Der Verein Hope in Ditzingen ist weltweit aktiv, um dort zu helfen, wo Unterstützung dringend benötigt wird. Dabei vergisst er nicht, wo er seine Wurzeln hat – und dass es auch dort Not gibt.
Was klein angefangen hat, hat eine Entwicklung genommen, die sich manch einer vom Ditzinger Verein Hope vermutlich nur in seinen kühnsten Träumen vorgestellt hat. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Unterstützer für den Verein deutlich nach oben: Spenden in Höhe von rund 809 000 Euro wurden verbucht – deutlich mehr als doppelt so viel als im Jahr zuvor.
Das mag zwar auch an einer großen Einzelspende gelegen haben, vor allem aber war es ein sichtbares Zeichen der Professionalisierung. Denn aus dem kleinen Ditzinger Verein, der sich aus der umtriebigen freikirchlichen Gemeinde „Treffpunkt Leben“ heraus entwickelt hatte, war eine Nichtregierungsorganisation (NGO) geworden, die bundesweit Akzeptanz findet. An der Spitze: Vorstand Hans-Dieter Allgaier. Der Mann, der heute in Ditzingen lebt, ist mit seiner Familie eben dort heimisch geworden, auch wenn – oder gerade weil? – er rund zweieinhalb Jahrzehnte familiär bedingt in verschiedenen Ländern gelebt hatte.
Der Wunsch, sich einzubringen, besteht fort
Sein Vater, ein Missionar, wirkte in Tansania, dort wuchs Allgaier auf. Das Weltoffene, der Blick für die Not, die Reiselust legte Allgaier nicht ab, nur weil er in Ditzingen sesshaft wurde. Der gelernte Kfz-Meister wollte sich weiter einbringen. Das schien dem Christ im örtlichen Verein Hope möglich.
Im Frühjahr 1994 hatten Bilder und Nachrichten vom Völkermord in Ruanda die Welt erschüttert. Die humanitäre Katastrophe bewegte eine Gruppe von Menschen aus der Gemeinde „Treffpunkt Leben“ Sie gründeten Hope, um die Unterstützung für Ruanda zu kanalisieren.
Robert Hatton Foto: Simon Granville
Doch mit der Zeit fehlten die Unterstützer. Studium und Beruf hatten die meist jungen Hope-Mitglieder aus Ditzingen fortgeführt. Hope hatte die Struktur, die andernorts Robert Hatton so dringend benötigte. Hatton war Gemeindepastor im hohenlohischen Pfedelbach, war wie Allgaier ebenso in der Welt unterwegs. Im Jahr 2018 trafen beide zusammen, um ihre jeweiligen Stärken zu kombinieren. „Wir haben beide extrem viel Leid gesehen“, sagt Hatton. Die Möglichkeiten dazu, Projekte größer anzugehen, fortan vielfältiger Hilfe leisten zu können, war ihrer beider Motivation. Allgaier war inzwischen Honorarkonsul von Sansibar, auch das einer seiner früheren Wohnorte. Dieses Amt eröffnete ihm die Chance, weitere Unterstützung zu generieren, sich auch um staatliche Fördermittel zu bemühen. „Vertrauen spielt eine große Rolle“, sagt Allgaier in Bezug auf das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sansibar war der nächste Projekteinsatz. Hope half beim Wiederaufbau des halbautonomen Teilstaats von Tansania nach einer technischen Katastrophe im Jahr 2010 – Sansibar war drei Monate ohne Strom und Wasser.
Heute ist der Verein in Indien, Jordanien, Kenia, Marokko, Nepal, Pakistan, Papua Neuguinea, Tansania, Uganda, Vanuatu und der Ukraine aktiv. Vor wenigen Tagen kam Allgaier, der seinen Lebensunterhalt auch als freiberuflicher Coach verdient, aus der Ukraine zurück. Für Hope war er einerseits dorthin gereist, um sich vom Einbau eines Aufzugs zu vergewissern, dem einzigen im Gebäude. Zum anderen, um medizinisches Gerät dorthin zu bringen.
Katastrophenhilfe, Wasserversorgung, Bildungsförderung, Hilfe zur Selbsthilfe und Patenschaftsprogramme gehören zu den Einsatzbereichen von Hope. Schwerpunkte aber seien Infrastruktur und Schulbildung, sagt Allgaier. „Bildung ist das Fundament für Zukunft.“ Die Entscheidung für ein Projekt wird nicht wahllos getroffen. „Es muss passen“, sagen Allgaier und Hatton – die im Vorstand von Kassier Jürgen Kaiser begleitet werden. Es müsse inhaltlich passen, vor allem aber muss der Vorstand vom Kontakt in das Projekt hinein überzeugt sein. Der persönliche Ansprechpartner im Land sei das eine. Dass sie selbst aber ihrerseits Respekt zollen und den Kontakt auf Augenhöhe suchen, das andere. Dass dafür ein Wissen um Kultur und Religion unabdingbar ist, betonen die beiden nicht, sie aber haben beides.
Verein bedenkt eine Ditzinger Einrichtung
Die freikirchliche Gemeinde Treffpunkt Leben war einst der Ausgangspunkt für die Vereinsgründung, die Motivation der Mitglieder heute ist die humanitäre Hilfe einer NGO. Natürlich sei der Bezug zu Ditzingen durch die dortigen Unterstützer noch gegeben, sagt Allgaier. Zumal diese sich zum Teil eben auch Treffpunkt Leben zugehörig fühlen. Aber der Tätigkeit wohne kein missionarischer Eifer inne – vielmehr der Wunsch, dort zu helfen, wo ihnen die Not begegnet. Ob das in einem fernen Land ist oder in der Heimat.
Vor wenigen Tagen feierte Hope sein 30-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde der Ditzinger Tafelladen mit 10 000 Euro bedacht – „um zu zeigen, dass wir ein Ditzinger Verein sind“, sagt Allgaier.