Unterhose neben Briefkasten: Was will uns dies sagen? Foto: the/edi
Eine Unterhose liegt am Aufgang der Redaktionstiefgarage. Das schreit nach einer hautnahen Recherche unter der Gürtellinie. Ein Beitrag aus unserer Humorkolumne.
edi und uls
11.04.2026 - 06:10 Uhr
Zeitungsmenschen denken in Geschichten. Sie sehen etwas Interessantes, schon fängt ihr Hirn an, Sätze oder Überschriften zu formulieren. Ist so eine Art Berufskrankheit. Oder ein Reflex – wie bei Pawlow und seiner Glocke. So erging es vor einigen Tagen einer Kollegin, als sie die Auffahrt zur Redaktionstiefgarage hinauflief und dort neben der Briefbox eines regionalen Postdienstleisters eine blau-rot-weiße Unterhose am Boden liegen sah.
Ganz aus dem Höschen
Für die Redaktion schien der Fall zunächst klar – der Briefträger musste ganz aus dem Häuschen, beziehungsweise Höschen, gewesen sein, als er die Unmengen von Fan-Post sah, die unsere Zeitung täglich erreichen. Doch wir verwarfen die Idee, weil der Briefkasten für die Fan-Post natürlich viel zu klein war. Oder hatte im kalten Wetter jemand seine schlecht gewählte Unterkleidung in die Welt telegrafiert, indem er mit dem Wechsel von kurzer zu langer Unterhose, mit einmal kurz und einmal lang, ein A in die Welt morste? Aber was sollte das A bedeuten? A wie Atemlos in der Nacht?
Revolution unter der Gürtellinie
Wir rätselten lange. Bis uns auffiel, dass blau-rot-weiß doch auch die Farben der Französischen Republik sein konnten.
So könnten die Böblinger Ableger der Französischen Revolution, der Sansculotten, was zu deutsch nichts weniger als „Ohne Hose“ heißt, zu Ehren des Sturms auf die Bastille, eben diese Hosen abgelegt haben – nur hat der Briefkasten die Stürme der Ohnehosen ganz gut überstanden, während von der Bastille gerade noch ein großer leerer Platz in Paris kündet. Und der Französische Nationalfeiertag ist erst am 14. Juli.
Legendär war der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, Reiner Calmund, ein Schwergewicht unter den Fußball-Funktionären, der zuweilen auch Motivationstraining für Journalisten anbot. „Wer hier nicht mitzieht“, röhrte der zwei Zentner-Mann einst im Stuttgarter Pressehaus, „dem kleb’ ich eine Briefmarke auf den Allerwertesten und schick ihn per Express nach Hause.“
Wo war Reiner Calmund?
Da war also wohl einer nicht motiviert genug gewesen, und dann musste das wohl mit der Briefmarke und dem Allerwertesten passiert sein, das war soweit klar. Aber das letzte Puzzleteil fehlte, denn von Reiner Calmund war nichts zu sehen.
Glaubt man den Quellen, dann hat sich Reiner Calmund den Magen verkleinern lassen und sein Gewicht um mehr als die Hälfte gesenkt. Er soll danach noch einige Pfunde mehr verloren haben, als er sich die Fettschürze am Bauch wegoperieren ließ.
Vielleicht ist er aus Versehen durch den Briefschlitz gefallen. Irgendwie verdünnisiert muss er sich ja haben.