Hotel Silber in Stuttgart Chefs der Gestapo sind nie verurteilt worden

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Die vier Leiter der Stuttgarter Gestapo starben noch während des Krieges oder kurz danach. Sie waren verantwortlich für den innenpolitischen Terror in Württemberg und Hohenzollern und damit auch für die Verhaftung von vielen tausend politisch unliebsamen Menschen.

 Foto: Achim Zweygarth
Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Die Gestapo war verantwortlich für den innenpolitischen Terror der Nazis, auch in Stuttgart: Diese politische Polizei konnte Menschen, die ihr nicht passten, willkürlich verhaften oder in Lager einweisen, sie organisierte die Deportation der jüdischen Bevölkerung, und sie ließ zahlreiche Bürger exekutieren, ohne dass vorher ein Gerichtsprozess stattgefunden hätte. In der künftigen Gedenkstätte im Hotel Silber, dem früheren Sitz der württembergischen Gestapo, wird die Frage nach den Tätern großen Raum einnehmen. Zwei Mitarbeiter des Hauses der Geschichte forschen deshalb intensiv auf diesem Gebiet, und vor Kurzem haben sechs Laienhistoriker eine Gesamtanalyse der hiesigen Gestapo veröffentlicht. Das Buch trägt den Titel: „Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern“.

Den vier Leitern der Stuttgarter Gestapo kommt dabei besonderes Augenmerk zu. Allerdings ist ihnen eines gemeinsam: Hermann Mattheiß, Walter Stahlecker und Joachim Boës starben noch vor 1945, Friedrich Mußgay nahm sich 1946 das Leben – keiner von ihnen ist jemals für seine Taten zur Rechenschaft gezogen worden. Ihr früher Tod mag manchem als gerechte Strafe erscheinen; für den Historiker reduziert sich jedoch, da nach 1945 keine Ermittlungen angestrengt worden sind und kein Prozess stattgefunden hat, das Quellenmaterial in erheblicher Weise. Die Akten der Gestapo-Zentrale, also Dokumente für die Zeit vor 1945, sind sowieso weitgehend vernichtet. Dennoch, wesentliche Aussagen über die vier Chefs der Stuttgarter Gestapo lassen sich natürlich treffen.


Hermann Mattheiß (1893-1934)

Nur ein gutes Jahr, von April 1933 bis Mai 1934, stand Hermann Mattheiß an der Spitze der Gestapo, aber es war ein wichtiges Jahr: In der ersten Zeit nach der Machtergreifung liefen die großen Verhaftungswellen, die sich vor allem gegen die Anhänger der kommunistischen Partei richteten. „Mattheiß war für diese Situation der richtige Mann“, sagt Friedemann Rincke vom Haus der Geschichte: „Er brachte die notwendige Rücksichtslosigkeit mit.“ Der promovierte Jurist hatte gleich nach seinem Amtsantritt öffentlich im „NS-Kurier“ allen „staatsfeindlichen Elementen“ die Verhaftung oder Zwangsarbeit angedroht – oder gar, sie „körperlich auszurotten“.

Berüchtigt war Mattheiß wegen seines cholerischen Charakters. Er war wohl mit vielen Dienststellen in Privatfehden verstrickt, und dies wurde ihm zum Verhängnis. Innenminister Wilhelm Murr berief ihn als Chef der Gestapo ab, und nur wenige Wochen später wurde er in Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch verhaftet und erschossen – als einziges prominentes Opfer in Württemberg, schreibt Ingrid Bauz im genannten Buch. Rincke vermutet, dass persönliche und nicht politische Animositäten Mattheiß das Leben gekostet haben.

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