Hotelier über Hochwasserschäden „Ich habe Existenzangst“

Der Keller des Winzerbetriebs in Cochem ist überflutet. Foto: privat

Der Winzer Robert Haxel lebt mit seiner Familie in Cochem an der Mosel – und damit im Katastrophengebiet. Im Gespräch erzählt er, wie schnell das Wasser über den Ort kam – und von seinen Existenzängsten jetzt.

Cochem - Robert Haxel (43) ist Weinbautechniker und Geschäftsführer des Weingutes Haxel in Cochem an der Mosel. Nach über einem Jahr Pandemie trifft ihn jetzt das Hochwasser besonders hart. Der Winzerbetrieb mit Pension fürchtet um seine Existenz – und das nicht nur wegen der Schäden, die das Wasser verursacht hat.

 

Herr Haxel, wie sieht es in Ihrem Betrieb in diesen Stunden aus?

Die Mosel steht bei uns im Keller. Unser Betrieb liegt zwar nicht direkt am Ufer, sondern etwas höher im Städtchen, dennoch hat es uns diesmal auch erwischt – zum ersten Mal seit 20 Jahren. Im Gegensatz zu den schlimm betroffenen Menschen in anderen Regionen waren wir in Cochem vorgewarnt und konnten noch vieles in Sicherheit bringen. Aber in der Hektik haben wir dennoch eine Weinpumpe vergessen – die ist abgesoffen und nun kaputt. Insgesamt rechne ich für unseren Betrieb mit einigen tausend Euro Schaden. Immerhin: Unsere Ferienwohnungen und Hotelzimmer sind trocken geblieben.

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Wie ist die Lage momentan am Moselufer?

Viele Gebäude in der Stadt sind so modular aufgebaut, dass sie ein Hochwasser relativ gut wegstecken, dennoch ist natürlich einiges kaputt gegangen. Wir hoffen in Cochem, dass der Wasserstand nun seinen Höchststand erreicht hat, dass er millimeterweise wieder sinkt. Vermutlich kann ich meinen Betrieb am Wochenende wieder sauber machen. Das Wasser ist ja nicht einmal unsere Hauptsorge…

Weil ihr Betrieb vom Tourismus lebt?

Die ganze Region lebt vom Tourismus. Wir sind dafür ein gutes Beispiel: Der Weinverkauf ist schon lange nicht mehr unser Hauptgeschäft. Unser Geld verdienen wir über die Menschen, die gerne zu uns kommen, um das Flair der Weinbauregion Mosel zu erleben. Winzerbetriebe wie unsere, Hotels und Pensionen, gibt es an der Mosel viele. Und daran hängen dann auch andere – vom Bäcker über den Handwerker bis zur Imbissbude ums Eck. Wir haben gerade ein hartes Pandemie-Jahr hinter uns und haben gehofft, dass es nun in den Sommerferien hier wieder losgehen kann. Und nun hageln die Zimmer-Stornierungen auf uns ein.

Haben Sie Existenzängste?

Ja, die haben wir. Und das als Familienbetrieb in der dritten Generation. Viele Menschen an der Mosel wissen nach dieser Katastrophe nicht, wie es weitergehen soll, sie haben Angst um ihre persönliche Zukunft und die ihrer Betriebe. Für viele könnte das Hochwasser in der aktuellen Lage ein weiterer Schritt in Richtung Konkurs sein, wenn uns keine Hilfe erreicht.

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