Hubschrauber über Backnang Das steckt hinter dem abgehobenen Abschleppdienst

Über Backnang war ein ungewöhnlicher Lufttransport unterwegs. Foto: privat/Dirk Körbes
Über Backnang war ein ungewöhnlicher Lufttransport unterwegs. Foto: privat/Dirk Körbes

Über der Region war neulich ein Hubschrauber zu sehen, der einen zweiten Helikopter abschleppt. Wir haben nachgefragt und erfahren: Es handelte sich um den allerletzten Flug einer echten Helikopter-Legende.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)
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Backnang - „Ein Hubschrauber über Backnang – was ist da los?“ – diese Frage und Abwandlungen davon machen in sozialen Medien die Runde, sobald eines der knatternden Fluggeräte in der Region unterwegs ist. Meist steckt ein Einsatz der Polizei dahinter – nicht so bei einer Flugbewegung, die am vergangenen Donnerstag viele Backnanger beobachtet haben. Am frühen Nachmittag waren dort gleich zwei Helikopter zu sehen – wobei der eine den anderen abschleppte.

Der kleinere der Hubschrauber baumelte an einem Stahlseil herab. „Ich habe das Hubschrauberpärchen aus weiterer Entfernung südlich von Backnang gesehen, dann flogen diese im Uhrzeigersinn eine große Runde um Backnang herum, was auch für eine Übung sprechen könnte. Aus den Augen verloren habe ich diese dann, als sie wieder Richtung Süden abzogen“, schildert Dirk Körbes aus Backnang.

Das steckt hinter dem Hubschrauber-Abschleppdienst

Er postete ein Foto des skurrilen Hubschrauberpärchens auf Facebook, was für Erheiterung sorgte. „Ich war nur zwei Minuten beim Bäcker – schon wurde ich abgeschleppt“, schreibt jemand. Ein anderer Nutzer meint, diesen luftgestützten Abschleppdienst könnte man sich patentieren lassen. Doch hinter den beiden Hubschraubern steckt kein Falschparken beziehungsweise -landen, und auch kein Unfall. Stattdessen konnten die Backnanger den letzten Flug einer Hubschrauber-Legende beobachten.

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Der Hubschrauber, der am Donnerstag ans Seil genommen wurde, ist eine Bölkow Bo  105 der Bundeswehr. Dieses Muster flog 1967 erstmals und war nicht nur bei vielen Rettungsdiensten und der Polizei (auch am Stuttgarter Flughafen) im Einsatz, sondern auch bei den deutschen Heeresfliegern. Diese nutzte den leichten Helikopter lange Zeit als Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber sowie zur Panzerabwehr. Für letzteren Zweck bestückte sie den Helikopter mit drahtgelenkten Raketen.

Die Bo 105 kommt in eine Ausstellung nach Laupheim

Im Jahr 2016 stellten die Heeresflieger die letzten Maschinen dieses Typs außer Dienst. Der Hubschrauber am Haken wurde am Donnerstag von einer Kaserne in Koblenz (Rheinland-Pfalz) nach Laupheim im Kreis Biberach transportiert und dafür an einen schweren Transporthelikopter vom Typ Sikorsky CH-53GS gehängt. Beim Luftwaffenstützpunkt Laupheim befindet sich eine militärhistorische Ausstellung, die laufend erweitert wird. „Dort wird die Bo 105 im Außenbereich zu sehen sein“, erklärt ein Pressesprecher der Bundeswehr.

Die genaue Route des Transports behält die Bundeswehr zwar für sich – vermutlich dürfte der Flug aber auch über die Landkreise Heilbronn, Ludwigsburg und Esslingen geführt haben. Direkt über Städte seien die Helikopter nicht geflogen, betont der Bundeswehrsprecher.

Die Sikorsky CH-53 kann mehr als sieben Tonnen Außenlast transportieren

Der Transport eines ganzen Helikopters scheint zwar eine große Aufgabe. Doch eine CH-53GS kann Außenlasten von fast 7,3 Tonnen transportieren. Dies lässt die Bo 105 mit rund 1,3 Tonnen im Leerzustand geradezu als Leichtgewicht erscheinen. Zumal bei der Maschine, die da im Schlepptau unterwegs war, die Rotorblätter und möglicherweise auch andere Bauteile entfernt worden waren.




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