Horst Hrubesch wird 75 HSV-Legende mit besonderem Charakter

Horst Hrubesch sagt, was er denkt – ohne jemanden dabei zu verletzen. Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH

Horst Hrubesch hat die große Zeit des Hamburger SV geprägt und war als Trainer erfolgreich – nun wird er 75.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Die jungen deutschen Fußballer hatten 2016 in Rio de Janeiro das Olympia-Finale verloren, als wenig später Julian Brandt mit umgedrehter Baseball-Kappe auf dem Kopf ein schnörkelloses Statement zum Trainer abgab: „Also der Hotte, der ist ein geiler Typ. Wenn es ihn nicht geben würde, müsste man ihn erfinden.“

 

Der Hotte heißt mit vollem Namen Horst Hrubesch – an diesem Freitag feiert er seinen 75. Geburtstag. Das Brandt-Zitat entstand nach einem der zahlreichen großen Momente im bewegten Fußballerleben des ausgebildeten Dachdeckers aus Hamm, der bei Rot-Weiss Essen sein Bundesligadebüt gab, von 1978 bis 1983 eine der Säulen der bedeutendsten HSV-Epoche war und als zweifacher Torschütze 1980 das EM-Finale für Deutschland entschieden hatte. Wie einfach doch Fußball sein kann, wurde klar, als Hrubesch seinen Siegtreffer zum 2:1 gegen Belgien in der 88. Minute ähnlich lässig formulierte wie Brandt später sein Trainerlob: „Wir hatten Eckball. Ich habe Karl-Heinz Rummenigge gesagt, er soll den Ball dorthin spielen, wo nur ich hinkomme – und dass hat der Kalle dann getan.“

„Manni Bananenflanke, ich Kopf – Tor!“ – das ist noch so berühmte Aussage von Hrubesch im Hinblick auf das Prinzip, auf dem die großen Erfolge des Hamburger SV basierten, der mit dem „Kopfball-Ungeheuer“ im Sturm dreimal deutscher Meister wurde und 1983 sogar den Europapokal der Landesmeister durch einen 1:0-Finalsieg gegen das Starensemble von Juventus Turin gewann. Dieser Raum, in dem Ecken und Flanken landen sollten, befand sich ungefähr auf Lattenhöhe – dort hatte Hrubesch sozusagen die Lufthoheit. Unten mit dem Ball spielerisch zu glänzen war ja ohnehin nicht sein Stärke, doch wer Hrubesch kennt, der darf davon ausgehen, dass er über die Aussage des damaligen HSV-Managers Günter Netzer heute nur schmunzeln kann: „So einen lausigen Kicker habe ich noch nie gesehen. Der konnte so gut wie nichts. Ich habe wegen seiner Charakter-Eigenschaften auf ihn gesetzt“, sagte Netzer.

Immerhin hat es dieser Horst Hrubesch zum zweitgrößten HSV-Stürmer nach Uwe Seeler gebracht. Doch auch der allseits bewunderte Charakter von Hrubesch hat ihn nach seiner Spielerkarriere als Trainer der DFB-U-21 und der Frauen-Nationalmannschaft zu einer respektierten Größe im deutschen Fußball gemacht. Grundehrlich, bescheiden, doch im Zweifel auch hart in der Sache, aber niemals verletzend – das zeichnet den Jubilar besonders aus. Das wissen in der Branche alle – nicht nur Julian Brandt.

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