Hugo-Häring-Architekturpreis Das Affenhaus macht das Rennen

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In der Abstimmung der StZ-Leser im Rahmen des Hugo-Häring-Architekturpreises erhält das Affenhaus in der Stuttgarter Wilhelma den Publikumspreis. Insgesamt 19 Bauten wurden ausgezeichnet.

Doppelt prämiert: das  Affenhaus der Wilhelma  erhält den Publikumspreis und einen Jurypreis. Welche Bauten noch eine Auszeichnung durch die Experten erhalten haben, sehen Sie in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Svenja Bockhop 19 Bilder
Doppelt prämiert: das Affenhaus der Wilhelma erhält den Publikumspreis und einen Jurypreis. Welche Bauten noch eine Auszeichnung durch die Experten erhalten haben, sehen Sie in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Svenja Bockhop

Stuttgart - Uns laust der Affe! Das Affenhaus in der Wilhelma ist der große Gewinner des Publikumspreises bei den Auszeichnungen des Bundes Deutscher Architekten (BDA) für die besten Bauten in der Region Stuttgart. Mit weitem Abstand, sozusagen mit einem 7:1, hat die im vergangenen Jahr eröffnete Herberge des Stuttgarter Zoos für Gorillas und Bonobos die Konkurrenz abgehängt, darunter immerhin so prominente und stark frequentierte Gebäude wie die Stuttgarter Stadtbücherei oder der Kursaal in Bad Cannstatt.

Von insgesamt 1360 abgegebenen Stimmen der StZ-Leser konnte sich die Stahl-Glas-Konstruktion der Berliner Architekten Hascher und Jehle samt außenliegendem ­Affenabenteuerspielplatz mit 113 Voten an die Spitze der Beliebtheitsskala setzen. Alle anderen Kandidaten bewegen sich dahinter im zwei- oder einstelligen Bereich. Und das beste daran: die Fachleute gehen in diesem Fall völlig konform mit der Vox populi. „Das Ensemble überzeugt durch die nahtlose Verknüpfung von Innen und Außen“, meinte die Jury. Deswegen können die Wilhelma-Leute jetzt zwei Plaketten an ihrer Primatenvilla anschrauben: die Hugo-Häring-Auszeichnung des BDA (Namens­patron ist der 1882 in Biberach geborene Architekt und Vertreter des Neuen Bauens) und daneben den Publikumspreis.

Auch die Stadtbibliothek erntete Lorbeeren

Auf welches Lob man nun stolzer ist, das der Experten oder das der Besucher, ist wahrscheinlich für alle Beteiligten schwer zu sagen. Freuen darf sich neben den Chefs und Tierpflegern des Zoologischen Gartens sowie den Architekten jedenfalls auch das Land Baden-Württemberg, das als Bauherr ebenfalls mitausgezeichnet wird. Und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, konnte die Wilhelma bei der Preisverleihung im Treffpunkt Rote­bühlplatz gestern abend gleich nochmals punkten: Die Wilhelmaschule der Stuttgarter Architekten Cheret und Bozic, ein kleines Haus, in dem Schulklassen und Kindergruppen in die Welt der Tiere und Pflanzen eingeführt werden, befand die Jury gleichermaßen für preiswürdig.

Alles in allem haben die Experten 19 von 122 eingereichten Werken prämiert. Öffentliche Bauten halten mit elf Auszeichnungen dabei einen kleinen Vorsprung. So erntete die Stuttgarter Stadtbibliothek Lorbeeren – nach Meinung der Preisrichter „ein markanter Stadtbaustein, der zeichenhaft seine herausragende Bedeutung für das städtische Leben“ zum Ausdruck bringt –, ebenso wie das Ministeriums­gebäude an der Willy-Brandt-Straße, das besonders durch die virtuose Gliederung seiner großen Baumasse beeindruckte.

Der Sektor Handel und Gewerbe glänzt durch Abwesenheit

Die Evangelische Kirche ist mit zwei Bauwerken vertreten: dem Hospitalhof von Lederer, Ragnars­dottir, Oei und der Matthäuskirche in Heslach, die der Stuttgarter Architekt Hannes Schreiner behutsam auf den historischen Raumeindruck zurück­geführt hat. Zwei „Hugos“ kassierte auch die Wissenschaft für das kurvige Zentrum für Virtuelles Engineering der Fraunhofer-Gesellschaft und das Präzisions­labor des Max-Planck-Instituts, die beide auf dem Vaihinger Campus liegen. Hoch war unter den Kandidaten die Anzahl privater Wohnhäuser, und gleich fünf davon hat die Jury mit einer Auszeichnung geadelt.

Öffentliche und private Auftraggeber, so lässt sich aus dem Bewerberfeld und den Prämierungen folgern, sind die ambitioniertesten Bauherrn in Stuttgart. Falsch wäre jedoch die Folgerung, dass die Stadt ja dann ein einziges Baukunstwerk sein muss. Denn ein Sektor glänzt durch komplette Abwesenheit: Handel und Gewerbe machen architektonisch keine Reklame für sich. Sieht man von den Bietigheimer Marktplatzarkaden, einem Sanierungsprojekt der Stadt ab, war kein einziger Kommerzbau zu dem Auszeichnungsverfahren eingereicht worden. Da Shoppingmalls und Einkaufsmärkte aber in der City und den peripheren Speckgürteln das Stadtbild beherrschen, bleibt nur zu hoffen, dass Vorbilder wie die Markthalle oder das (abgerissene) Kaufhaus Schocken bald Nachfahren haben werden, die einen Hugo verdienen.

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