Horst Seehofer Rücktrittsforderungen an Innenminister nach Suizid eines Abgeschobenen

Von red/Reuters 

Horst Seehofer sei vergnügt gewesen als er verkündete, dass ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag 69 Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben worden seien. Nun hat ein dorthin Abgeschobener Suizid begangen – und Rücktrittsforderungen an Seehofer werden laut.

Nach dem  Suizid eines aus Deutschland abgeschobenen Afghanen werden Forderungen nach einem Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofer laut. Foto: Getty Images Europe
Nach dem Suizid eines aus Deutschland abgeschobenen Afghanen werden Forderungen nach einem Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofer laut. Foto: Getty Images Europe

Berlin - Nach dem Suizid eines aus Deutschland abgeschobenen Afghanen werden Forderungen nach einem Rücktritt von Bundesinnenminister Horst Seehofer laut. Juso-Chef Kevin Kühnert schrieb bei Twitter, Seehofer sei ein „erbärmlicher Zyniker und dem Amt charakterlich nicht gewachsen.“ Sein Rücktritt sei überfällig. Auch SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel übte Kritik und erklärte via Twitter, Zynismus verbiete sich, das hätten die letzten Stunden wieder einmal bewiesen.

Seehofer hatte am Dienstag verkündet, am 4. Juli - dem Tag seines 69. Geburtstages - seien 69 Flüchtlinge nach Afghanistan abgeschoben worden. „Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 - das war von mir nicht so bestellt - Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden“, sagte der CSU-Chef. „Das liegt weit über dem, was bisher üblich war.“ Einer von ihnen hat sich nun in Kabul das Leben genommen.

Zweifel an der Qualifikation

Rücktrittsforderungen kamen auch von der Opposition: „Ein Innenminister, der sich öffentlich darüber freut, dass Menschen in ein Kriegsland zurückgeschickt werden, hat offensichtlich nicht nur ein eklatantes Defizit an Mitmenschlichkeit, sondern auch an Qualifikation für sein Amt“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, in Berlin. „Aus meiner Sicht gehört Seehofer entlassen.“ Linken-Fraktionsvize Jan Korte sagte, das Lachen bleibe Seehofer hoffentlich im Halse stecken. „Es ist höchste Zeit, dass Seehofer geht.“

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth erklärte, Seehofer sei sichtlich vergnügt gewesen als er verkündete, dass ausgerechnet an seinem 69. Geburtstag 69 Asylbewerber in ein Land abgeschoben worden seien, in dem weiter Krieg und Terror wüteten, Zivilisten stürben und in dem derartige Perspektivlosigkeit herrsche, dass sich einer der Abgeschobenen nun erhängt habe. Seehofer müsse endlich klar werden, „dass angesichts der weiterhin desaströsen Sicherheitslage Abschiebungen nach Afghanistan nicht zu verantworten sind“.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/