Der ehemalige NPD-Funktionär Janus Nowak gibt die Kneipe nach fünf Jahren auf. Foto: Dudenhöffer
2020 eröffnete der ehemalige NPD-Funktionär Janus Nowak die Herrenberger Kneipe „Hüttengaudi“. Bis zuletzt war sie wohl Anlaufpunkt für Rechtsextremisten. Nun will er die Bar abgeben.
Ruhig ist es vor der Kneipe „Hüttengaudi“ am Herrenberger Reinhold-Schick-Platz. Sowohl die Bar als auch weitere Geschäfte sind an diesem Mittag geschlossen. Nur ein Supermarkt ist offen. Der Kassierer darin sagt schulterzuckend, dass er nichts über die Betreiber wisse. Dass das Lokal nebenan kein ganz gewöhnliches ist, weiß der Mann wohl nicht.
Seit dem Jahr 2020 besteht die Kneipe mit dem Beinamen „Erlebnisbar“ an der viel befahrenen Kreuzung. Hinter dem Lokal steht vermutlich noch immer der ehemalige baden-württembergische Landesvorsitzende der NPD und Ex-Kreisrat, Janus Nowak. Nun will der Ex-Funktionär die Kneipe abgeben. Auf einem Onlineportal bietet Nowak unter seinem Namen die „Hüttengaudi“ an – für eine Ablösesumme von 8000 Euro. 700 Euro soll die Pacht monatlich betragen. Ein Eigentümerwechsel wird bis zum Jahresende angestrebt.
Berufliche Neuorientierung der Betreiber
Im Inserat erklärt der selbstständige IT-Unternehmer, die Bar „aufgrund beruflicher Veränderung“ an einen Nachmieter abgeben zu wollen. Zu den Gründen der Aufgabe haben sich weder der Kneipengründer Janus Nowak noch der beim Herrenberger Gewerbeamt als Betreiber eingetragener und im Impressum der Website geführte Betreiber auf Anfragen unserer Zeitung geäußert.
Janus Nowak (weißes Hemd) bei der Eröffnung der Gedenkstätte des KZ Tailfingen im Jahr 2010. Zu der Veranstaltung war Nowak ausgeladen worden, erschien aber trotzdem. Foto: Thomas Wagner/Archiv
Eine reine Musikkneipe war die Lokalität nicht. Recherchen unserer Zeitung zeigen, dass „Herrenbergs rockigste Tanz- und Partykneipe“, wie sie offiziell beworben wird, auch Anlaufpunkt für Rechtsextremisten gewesen ist. Dass Janus Nowak das Lokal 2020 für einen NPD-Parteitag nutzte, bestätigt das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz. Ein Sprecher erklärt auf Anfrage: „Am 25. Oktober 2020 fand in der Kneipe der 52. Landesparteitag der rechtsextremistischen NPD statt.“
Verfassungsschutz sieht kontinuierliche Nutzung durch Rechtsextreme
Nicht nur zu diesem Datum, auch darüber hinaus soll die Hüttengaudi-Kneipe auch als Treff für Menschen aus rechtsextremen Kreisen genutzt worden sein. Dazu schreibt der Landesverfassungsschutz: „Die Gaststätte wird weiterhin auch von Rechtsextremisten frequentiert.“ Wie der Kneipengründer zu den Vorwürfen steht, sein Lokal diente offenbar regelmäßig als Treffpunkt für Rechtsextremisten, ist nicht bekannt. Nowak ließ Anfragen unbeantwortet.
Aus der Vergangenheit sind weitere Belege öffentlich, die den Unternehmer im demokratiefeindlichen Spektrum verorten lassen. Während der Pandemie nahm Nowak eine deutliche Gegenhaltung gegen die Corona-Maßnahmen ein. An der Eingangstür der Kneipe hängt bis heute ein Aufkleber: „Impfstreik – Ich mache mit“. Initiiert wurde die Aktion vom Compact-Magazin von Jürgen Elsässer, der AfD-nahen Pseudo-Gewerkschaft „Zentrum“, dem verschwörungstheoretischen Medium „Demokratischer Widerstand“, dem extremistischen Portal „PI News“ und der rechtsextremen Partei „Freie Sachsen“. Ob er sich auch heute noch mit den genannten Kräften verbunden sieht, ist nicht bekannt.
