Hospiz Leonberg Eine Stabübergabe mit gutem Gefühl

Monika Friedrich (re.) hat Nachfolgerin Amelie Scheuerle gut eingearbeitet. Foto: Simon Granville

Monika Friedrich geht in den Ruhestand, Amelie Scheuerle übernimmt die Koordination des ambulanten Hospizdienstes für Kinder und Jugendliche Leonberg.

Für Monika Friedrich ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, sich aus dem Berufsleben zu verabschieden. Eigentlich hätte die 70-Jährige das schon vor sieben Jahren tun können, doch ihre Tätigkeit als Koordinatorin beim Hospizdienst für Kinder und Jugendliche und all die Menschen, mit denen sie zusammenarbeitet, liegen ihr einfach am Herzen. Mit Amelie Scheuerle hat sie, wie sie sagt, eine würdige Nachfolgerin gefunden, mit der sie bereits seit Oktober 2023 zusammengearbeitet hat.

 

Nun kann sie ihr alles mit einem guten Gefühl übergeben. „Wir haben uns sofort verstanden und gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind“, sagt Friedrich. „Ich wünschte mir immer, dass es gut weitergeht, und da kann ich mir jetzt sicher sein.“ Denn der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst in Leonberg, der 2006 seine Arbeit – aus Platzgründen anfangs in Rutesheim – aufgenommen hatte, sei nun mal ihr Baby. „Ich habe ihn mit aufgebaut, gebe ihn jetzt aber gerne ab.“

Kinder dürfen zur Ruhe kommen

Zum Gespräch bittet Monika Friedrich die Besucherin von der Zeitung in den Kinderhospizraum, der in hellen, freundlichen Farben gestaltet ist. Spielsachen, Kuscheltiere, Bücher und einen Massagestuhl zur Entspannung gibt es hier. Kinder, Jugendliche und auch die Erwachsenen sollen sich hier wohlfühlen können. Etwas ganz Besonderes ist die so genannte Snoezelen-Ecke. Hier dürfen Kinder in geschützter Atmosphäre zur Ruhe kommen, indem sie ihre Sinne wahrnehmen, die aufsteigenden bunten Blasen in der Wassersäule beobachten oder das beruhigende Foto, das an die Wand projiziert wird, auf sich wirken lassen. „Wir sind so glücklich, dass wir diese neuen Räume haben und daher ausreichend Platz im Hospiz“, sagt Monika Friedrich.

2023 wurde das Gebäude in der Seestraße aufgestockt. Seitdem sind alle Dienste unter einem Dach vereint: Das stationäre Hospiz, das ambulante Erwachsenen-, Kinder- und Jugendhospiz sowie die Trauerarbeit. „Wir wurden beim Umbau mit einbezogen und durften auch Wünsche äußern. Jetzt haben wir für unser kleines Team kurze praktische Wege, können uns gegenseitig unterstützen.“ Monika Friedrich ist in Hannover aufgewachsen, absolvierte nach ihrem Schulabschluss im dortigen Friederikenstift eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Während ihrer mehr als 40 Berufsjahre war sie in verschiedenen onkologischen und gastroenterologischen Kliniken tätig, einige Zeit davon in Leonberg. Ins Schwabenland war sie wegen der Liebe gezogen. „Ich habe als Krankenpflegerin viel Trauer mitbekommen, und am meisten hat es mich bewegt, wenn Kinder betroffen waren und in ihrer Situation allein gelassen wurden.“ Die Pflegerin lernte Margarete Helmes, die 1994 die Hospizarbeit in Leonberg mitbegründet hatte, kennen und hatte ab sofort eine Ansprechpartnerin.

Zahlreiche Aus- und Weiterbildungen

Hospizarbeit für Kinder und Jugendliche gab es in Leonberg noch nicht. Die Gründung des Vereins Care for Kids (Kinder in Trauersituationen) ließ nicht lange auf sich warten, Monika Friedrich war die Vorsitzende, bis die Organisation wieder aufgelöst wurde, um in den Ambulanten Hospizdienst Leonberg überzugehen. Die Rutesheimerin absolvierte – zunächst neben ihrer beruflichen Tätigkeit im Krankenhaus – die erforderlichen Aus- und Weiterbildungen in der Kinderhospizarbeit und qualifizierte sich zudem zur Kinder- und Jugendtrauerbegleiterin. Ihre Arbeit als Krankenpflegerin reduzierte sie mehr und mehr, konzentrierte sich dann ausschließlich auf die Koordination des Kinder- und Jugendhospizdienstes.

