Hospizarbeit in Esslingen Wenn der Tod zum Alltag gehört

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Sandra Mohring und Antonia Biber machen ein Freiwilliges Soziales Jahr im Hospiz. Obwohl einige Erwachsene aus ihrem Bekanntenkreis anfangs schockiert darüber waren, haben die beiden 18-Jährigen diesen Schritt nicht bereut.

Sandra Mohring (links)  und Antonia Biber kümmern sich um die Bedürfnisse der Gäste. Foto: Ines Rudel
Sandra Mohring (links) und Antonia Biber kümmern sich um die Bedürfnisse der Gäste. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Dass der Tod im Haus ständig präsent ist, stört Sandra Mohring und Antonia Biber nicht. „Das gehört hier zum Alltag dazu“, sagen die beiden 18-Jährigen. Häufig sei es auch eine Erlösung für die Person, und man sei froh, sie nicht mehr leiden sehen zu müssen. Die Esslingerin Antonia Biber und die Kirchheimerin Sandra Mohring absolvieren noch bis zum September ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Hospiz in Oberesslingen.

Obwohl in ihrem Bekanntenkreis viele Erwachsene skeptisch waren und nicht verstanden haben, warum man sich in diesem Alter freiwillig mit so einem Thema befassen will, haben sie ihre Entscheidung nicht bereut. „Das Thema ist in der Gesellschaft einfach nicht so präsent“, sagt Antonia Biber. Die 18-Jährige, die ihr Abitur am Esslinger Georgii-Gymnasium gemacht hat, wurde durch eine Nachbarin, die im Hospiz arbeitet, auf das Thema aufmerksam. Sandra Mohring, die ihr Abitur am Kirchheimer Schlossgymnasium ablegte, will später Medizin studieren und ist durch ihre Mutter auf die Hospizarbeit gestoßen.

Von Pistazieneis bis zu Marillenschnaps

Beide haben bei einer Berufsorientierung schon mal Krankenhausluft geschnuppert und sehen einige Unterschiede: „Hier im Hospiz hat man Zeit für die Gäste, und es herrscht eine entspannte, menschliche und freundliche Atmosphäre“, sagt Sandra Mohring. Auch sie seien längst ins Team integriert und könnten bei Fragen und Problemen immer jemanden ansprechen. „Es ist stets jemand da, der ein offenes Ohr für einen hat“, sagt Antonia Biber.

Die beiden jungen Frauen sind im Hospiz hauptsächlich für die Gäste da, packen aber auch im Haushalt mit an, oder unterstützen das Pflegepersonal. „Wir gehen Einkaufen, decken den Tisch, waschen Wäsche, bügeln oder räumen auf“, sagt Sandra Mohring. Der Umgang mit den Menschen macht den beiden 18-Jährigen aber am meisten Spaß. „Es ist mir ein Anliegen, alles zu tun, was die Gäste brauchen, um sich hier wohlzufühlen.“ Es gebe auch kaum Wünsche, die man nicht erfüllen könnte. Und so haben die Mädchen schon mal einem Gast sein Lieblingseis besorgt, mit einem anderen gebastelt, oder sind mit manchen raus in die Natur gegangen. „Wir haben auch Bier, Zigaretten und sogar Marillenschnaps da“ – denn kein Wunsch sollte unerfüllt bleiben, sagt Sandra Mohring und lächelt.

Im Berufswunsch bestärkt

Die Zeit im Hospiz habe sie verändert, meinen die beiden Mädchen. „Für mich war es anfangs schwierig auszublenden, dass die Gäste bald sterben werden“, erzählt Antonia Biber. Mittlerweile sei sie viel unvoreingenommener und hätte eine positive Sicht gewonnen, wie das Leben einmal enden könnte. „Ich achte mittlerweile viel mehr darauf, wie man sich von jemandem verabschiedet“, sagt Sandra Mohring. Die Hospizarbeit hat die 18-Jährige in ihrem Berufswunsch bestärkt. Sie will im Herbst ihr Medizinstudium in Jena starten.

Antonia Biber gefällt die Hospizarbeit so gut, dass sie im Herbst in Frankreich in einem Hospiz erneut ein FSJ absolvieren will. „Es gibt so viele schöne, bewegende Momente hier. Es ist schwierig den schönsten herauszugreifen“, sagt Antonia Biber. Oft seien es Kleinigkeiten. Beispielsweise wenn man eine Person zum Lachen bringe, oder wenn man ganz still am Bett säße und die Hand eines Gastes halte.




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