Vielleicht schon bei Tageslicht gruseln
Es ist ja auch schon Tradition, dass zumindest im linearen Fernsehen zu ganz später Stunde an den Feiertagen Gruselschocker laufen: Da gibt es mörderische Dunstwolken wie in „The Fog - Nebel des Grauens“, Begegnungen mit der Totenwelt wie bei „The Others“, oder den axtmordenden Psychopathen in Gestalt von Jack Nicholson in „Shining“. Wer mehr Entscheidungsspielraum will, kann ja auch schon bei Tageslicht das „Blair Witch Project“ oder „Braindead“ netflixen, um sich ein wenig zu Schaudern. Das ist dann vielleicht auch nicht so schlimm.
Themen im Horrorfilm: Gender, Rassismus, Einsamkeit
Im Horrorfilm finden wir Archetypen wie Geister, Monster, künstliche Menschen, Vampire, Gestaltwandler oder die lebenden Toten, die uns schockieren sollen. Das Genre will nichts anderes, als bei seinen Zuschauer:innen Angst und Ekel auszulösen und dabei gesellschaftliche und individuelle Urängste aufzugreifen. Das macht es ganz gezielt.
Horrorfilme, vom Stummfilm bis heute, entstehen aus ihrem gesellschaftlichen Kontext heraus, bilden Zeitgeist ab und haben besonders bei jungen Menschen symbolischen Wert von Identitätsbildung. Neben der zumeist ad absurdum geführten Gruselthematik geht es im Handlungsrahmen öfters mal um gesellschaftlich relevante Themen: Gender-Fragen („Bodies, Bodies, Bodies“), Coming-of-Age-Geschichten („Carrie – des Satans jüngste Tochter“), Rassismus („Get Out“), Arm versus Reich („Hostel“) oder Einsamkeit („Shining“).
Zur Belohnung gibt es Dopamin
Manchmal ist ein Horrorfilm auch eine Mutprobe und trennt sich die Zuschauermenge zwischen: „Das macht mir gar nichts aus“ und „Ich konnte zwei Nächte lang nicht schlafen“. Jede:r, der oder die schon mal „Es“, „Psycho“ oder „Shining“ gesehen hat, hat da so seine oder ihre Erfahrungen.
Beim Schauen eines Horrorfilms gerät unser Körper in den Stressmodus und in eine Kampf-oder-Flucht-Reaktion: Das vegetative Nervensystem ist erregt, das Herz rast, wir schwitzen. Als Gegenreaktion setzen sich Endorphine und Dopamin frei, was als Glückshormon gilt, und am Ende sind wir entspannt. Im Fazit: Horrorfilme schauen kann entspannen, uns ein bisschen verzwirbeln und im besten Falle können wir noch was lernen.
Eine kleine Auswahl an Horror-Klassikern:
1. The Texas Chainsaw Massacre (USA 2022)
Slasher-Streifen nach True-Crime Vorlage: Großes Gemetzel auf einer verlassenen Farm mit dem Killer „Leatherface“. Der Originalfilm stammt aus dem Jahr 1974. Nichts für schwache Nerven.
2. Dawn of the Dead (George A. Romero, USA, 1978)
Zombies!! Überall!! Ein Kultfilm, der aus heutiger Sicht weniger schockierend ist, aber seine Momente hat. Nicht zu verwechseln mit der Horrorkomödie „Shawn of the Dead“.
3. Shining (Stanley Kubrick, GB 1980)
Gefangen in einem verlassenen Hotel mit einem vom „Shining“ erfassten Jack Nicholson und gruseligen Zwillingen in einem zeitlosen Labyrinth. Ein Klassiker für alle Jahre wieder.
4. A Chinese Ghost Story (Ching Siu-Tung, HK 1987)
Ein Steuerberater kommt in einen einsamen Tempel, in dem es spukt. Eine Geisterschönheit muss vom schwarzen Fürsten befreit werden. Es gibt Schwertkämpfe und magische chinesische Landschaften.
5. Braindead (Peter Jackson, NZ 1991)
Peter Jacksons’ Ekelkomödie mit Gore-Faktor.
6. The Blair Witch Project (Daniel Myrick, Eduardo Sanchez, USA, 1999)
Mockumentary für eisiges Blut. Im Stil des Method-Film-Making aufgenommen, sprich die Schauspieler:innen folgten erst während des Drehs den Handlungsanweisungen, das sorgt fürs Echtheitsgefühl. Mit anfänglichem Wechsel von 16-mm-Einstellungen auf Zelluloid zu Hi-8-Videobildern. Mit einem Budget von 35.000 Dollar hat der Low-Budget-Streifen ein Hundertfaches eingespielt.
7. Get Out (Jordan Peele, USA 2017)
Lehrstück gegen Rassismus in den USA. Der Film bekam mehrere Oscars, was für Horrorfilme selten ist.