Wenn ein Kind lebensverkürzend erkrankt ist oder stirbt, verlassen oft auch Hoffnung und Zuversicht die betroffenen Familien. „Darum bieten wir ambulant unsere Begleitung an und können so helfen, Familien zu stärken.“, sagt Friedrich. Die Betroffenen würden, je nach Wunsch, sowohl zu Hause als auch in Krankenhäusern unterstützt. „Wir gehen in die Familien rein und schauen, wo und wie wir helfen können“, erklärt Monika Friedrich die Tätigkeit. Dabei hat die Koordinatorin tatkräftige Unterstützung von geschulten Ehrenamtlichen. „Anfangs waren es zwölf, derzeit sind es 28.“ Sie sind Gesprächspartner für die Familien, begleiten sie bei Behördengängen oder Arztbesuchen, bieten psychosoziale Betreuung von kranken Kindern an, entlasten Familien in ihrem Alltag und kümmern sich um Geschwisterkinder. Sie sind auch Trauerbegleiter für Kinder. Eine besondere Trauergruppe, die „Sunshine Kids“ trifft sich einmal im Monat in den Hospiz-Räumen. Sie wurden bereits mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert. „Wir sind nicht nur traurig, sondern lachen viel, hören zu oder lassen die Kinder einfach auch mal nur sein.“

Bereits in jungen Jahren mit dem Tod konfrontiert

Wie schwer der berufliche Abschied werden würde, wurde Monika Friedrich bereits Ende des vergangenen Jahres bei der Hospiz-Familienweihnachtsfeier mit etwa 60 Personen bewusst, als alle Anwesenden sie mit einem gemeinsamen Lied überraschten. „Da konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten“, sagt die Rutesheimerin noch immer sichtlich gerührt. „Ich bin einfach dankbar dafür, dass ich diese Arbeit machen durfte.“ Diese übergibt sie nun Amelie Scheuerle.

Die 43-Jährige kommt ebenfalls aus Hannover, ist wie Friedrich der Liebe wegen nach Baden-Württemberg gezogen. Die Mutter von drei Kindern wurde sehr früh erstmals mit dem Tod konfrontiert, als die Schwester starb. In Stuttgart studierte Scheuerle Sozialpädagogik, war zudem ehrenamtlich im Hospiz tätig. Zuletzt arbeitete sie in der Jugendhilfe. „Ich bin glücklich, dass ein Türchen aufgegangen ist und ich im Hospiz arbeiten darf.“ Hierfür hat sie bereits ihre erforderlichen Schulungen absolviert.

Monika Friedrich wird sich nach ihrem beruflichen Abschied gut beschäftigen können. Sie ist weiterhin Grünen-Gemeinderätin in Rutesheim, Kirchengemeinderätin sowie Kriseninterventionsberaterin bei der Notfallnachsorge des DRK. „Das alles konnte ich neben dem Beruf nur machen, weil die Familie hinter mir steht“, sagt die Mutter von drei Kindern, fünf Enkelkindern und einer Urenkelin. Und dann freut sie sich aufs Reisen und darauf, mal in Ruhe ein Buch lesen zu können.

Hospiz sucht Ehrenamtliche

Ehrenamtliche gesucht
  Das ambulante Kinder- und Jugendhospiz Leonberg sucht immer wieder ehrenamtliche Begleiter. Die nächste Schulung beginnt im Mai 2025. Anmeldungen sind bis Ende Januar 2025 möglich. Weitere Informationen unter www.hospiz-leonberg.de im Internet. Anmeldungen nimmt Amelie Scheuerle, Telefonnummer 01 60/5 89 48 11, entgegen.

Schulung
 Etwa hundert Stunden umfasst die theoretische Schulung, hinzu kommen noch 40 Stunden Praktikum.  Die Ausbildung ist für die Teilnehmenden kostenfrei.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Hospiz Leonberg Ruhestand Abschied