogen. „Die aktuelle Situation ist für viele Unternehmen finanziell stark belastend. Die Höhe des Dieselpreises ist nicht allein Ergebnis der Marktentwicklung, sondern vor allem auch politisch bedingt – durch eine im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohe steuerliche Belastung“, heißt es in einer Mitteilung. Dadurch entstehe ein klarer Wettbewerbsnachteil, insbesondere im internationalen Reiseverkehr.

„Bahn- und Luftverkehr werden steuerlich begünstigt“

Gleichzeitig kritisiert der WBO eine strukturelle Ungleichbehandlung der Verkehrsträger: „Während Bahn- und Luftverkehr steuerlich begünstigt werden, trägt der Busverkehr eine überproportional hohe Abgabenlast, obwohl er als klimafreundlich gilt.“ Die Unternehmen könnten die gestiegenen Kosten nur begrenzt an ihre Kunden weitergeben, da Reisen langfristig geplant würden und wettbewerbsfähige Preise erforderlich blieben.

Reisebusse aktuell „weiterhin auf Diesel angewiesen“

Die wirtschaftliche Belastung verbleibe daher größtenteils bei den Betrieben. Im Hinblick auf die politisch geforderte Verkehrswende weist der Verband zudem darauf hin, dass alternative Antriebe im Reisebusbereich noch nicht praxistauglich seien. Insbesondere fehle es an einer flächendeckenden und leistungsfähigen Ladeinfrastruktur, sodass Reisebusse aktuell weiterhin auf Diesel angewiesen sind.

Das bestätigt Walter Kappus. „Was die Transformation zu Elektromobilität betrifft, wird der zweite Schritt vor dem ersten getan.“ Bis Ende des Jahres wird er acht neue Elektrobusse in seinem Warmbronner Fuhrpark haben. Zum einen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, zum anderen bekommt er eine Förderung der Landesbank. „Das Problem ist aber, dass die Netze BW mit ihren aktuellen Leitungen nicht ausreichend Strom liefern kann und das System daher auch nicht für den Busverkehr ausgelegt ist.“ In Warmbronn sei der Bedarf allein durch die Privathaushalte enorm hoch. Neue Wohngebiete seien größtenteils mit Wärmepumpen ausgestattet.

Der Friolzheimer Alf Seitter wird sein Unternehmen bis zum Ende des Jahres um drei E-Busse erweitern. Hinzu kommt der Bau einer eigenen Stromtankstelle, um die Busse auch vor Ort laden zu können. „Das sind Investitionen in Millionenhöhe“, sagt Seitter. „Die Branche hat in der Vergangenheit, auch während Corona, schon einiges mitgemacht. Und man muss jeden Tag aufs Neue am Ball bleiben.“

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