Howard Carpendale in der Schleyerhalle Danke, Howard – wir lieben dich auch!

Alles ist noch da, das Timbre, der Akzent, die Frisur: Howard Carpendale bei seinem Konzert in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Begleitet von einer exzellenten Band, zeigt Howard Carpendale in der Stuttgarter Schleyerhalle, was guter Schlager kann, und gibt den versierten Entertainer – das Publikum ist begeistert.

Ein Charmeur war er schon immer. Bei ihren Auftritten in Berlin, München oder Hamburg hätten sie „geprobt“, erzählt Howard Carpendale. „Jetzt“, habe er dann zu seiner Band gesagt, „können wir nach Stuttgart!“. Es bleibt nicht die einzige Reverenz, die Carpendale an diesem Abend der Schwabenmetropole erweist. Später, bei „Eine Nacht in New York City“, ersetzt er im Refrain einmal New York durch Stuttgart, doch bis dahin hat er das Publikum schon längst auf seiner Seite.

 

Funky Bläser, wunderbare Gitarrensoli

Denn was der 78-Jährige in der gut gefüllten Schleyerhalle abliefert, besitzt Format – ja, man könnte das nach knapp drei Stunden bejubelte Konzert durchaus als Ehrenrettung für den deutschen Schlager bezeichnen. Als billig gemachtes, am Computer zusammengebasteltes Massenprodukt ist der heute arg in den Verruf geraten, doch der Auftritt Carpendales erinnert an jene goldenen Zeiten, als Schlager noch aufwendig arrangiert und produziert wurden. Fünfzehn Mitglieder, darunter eine vierköpfige Bläsersection, umfasst die exzellente Band, die auch zeigen darf, was sie drauf hat. Da gibt es funky Bläsersätze, messerscharf gespielt, aber auch wunderbare Soli auf Gitarre, Saxofon oder Klavier. Dazu kommt eine ausgefeilte Licht- und Bühnendramaturgie mit einem über der Bühne hängenden, an ein Ufo erinnerndes Leuchtobjekt, das je nach Song die passende Atmosphäre schafft.

Sängerisch noch gut in Form

Sängerisch ist der meist halb auf einem weißen Barhocker sitzende Carpendale immer noch gut in Form. Das samtene Timbre seiner Stimme, der sorgsam gepflegte Akzent („endlisch bin isch wieder in Stuttgart . . .“), die 70er-Jahre-Frisur – alles ist noch da und weckt Erinnerungen, zumal er neben einigen seiner aktuellen Songs wie „Ungesagt“ vor allem auf seine alten Hits setzt: wie „Das schöne Mädchen von Seite 1“, mit dem er 1970 den Deutschen Schlagerwettbewerb gewann, oder, vom Publikum textsicher mitgesungen, „Alice“ samt der „Who the fuck is . . .“ Zwischenzeile.

Dazwischen plaudert Carpendale, ganz versierter Entertainer, mit dem Publikum, erzählt Anekdoten und läutet die Schlussrunde mit einer interessanten Volte ein: Er habe auf seiner nun 22. Tournee einfach keinen Bock mehr, nach dem offiziellen Programmende „so zu tun, als ob wir nicht wiederkommen“: Er entscheide, wieviel Zugaben er gäbe. Und so gibt er drei. „Dann geh doch“, „Ruf mich an“ und, als Finale, seinen vielleicht größten Hit: „Ti Amo“. Danke, Howard. Wir lieben dich auch.

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