Hugo-Wolf-Medaille verliehen Liedduo Gerhaher und Huber geehrt

Der Pianist Gerold Huber (li.) und der Bariton Christian Gerhaher freuen sich über die Auszeichnung. Foto: Reiner Pfisterer

Der Bariton Christian Gerhaher und und sein Klavierpartner Gerold Huber haben im Stuttgarter Opernhaus die Hugo-Wolf-Medaille erhalten.

Es gibt zurzeit kein besseres Liedduo, und hat es überhaupt je ein besseres gegeben? Eigentlich müsste ein Verein, der das Kunstlied auch durch eine jährliche Auszeichnung fördern will, immer wieder und immer nur Christian Gerhaher und Gerold Huber bedenken. Das wäre aber erstens langweilig und würde zweitens nicht die Vielfalt dessen abbilden, was in diesem kleinen, feinen Bereich der klassischen Musik grünt und blüht, und so wurde dem Bariton und seinem Klavierpartner am Sonntagmorgen im Stuttgarter Opernhaus erstmals die Hugo-Wolf-Medaille überreicht.

 

Als Laudatorin stellte die lange auch im Stuttgarter Opernensemble singende Sopranistin Christiane Iven die brennende Frage des Vormittags: Wie kann es sein, dass ein äußerlich so unspektakuläres Duo, das ohne Show, ohne Reels auf Instagram, außerdem immer in den gleichen Klamotten auftritt, so viel Erfolg hat?

Balance zwischen Darstellung und Drama

Zum Glück haben die Musiker die Frage mit ihrem Auftritt selbst beantwortet. Christian Gerhaher ist von einer Erkältung leicht beeinträchtigt, was sich aber nur anfangs in leichten Intonationstrübungen und in einem leicht gedämpften Tonansatz niederschlägt. Er singt Lieder von Hugo Wolf – was nicht nur wegen der Medaille passt, sondern auch künstlerisch stimmig ist. Wolfs Vertiefung in die vertonten Texte entspricht genau jener Haltung, die das Liedduo seit gut 35 Jahren maßgeblich prägt, und Gerold Huber ist am Klavier nie nur intonatorischer Handlauf und atmosphärischer Stichwortgeber, sondern kriecht auf seine Weise in die Verästelungen der Sprache hinein. Gemeinsam praktizieren Gerhaher und Huber etwas, das man erzählendes Singen nennen könnte. Oder singendes Erleben. Wobei die ganz große Kunst dieser Musiker auch eine des Ausbalancierens ist: zwischen Darstellung und Drama, Verinnerlichung und Entäußerung, Subjektivität und Objektivierung.

Erlebnis statt Unterhaltung

So wie etwa im Lied „Im Frühling“ Hugo Wolfs Klänge das zugrunde liegende Gedicht von Eduard Mörike weiten, bis Form und harmonische Logik fast implodieren: So begeben sich auch Christian Gerhaher und Gerold Huber hinein in das dichte Geflecht von Text und Musik, so weiten sie beim „sehnend, sich dehnend“ ihren Ausdruck, so betten sie das „als schliefen sie ein“ in eine gebundene Legatolinie, und so sinkt bei ihnen die Dämmerung in eine sprechende Stille. Von „Erlebnis statt Unterhaltung“ und von der „Radikalität eines Gegenentwurfes“ spricht Christiane Iven. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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