Horst Haug feiert Geburtstag Von Blau zu Rot und wieder zurück – Stuttgarter Fußball-Legende wird 80

Horst Haug (re.) 1978 im Kickers-Dress gegen Buffy Ettmayer (damals Freiburger FC). Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel

Sein innerstädtischer Farbenwechsel sorgte einst für Aufsehen. Nun feiert Horst Haug, ein Spielmacher alter Schule bei Kickers und VfB, entspannt seinen 80. Geburtstag.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Der Grund für die Kontaktaufnahme? Ein paar Zeilen für die Zeitung mit Blick auf den runden Geburtstag. „Wenn’s unbedingt sein muss“, erwidert Horst Haug. Nicht gequält. Sondern mit einem Lächeln. Die Aussage zu Beginn des Gesprächs zeigt vielmehr seine Bodenständigkeit und Bescheidenheit, die er sich bis ins hohe Alter bewahrt hat.

 

Horst Haug feiert am 12. Mai seinen 80. Geburtstag. Er war zu seiner aktiven Zeit eines der größten Talente, die der Stuttgarter Fußball hervorgebracht hat: der linke Fuß fast so brillant wie der rechte, ein eleganter Techniker, ein Spielmacher alter Schule, der die Fähigkeit besaß, drei, vier Spielzüge vorauszusehen. Seine Raffinesse konnten die Fans der Stuttgarter Kickers genießen. Nach der Jugendzeit bei den Blauen (1955 bis 1964) absolvierte er 291 Spiele (65 Tore) für die erste Mannschaft – von 1964 bis 1967 und von 1973 bis 1979. Dazwischen lagen sechs Jahre beim VfB.

Der innerstädtische Farbenwechsel von Blau zu Rot sorgte damals für großes Aufsehen. „Die Rivalität war schon sehr groß, viele haben den Wechsel nicht verstanden“, sagt der am Stuttgarter Wilhelmsplatz aufgewachsene Haug. Auch als Kickers-Mann spielte er sich in die Herzen der VfB-Fans, an der Seite von Ikonen wie Gilbert Gress, Horst Köppel, Karlheinz Handschuh oder Buffy Ettmayer erzielte er in 135 Bundesligaspielen 32 Tore. Es reichte aber nie für die Nationalmannschaft, obwohl er im Notizbuch des damaligen Bundestrainers Helmut Schön stand. Was auch an einer schlimmen Verletzung lag: Bei einem Freundschaftsspiel in Paris zog er sich einen Trümmerbruch am linken Ellbogen zu, der noch in der französischen Hauptstadt operiert wurde.

Bei den Kickers sei alles familiärer gewesen, beim VfB ging es damals schon professioneller zu, meint er im Rückblick. Ein paar Mark mehr zu verdienen gab’s jenseits des Neckars natürlich auch. „Einen echten Blauen, behaupten die Eingefleischten, werde es nach Degerloch ewig zurückziehen wie den Schlawiner zum Tatort“, heißt es im Buch über die Fußball-Geschichte der Kickers. Haug kehrte zurück. Verhandlungen mit dem 1. FC Köln hatten sich zerschlagen. Das Umfeld war ihm nicht geheuer, er lehnte dankend ab.

Horst Haug bei einer Ruhepause auf einem Spaziergang. Foto: privat

Einmal Stuttgart, immer Stuttgart. Dort hatte er auch eine Ausbildung zum Werkzeug-Mechaniker absolviert, später arbeitete er bei der Dresdner Bank und war dort auch Gruppenleiter von Frank Nopper, wie der Stuttgarter Oberbürgermeister einmal erwähnte.

Mit seiner Frau Ute ist Horst Haug seit über 50 Jahren verheiratet, die Familie wohnt auf den Fildern. Die Gesundheit lässt es nicht mehr zu, die Spiele seiner Herzensclubs im Stadion zu besuchen. Doch wenn der Enkelsohn für den TSV Bernhausen in der D-Jugend dem Ball nachjagt, geht es dann doch schon einmal auf den Sportplatz. Ob er das Talent vom Opa hat? „Ansätze sind da“, sagt Haug mit einem Lächeln und mit Vorfreude auf seinen runden Geburtstag im Kreise der Familie. Ein Jubiläum mit großem Brimborium wird es nicht geben. Es würde zum bescheidenen und bodenständigen Sportsmann Horst Haug auch nicht passen.

 

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