Impfen in Kontext zum KZ Auschwitz gesetzt
Noch drastischer als der Aufkleber ist ein Social Media-Beitrag, den Nowak am 3. Mai 2021 postete: Noch heute findet man auf Nowaks Facebook-Seite den Beitrag: „Es ist soweit: Impfen macht frei!“ Dabei steht ein Bild, auf dem in Karikaturform der Eingang des Konzentrationslagers Auschwitz zu sehen ist. Angelehnt an das von den Nationalsozialisten verwendete „Arbeit macht frei“ prangt über dem Tor der Satz „Impfen macht frei“. Das Eingangstor bewachen zwei schwarz gekleidete Kreaturen mit übergroßen grünen Spritzen. Auf dem KZ-Gelände sind zwei große Bilder zu erkennen: Der Microsoft-Gründer Bill Gates und ein Mann aus China – dem Ursprungsland des Coronavirus.
„Impfen macht frei“ – eine Anspielung an die Torinschrift „Arbeit macht frei“ der Nazis unter anderem im KZ Auschwitz. Foto: Screenshot
Für das Teilen dieses Bildes wurde ein Mann dieses Jahr vom Bundesgerichtshof wegen Volksverhetzung und Verharmlosung eines NS-Verbrechens eingestuft. Durch die Karikatur sei nach Ansicht des Karlsruher Gerichts konkret der Holocaust – die systematische Ermordung von alleine mindestens sechs Millionen Jüdinnen und Juden – verharmlost worden.
Programmierdienste für „Die Heimat“ erledigt
Ein Facebook-Post vom 28. Juni 2023 belegt, dass Nowak auch nach seiner Zeit als Landeschef Parteiarbeit leistete. „28. Juni. Sodele, Teil 1 eines Programmier-Auftrags für #dieheimat ist nun erledigt“, schreibt der Kneipier unter ein Foto, das einen Ausschnitt der Parteiwebsite zeigt. Ob der 47-Jährige noch immer für die Partei, die seit zwei Jahren „Die Heimat“ nennt, arbeitet, ist nicht belegt. Auch dazu keine Äußerung von Nowak.
Die Herrenberger Stadtverwaltung jedenfalls distanziert sich klar von den rechtsextremen Verbindungen des mutmaßlichen Mitbetreibers der Kneipe. Auf Anfrage heißt es: „Jegliche Form von Extremismus, Menschenfeindlichkeit oder Diskriminierung lehnen wir entschieden ab.“ Da der Betrieb auf privatrechtlicher Basis erfolge, habe die Stadt keine Eingriffsmöglichkeiten.
Über den Plan Nowaks, die Hüttengaudi-Schankwirtschaft zu verkaufen, sagt die Stadtverwaltung außerdem: „Grundsätzlich begrüßt es die Stadtverwaltung, wenn jegliche Treffpunkte mit dem Ziel, extremistisches oder menschenverachtendes Gedankengut zu verbreiten, nicht weiter bestehen.“ Noch sei aber keine Gewerbeabmeldung erfolgt – weder durch die offiziell als Betreiber eingetragene Person noch durch Janus Nowak selbst.
NPD-Rechtsextremisten auf dem Rückzug
Name Bis 2023 hieß die Partei, der Nowak in Baden-Württemberg von 2016 bis 2020 vorstand, Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Seit zwei Jahren nennt sich die Partei „Die Heimat“. Sie soll bundesweit rund 2800 Mitglieder haben.
Einstufung Der Verfassungsschutz und auch das Bundesverfassungsgericht sehen bei der Programmatik der damaligen NPD eine Wesensverwandtschaft zum deutschen Nationalsozialismus.