Schließung für Renovierungsarbeiten genutzt
„Wir haben die Phase der durch die Corona-Pandemie bedingten Schließung genutzt, um Renovierungsarbeiten zu veranlassen“, ist von Direktor Bernd Zängle zu hören. „Viele unserer Mitarbeiter sind momentan in Kurzarbeit“, heißt es. Was man auch wissen muss: Die Deutsche Hospitality, zu der Steigenberger gehört, hat mit dem Jaz in the City ein zweites Haus in der Stadt, das seit dem 25. Mai wieder buchbar ist – und ausreichend freie Betten haben dürfte.
Das Althoff Hotel am Schlossgarten ist bereits seit 20. April wieder geöffnet. Für den Direktor Ulrich Schwer gibt es „nichts Schöneres, als Gäste empfangen zu dürfen“. Und schließlich habe man auch eine große Verantwortung für die 140 Mitarbeiter, die man in Teilen aus der Kurzarbeit zurückholen konnte. Das Sternerestaurant Zirbelstube und die Weinwirtschaft Franz Keller sind allerdings weiterhin geschlossen. Nur die John-Cranko-Lounge und das Café Leysieffer mit den hohen, weitläufigen Räumen und der Sommerterrasse stehen den Gästen zur Verfügung. Direktor Schwer spricht sich gegen vorschnelle Entscheidungen aus, die man eventuell mit einer erneuten Schließung von Teilbereichen wieder zurücknehmen müsse.
Keine Musicals, keine Großveranstaltungen
Konkrete Übernachtungszahlen nennt Schwer nicht, aber als eines der „Leading Hotels of the World“ habe man traditionell „ein großes internationales Publikum, darunter viele amerikanische und chinesische Gäste“ – mit denen derzeit kaum zu rechnen ist. Außerdem: Eingeschränkter Hochkulturbetrieb und die Krawallnacht vor drei Wochen seien auch nicht gerade förderlich für die Nachfrage.
Peter Leidig, Direktor des Arcotel Camino, sieht es so: Der innerdeutsche Tourismus komme zwar langsam wieder in Gang, „aber wir haben derzeit keine Musicals, keine Großveranstaltungen und viele andere Gründe weniger für klassischen Städtetourismus“. Das Hotel an der Heilbronner Straße mit seinen 168 Zimmern und 65 Mitarbeitern ist seit dem 18. Mai wieder geöffnet. Bislang jedoch fehlten 85 Prozent der Erlöse im Vergleich zu einem „normalen“ Jahr. Leidigs Devise: „Irgendwie den Sommer durchhalten. Ab Mitte September normalisiert sich das Geschäft hoffentlich wieder, denn in Stuttgart lebt man auch von den Beraterfirmen.“
Angebote für Tagestouristen
Stuttgarts Cheftouristiker Armin Dellnitz sagt: „Die nächsten drei Monate werden die schwierigsten werden.“ Man könne eine Business-Destination wie Stuttgart mit 70 Prozent Geschäftsreisen bei den Übernachtungen nicht von heute auf morgen zu einer Freizeithochburg machen. Was die privaten Reisen angeht, sieht Daniel Ohl, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Baden-Württemberg, zwar „eine erfreuliche Entwicklung bei Übernachtungen in den Urlaubsgebieten Schwarzwald und Bodensee“, aber „der Städtetourismus steht und fällt mit den Veranstaltungen“.
Armin Dellnitz ist im ständigen Austausch mit anderen Städten, „die sonst die Motoren des Tourismus sind und jetzt das größte Problem haben“. Denn abgesehen von abgesagten Events – das, was die Attraktivität einer Metropole ausmacht, „mitten in einer quirligen Stadt etwas erleben“, geht in Corona-Zeiten nur sehr bedingt. Dennoch gebe es „enorm viele Angebote, die Stadt auch anders kennenzulernen“, sagt Dellnitz. #nahstattfern heißt die neue Kampagne, mit der man über den klassischen Tagestourismus hinaus die Übernachtungen wieder ankurbeln will.
Was fehlt, sind die Geschäftsreisenden
„Ja, es soll auch Touristen geben“, sagt Susanne Zöller-Unger trocken. Sie ist Inhaberin des Hotels Unger in bester Citylage und zählt nur ein paar Gründe für private Übernachtungen auf, die diesen Sommer weggefallen sind: Fischmarkt, Sommerfest, Tanz-WM und Weindorf gehören dazu. Ihr Haus mit 106 Zimmern und 42 Mitarbeitern, das seit mehr als 60 Jahren familiengeführt ist, werde normalerweise viel von Geschäftsreisenden aus öffentlichen Institution gebucht. Für den Juni sehen die Zahlen so aus: 16,6 Prozent Auslastung gegenüber 76 Prozent im Juni 2019. „Wir zahlen heftig drauf“, sagt Zöller-Unger, „aber wir können es uns auch nicht leisten, monatelang ganz von der Bildfläche zu verschwinden“.
Für die Hygienevorschriften habe man gute Lösungen gefunden – mit Mehraufwand. Das beliebte Frühstücksbüfett sei nun hinter einer Plexiglasscheibe, wo Mitarbeiter bereitstehen, was sich bei einem Preis von acht Euro kaum rentieren dürfte. Außerdem: „Wir wollen die Mehrwertsteuersenkung für private Reisende weitergeben, damit haben wir aber bislang mehr Theater, als dass sie geholfen hätte“, so Zöllner-Unger. „Und für die Businessgäste sind sowieso Nettopreise vereinbart, da bringt sie nichts als Aufwand.“
„Wir sind sozialrelevant“
Das Waldhotel Stuttgart auf der Waldau ist ebenfalls in Privatbesitz. Man sei „mit einer guten Qualität in die Krise reingegangen“, so Direktor Jörg Grede, und unter dem Motto „das neue Alte“ wieder positiv herausgekommen. Die fast zweimonatige Schließungszeit bis zum 25. Mai habe man für Renovierungsarbeiten genutzt und nun sogar eine klimaneutrale Zertifizierung erreicht.
Die 96 Zimmer am Waldrand seien häufig von Geschäftsleuten gebucht, die „nicht an ein Reisebudget gebunden sind“. In den jetzt halbierten Tagungsräumen habe es sogar erste Meetings mit bis zu zehn Personen gegeben. Was den Tourismusfaktor angeht, sagt Grede: „Wir sind zwar nicht München oder Hamburg, aber für die Schweizer sehr interessant“, wenngleich er „Überkapazitäten“ in der Stuttgarter Hotellerie sieht. Seine hauseigene Gastronomie inklusive eines eingeführten Chef’s Table auf der Wiese jedenfalls laufe sehr gut. „Wir sind vielleicht nicht systemrelevant“, sagt Grede, „aber wir sind sozialrelevant“.