HTML 5 Das Netz soll bunter werden

Auf dem iPhone lief Flash nicht, mit HTML 5 könnte es überflüssig werden. Foto: AP
Auf dem iPhone lief Flash nicht, mit HTML 5 könnte es überflüssig werden. Foto: AP

Auf einigen Websites ist der neue Standard HTML 5 schon implementiert, 2014 soll er offiziell verabschiedet werden. HTML 5 vereinfacht die Programmierung und soll dafür sorgen, dass Websites auf allen Plattformen gleich gut funktionieren.

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Stuttgart - Der Begründer des Internets, Tim Berners Lee, rief im Jahr 2006 dazu auf „HTML neu zu erfinden“. Seit 2008 werkeln zwei Entwicklergruppen an insgesamt neun Arbeitsentwürfen für HTML 5. Inzwischen wartet der Standard nur noch auf den letzten Schliff, 2014 soll er offiziell verabschiedet werden. In vielen Internetbrowsern ist er schon umgesetzt, einzelne Websites und Online-Anwendungen basieren bereits auf HTML 5. Denn HTML 5 bietet eine Menge Vorteile: So funktionieren Anwendungen, die in dem neuen Standard programmiert sind, nun auf verschiedenen Plattformen wie dem iPhone, Android und Blackberry-Geräten. Zuvor musste für jede mobile Plattform eine eigene Version geschneidert werden.

Was HTML 5 ausmacht, erklärt HTML-Experte Bruce Lawson mit einem historischen Vergleich: So wie HTML 4 das frühe Internet reflektiere, in dem sich Wissenschaftler und Ingenieure tummelten, spiegele HTML 5 das heutige Internet wider. Neu sind beispielsweise Elemente, die Audio- und Videodaten von fremden Websites auf die eigene Seite einbinden können. Damit werden künftig beispielsweise die bei Youtube üblichen Einbettungscodes überflüssig. Nutzer müssen keine Plug-in-Software mehr in ihren Browser installieren, um etwa Videos anzusehen. Die Folge: der Flash-Standard, der erfunden wurde, um die bisherigen Limitierungen von HTML zu umgehen, wird künftig in vielen Fällen nicht mehr nötig sein, da Programmierer verschiedene Elemente auf anderem Weg in die HTML-Seiten integrieren können.

Text wird wieder als Text dargestellt

Das bedeutet auch, dass Text, der dank Flash nicht mehr als Text, sondern als grafisches Element angezeigt wurde, künftig wieder als Text lesbar sein wird. Blinde Nutzer beispielsweise, die sich Texte vorlesen lassen wollen, werden dafür dankbar sein. Außerdem dürften die Browser seltener abstürzen, denn die Probleme gehen meist auf das Konto von Flash-Seiten.

HTML 5 wird auch iPhone-Besitzer freuen, die bisher keine Websites mit Flash nutzen konnten und manche Websites, die mit IBM- oder Microsoft-Werkzeugen erstellt wurden, nur als kunterbunten Kästchensalat erleben durften. Apple-Gründer Steve Jobs hatte 2010 jede Annäherung an Flash strikt abgelehnt, weil es zu fehlerbehaftet sei. Jobs vertrat die Ansicht, ein HTML-Standard müsse so gestaltet sein, dass einmal geschriebene Anwendungen überall funktionieren müssten – und dass es für Sonderlösungen etwa seitens Adobe, IBM, Android oder Microsoft keinen Bedarf mehr geben dürfe.

Tatsächlich freunden sich jetzt immer mehr Entwickler mit dem neuen Standard an, weil er so flexibel ist. Und je mehr Website-Betreiber auf den neuen Standard umsteigen und auf Flash verzichten, desto mehr können iPhone-Besitzer die multimedialen Inhalte nutzen. Die App der „Financial Times“ für iPad, iPhone und das Samsung Galaxy Tab basiert bereits auf HTML 5. Allerdings wird HTML 5 die Flash-Technologie nicht ganz ersetzen. Insbesondere bei der Video-Einbettung etwa kann Flash automatisch die Bandbreite und Verarbeitungskapazitäten von Nutzern erkennen. Ob HTML 5 dies ebenfalls können wird, ist noch unklar.

Auch E-Books könnten von HTML 5 profitieren

Die Nutzer profitieren außerdem davon, dass sie zunehmend Angebote wie etwa internetbasierte E-Mail-Dienste ohne Internetanschluss nutzen könnten. Der neue Standard unterstützt nämlich Datenbanken in der Form, dass Website-Betreiber Informationen auf der Festplatte der Nutzer speichern können. Das ermöglicht allerdings auch eine umfangreichere Auswertung des Nutzerverhaltens, da Werbetreibende über diese Funktion Nutzungsdaten der Kunden speichern können.

HTML 5 inspiriert angelehnte Standards wie etwa den in Deutschland weit verbreiteten E-Book-Standard EPUB. E-Books werden damit bunter und interaktiver – und vor allem hübscher, denn der neue EPUB3-Standard unterstützt ausdrücklich auch HTML 5. Damit können beispielsweise in wissenschaftlichen Büchern Audio-Anweisungen und Video-Demonstrationen direkt in den Text eingebaut werden. Der EPUB3-Standard könnte sogar, wie das Online-Magazin „Read-Write-Web“ berichtet, bald von einer neuen HTML-5-Komponente abgelöst werden, die zurzeit von der Firma Opera Software entwickelt wird. Sie soll vor allem das Layout für digitale Bücher schöner machen, sagt Opera-Manager Chris Mills, der mit Hinblick auf die in einem endlos scheinenden Fließtext veröffentlichten digitalen Bücher sagt: „Die Menschheit vermisst die Schönheit einer nett gestalteten Seite.“

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