InterviewHoward Carpendale im Gespräch „Mich nervt nichts mehr“

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Warum Howard Carpendale 2003 das Handtuch werfen wollte, wieso das keine gute Idee war und weshalb ihn sein Hit „Alice“ verfolgt, darüber spricht der 74-jährige Schlagersänger im Interview.

„Isch sag einfach Hello again“ – Howard Carpendale lässt seit Jahrzehnten Frauenherzen höher schlagen. Die Hits  des Südafrikaners mit dem markanten Akzent sind Pflicht auf jeder Schlagerparty. Foto: dpa 11 Bilder
„Isch sag einfach Hello again“ – Howard Carpendale lässt seit Jahrzehnten Frauenherzen höher schlagen. Die Hits des Südafrikaners mit dem markanten Akzent sind Pflicht auf jeder Schlagerparty. Foto: dpa

Stuttgart - Millionen verkaufte Platten und Ohrwürmer wie „Hello again“ oder „Ti amo“: Howard Carpendale zählt zu den erfolgreichsten Sängern Deutschlands. Der gebürtige Südafrikaner mit dem charmanten Akzent ist ein Frauenschwarm und auch mit 74 Jahren noch lange nicht reif für die Rente. Das hat er schon einmal versucht, als er 2003 seine Karriere beendete. Beim Abschiedskonzert in Köln war die Trauer der Fans derart groß, dass einige am Ende stoisch vor der Bühne stehen blieben und die Halle nicht verlassen wollten. Die Redakteurin Simone Höhn war damals als Berichterstatterin dabei. Nach einigen Jahren Pause sagte Carpendale seinen Fans „Hello again“ und startete noch einmal durch. Im Interview spricht der 74-Jährige über erste Höhenflüge, dunkle Stunden, Fanliebe und die „Show seines Lebens“.

Herr Carpendale, Sie haben einmal gesagt, Sie hätten sich zu Beginn Ihrer Karriere vor mehr als 50 Jahren wie der „König von Köln“ gefühlt. Wie meinten Sie das?

Wenn man als junger Mann plötzlich erfolgreich ist und einen die Leute auf der Straße erkennen, ist immer die Gefahr da, dass man abhebt. Bei mir war die Phase aber schnell wieder vorbei, nachdem es plötzlich nicht mehr so gut lief und ich die Dinge selbst in die Hand nehmen musste.

Heute könnte man Sie an Ihrem Erfolg gemessen in Ihrem Genre als „König von Deutschland“ bezeichnen. Empfinden Sie das so?

Nein, überhaupt nicht. Obwohl ich glaube, dass wir mit der „Show meines Lebens“ ein Stadium erreicht haben, das qualitativ zum Besten gehört, was Deutschland je gesehen hat.

Nur keine falsche Bescheidenheit.

Es ist wirklich nicht nur so dahingesagt, wenn ich mich als Teil dieser Maschinerie sehe. Natürlich bin ich der Frontmann, derjenige, der die Show macht. Aber wir stehen auf der Bühne mit 20 hervorragenden Musikern. Die Menschen, die zu unseren Konzerten kommen, haben so etwas noch nicht gesehen. Die Begeisterung ist unfassbar. Man kennt so ein Showformat eigentlich nur aus Las Vegas. Wir haben in Berlin neun ausverkaufte Konzerte hinter uns.

Mit Verlaub: Wie schaffen Sie das mit inzwischen 74 Jahren?

Es ist anstrengend, aber es geht noch. Noch hat es niemand bemerkt, dass ich nicht mehr dieselbe Kondition habe wie früher. Ich kann es noch gut verstecken (lacht).

Pop, Schlager, Entertainment – nerven Sie diese Kategorien, oder ist es Ihnen egal, wo man Sie einordnet?

Mich nervt nichts mehr. Mir macht das so eine Freude, was wir momentan machen. Alles kann man nicht haben und perfekt ist es nie. Momentan geht so viel voran bei unseren Konzerten, und auch sonst scheint so vieles möglich, bis hin zu einer Auslandstour – da kümmert es mich wahrlich nicht, wo ich von wem wie eingeordnet werde.

Sie haben 2003 Ihre Karriere beendet, um fünf Jahre später Ihr Comeback zu geben. Hatten Sie je Zweifel, ob es gelingen würde, an Ihre Erfolge anzuknüpfen?

Ich glaube, dass ich nach dem Comeback ein ganz anderer Mensch war. Vorher habe ich immer hart an meiner Karriere gearbeitet, danach musste ich mich nicht mehr beweisen. Insofern war da auch kein Platz für Zweifel. Die fünf Jahre Pause nach dem vorläufigen Ende haben mir jedenfalls nicht unbedingt gutgetan.

Inwiefern?

Ich bin in ein Loch gefallen und ein Arzt sagte irgendwann zu mir, wenn ich nicht wieder auf die Bühne gehen würde, hätte ich womöglich nicht mehr allzu lange zu leben. Als ich dann zurückgekommen bin, wollte ich nur noch das machen, was mir Freude macht. Mit Ende 50 denkt man ganz anders über den Beruf als mit 30.

Auf Ihrem aktuellen Album „Symphonie meines Lebens“ hat das Royal Philharmonic Orchestra aus Ihrem Hit „Tür an Tür mit Alice“ ein klassisch intoniertes Stück mit Geige und Harfe gemacht. Wollten Sie einen Gegenentwurf zur Bierzeltversion?

Ich habe meine Lieder an einen hervorragenden englischen Komponisten gegeben, der die Nummern so nicht kannte. Das ist dabei herausgekommen und ich war begeistert. „Tür an Tür mit Alice“ ist ein Lied, das mich seit 150 Jahren verfolgt. Es gehört nicht zu meinen Lieblingsliedern, aber es gehört eben einfach dazu. 

Welches ist denn Ihr Lieblingslied von Ihren 750 komponierten Stücken?

„Nachts, wenn alles schläft“, ein großer Hit von 1979.

Als Jugendlicher war Carpendale ein erfolgreicher Sportler

Howard Carpendale wurde 1946 im südafrikanischen Durban geboren. In seiner Jugend war er dort ein erfolgreicher Sportler, unter anderem war er südafrikanischer Meister im Kugelstoßen. Ende der Sechzigerjahre kam er nach Deutschland, wo die Erfolgsgeschichte seinen Lauf nahm. In den Siebzigerjahren feierte er große Erfolge mit Hits wie „Das schöne Mädchen von Seite Eins“, „Deine Spuren im Sand“ oder „Ti amo“. Sein wohl bekanntester Hit ist „Hello again“ von 1984.

Zwei Söhne und eine Leidenschaft für Golf

Howard Carpendale lebte in erster Ehe von 1976 bis 1984 mit Claudia Herzfeld. Der gemeinsame Sohn, der ebenfalls einer breiten Öffentlichkeit als Schauspieler bekannte Wayne, wurde 1977 geboren. Seit 1983 lebt Carpendale mit der Amerikanerin Donnice Pierce zusammen, 2018 heirateten sie. Sie leben in München. Der gemeinsame Sohn Cass wurde 1988 geboren. Carpendale spielt leidenschaftlich gerne Golf.

„Hello again“ in Stuttgart

Am 1. Mai 2020 gibt Howard Carpendale ein Konzert in der Porsche Arena in Stuttgart (20 Uhr), worauf er sich sehr freut: „Stuttgart ist ein sehr treues Publikum.“