Hugendubel in Stuttgart Die Riesen im Buchhandel sind angeschlagen

Von Nora Stöhr 

Das Aus der Hugendubel-Filiale an der Stuttgarter Königstraße ist kein Einzelfall. Auch andere große Buchhändler haben zu kämpfen: Zu schaffen macht der Branche vor allem die Konkurrenz aus dem Internet.

Die Hugendubel-Filiale an der Stuttgarter Königstraße muss ihre Pforten schließen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Hugendubel-Filiale an der Stuttgarter Königstraße muss ihre Pforten schließen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Hugendubel gehört zu den größten Buchhändlern in Deutschland. Gemeinsam mit seinem früheren Partner Weltbild rangierte das Familienunternehmen als Deutsche Buchhandels GmbH (DBH) noch im Jahr 2013 auf dem zweiten Platz der größten Buchhandlungen Deutschlands – gleich hinter dem Konkurrenten Thalia, der zum Handelskonzern Douglas gehört. Im Frühjahr jedoch musste Weltbild Insolvenz anmelden, nachdem die katholische Kirche dem Unternehmen zusätzliche Geldmittel verweigert hatte. Seither strauchelt Weltbild von einer Krise in die nächste. Hugendubel hat die Verbindung weitgehend aufgelöst – schließlich hat das Münchner Unternehmen selbst seit Längerem Probleme.

Wie Weltbild und Thalia hatte Hugendubel darauf gesetzt, in größeren Städten große Flächen in den besten Lagen zu besetzen. Lange Zeit galten die Unternehmen als sichere Kantonisten für jede neue Mall. Schon die Tatsache, dass weder Thalia noch Hugendubel in den neuen Stuttgarter Konsumtempeln Milaneo und Gerber vertreten sind, zeigt, wie groß die Krise der großen Filialisten ist.

Umsatz- und Kostenentwicklung klaffen weit auseinander

In der Folge der Großflächenstrategie klaffen bei den Buchhandelsketten schon seit Längerem Umsatz- und Kostenentwicklung weit auseinander. In vielen Städten schafften es die Konzerne nicht, ihre Mietkosten einzuspielen. Kritiker bemängelten zudem immer wieder, dass nicht zuletzt Hugendubel viele Kunden damit vertreibe, dass der Eingang der Läden häufig mit Tischen voller Ramschbücher zugestellt ist. Das vertreibe den anspruchsvollen Buchkunden und fördere ein Schnäppchenimage, das dem Buchhandel eigentlich nicht anhafte, so die Kritik.

Stuttgart ist nicht die erste Filiale, die die Münchner schließen. Dem Rotstift zum Opfer gefallen ist auch die 4400 Quadratmeter große Filiale in der Berliner Tauentzienstraße und etliche weitere Buchhandlungen. Sogar die eigentliche Keimzelle des Unternehmens am Münchner Marienplatz soll bis 2016 für immer seine Türen schließen. Die 1979 eröffnete Großfläche war die erste mehrgeschossige Buchhandlung mit Rolltreppen – ein Konzept, das den Beginn des Großflächen-Buchhandels einläutete. Hugendubel setzt inzwischen auf kleinere Flächen, nur wenige große Filialen sollen bestehen bleiben. Im vergangenen Geschäftsjahr machte die inhabergeführte Buchhandelskette, die bundesweit 90 Filialen mit mehr als 1700 Mitarbeitern betreibt, einen geschätzten Umsatz von 390 Millionen Euro.

Auch Thalia und Mayersche haben zu kämpfen

Nicht nur Hugendubel hat zu kämpfen, auch die großen Filialisten Thalia und die in Nordrhein-Westfalen präsente Mayersche schließen in großem Stil Filialen. Das Branchenmagazin „Buchreport“ hat in seinem aktuell erschienenen „Filialatlas 2015“ mindestens 140 geschlossene oder bald schließende Läden mit einer addierten Verkaufsfläche von geschätzt 20 000 Quadratmetern ermittelt.

Zu schaffen macht der Branche vor allem die Konkurrenz aus dem Internet und das veränderte Kaufverhalten der Leser. Auch der Trend zu den E-Books, also digitalisierten Büchern, macht vielen Buchhändlern das Leben schwer. Immerhin auf diesen Trend hat Hugendubel aber rechtzeitig reagiert. Gemeinsam mit Club Bertelsmann, Thalia, Libri und der Telekom haben Hugendubel und Weltbild im Jahr 2013 den E-Book-Reader Tolino auf den Markt gebracht. Das Gerät rangiert – zumindest in Deutschland – mit einem Marktanteil von 45 Prozent mittlerweile vor dem Kindle des US-Branchenpioniers Amazon (39 Prozent).

Bestätigt wird die neue Strategie von Hugendubel, eher auf kleinere Filialen zu setzen, durch den südwestdeutschen Regionalfilialist Osiander mit Hauptsitz in Tübingen. Anders als viele Konkurrenten wächst das mehr als 400 Jahre alte Familienunternehmen. Allein in diesem Jahr eröffnete Osiander vier neue Filialen – zwei davon in den neuen Stuttgarter Einkaufzentren Milaneo und Gerber, wo früher eigentlich Hugendubel mit einer Filiale gesetzt gewesen wäre.