Hospitalhof in Stuttgart Hospitalhof liegt im Zeit- und Kostenplan

Mit den zwei neuen Rundbögen (Bildmitte) wird die alte imposante Größe der Hospitalkirche bald wieder erkennbar sein.Mit den zwei neuen Rundbögen (Bildmitte) wird die alte imposante Größe der Hospitalkirche bald wieder erkennbar sein. Weitere Bilder von der Baustelle im Hospitalviertel sehen Sie in der Fotostrecke. Foto: Horst Rudel 17 Bilder
Mit den zwei neuen Rundbögen (Bildmitte) wird die alte imposante Größe der Hospitalkirche bald wieder erkennbar sein. Mit den zwei neuen Rundbögen (Bildmitte) wird die alte imposante Größe der Hospitalkirche bald wieder erkennbar sein. Weitere Bilder von der Baustelle im Hospitalviertel sehen Sie in der Fotostrecke. Foto: Horst Rudel

Am Donnerstag ist Richtfest am Hospitalhof – die Einweihung des Neubaus, in dem das evangelische Bildungszentrum zu Hause ist, soll vor Ostern 2014 erfolgen. Der Architekt hofft, damit eine Initialzündung für die Aufwertung des Hospitalviertels zu geben.

Politik/ Baden-Württemberg: Thomas Faltin (fal)
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Stuttgart - So langsam erkennt man, welch stattliches Gebäude die Hospitalkirche einst gewesen war. Als einzige Klosterkirche Stuttgarts war sie Ende des 15. Jahrhunderts errichtet worden, das Langschiff wies sieben hohe gotische Fensterbögen auf – doch seit den Nachtangriffen im Zweiten Weltkrieg sind nur noch der Chor sowie eine Langseite mit fünf Bögen als Ruine übrig. Architekt Arno Lederer hat jetzt an der Südseite des neuen Hospitalhofs die zwei fehlenden Bögen symbolisch wieder angefügt. Sie gehören zwar zum künftigen Verwaltungsgebäude und nicht zum Gotteshaus, aber die imposante Südseite der einstigen Dominikanerkirche wird doch wieder erlebbar.

Eine Referenz an die Geschichte und dennoch ein rundum modernes Bildungszentrum, das soll der Hospitalhof werden – jetzt hat die Baustelle ihre erste Halbzeit hinter sich. Am Donnerstag, 21. März, wird das Richtfest gefeiert. Im Vorfeld kann man beim Bauherrn, der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, in fast durchweg zufriedene Gesichter schauen. So freut sich Kirchenpfleger Hermann Beck, der auf die Einhaltung des Etats in Höhe von 23,13 Millionen Euro achtet, dass die großen finanziellen Klippen umschifft seien: 90 Prozent der Aufträge seien vergeben, und man habe sogar etwas weniger ausgegeben als geplant. „Im Kosten- und Zeitplan zu bleiben, dem galt unser Ehrgeiz“, sagte Beck: „Und das ist uns gelungen.“

Neubau soll Keimzelle eines schöneren Hospitalviertels werden

Architekt Arno Lederer vom Büro Lederer, Ragnarsdóttir, Oei nannte als Grund für diesen Erfolg, dass man – im Gegensatz zu manchen anderen Projekten in der Stadt – von vorneherein einen realistischen und keinen politischen Preis errechnet habe. Er glaube vor allem fest daran, dass der neue Hospitalhof der Nukleus eines schöneren Hospitalviertels werde. Ein kleiner Wermutstropfen ist für Bauherrn und Architekten allerdings, dass die Bäume vor der Kirche, die die Sicht auf das Haus versperrten und den Platz zustellten, nicht entfernt werden dürfen. „Eine Kirche war schon immer ein Ort, wo ein Platz davor lag, auf dem sich die Menschen trafen“, sagte Lederer. Mit der Stadt habe man sich jetzt geeinigt, dass auf der anderen Straßenseite junge Bäume gepflanzt werden – wenn diese groß seien, könne man die alten entfernen.

Und noch einen zweiten Wermutstropfen gibt es: Die geplante Sanierung der Hospitalkirche wird nicht zeitgleich mit dem Bildungszentrum fertig werden. Die Debatten mit den Behörden des Denkmalschutzes seien so umfassend, dass der frühere Zeitplan nicht gehalten werden könne, sagte Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich. Frühestens 2015 wird die Kirche also innen von ihrer Düsternis befreit werden. Das Bildungszentrum selbst soll dagegen „vor Ostern 2014“, also in fast genau einem Jahr, eingeweiht werden. In den nächsten Tagen, noch vor Ostern 2013, will die Gesamtkirchengemeinde übrigens verraten, wer der neue Leiter des Hospitalhofs wird.

Ein Café soll das Angebot abrunden

Das neue Bildungszentrum auf dem 3,3 Hektar großen Gelände soll laut Ehrlich ein Ort werden, wo über alle Themen diskutiert und wo „vieles, was in dieser Gesellschaft aus den Fugen geraten ist, wieder zusammengefügt wird.“ Für den spirituellen Ort steht die Hospitalkirche, für den weltlichen das Verwaltungsgebäude der Stuttgarter evangelischen Kirche. Alle Besucher und Mitarbeiter werden sich irgendwann im Café wiederfinden, das vermutlich nicht so nach außen strahlt wie jenes der katholischen Kirche in der Königstraße: „Aber die Debatte ist noch im Fluss“, meinte Ehrlich.

Eine Webcam zeigt den Baufortschritt.




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