Am 2. April war Weltmaultaschentag – Zeit für eine Liebeserklärung an die kleinen Herrgottsbscheißerle. Ein Beitrag aus unserer „Bonbons“-Humorkolumne.

Gott sieht alles, heißt es. Drei Worte, die einen als gläubiger Katholik im Knabenalter schon einmal vor gewisse hormonelle Herausforderungen stellen konnten – vor allem, wenn der große Bruder am Tag vor der Beichte achtlos sein Bravoheft im Wohnzimmer hat herum liegen lassen. Äh, Entschuldigung, wir schweifen ab.

 

Wir haben Wichtigeres zu besprechen. Am 2. April war nämlich Weltmaultaschentag. An dieses historische Datum erinnert uns die Firma Bürger aus Ditzingen. Der Weltmaultaschentag wird laut einer Pressemitteilung des Unternehmens traditionell am Gründonnerstag begangen.

Am Gründonnerstag war Weltmaultaschentag

Dass Maultaschen gerade um Ostern herum auf dem Speiseplan vieler schwäbischer Familien stehen, geht auf eine Legende zurück: Angeblich hatten einst die Zisterziensermönche im Kloster Maulbronn während der Fastenzeit ein Stück Fleisch erhalten, das sie nicht dem Verderben anheim fallen lassen wollten. „No nix verkomma lassa“, lautet schließlich ein ur-heiliges schwäbisches Gebot.

Unglücklicherweise gebot ihr Glaube den Mönchen aber auch, in der Fastenzeit kein Fleisch zu essen. Der eingangs erwähnte Katholikenbub dachte deshalb auch lange Zeit, es würde ihm sofort den Magen verätzen, sollte er sich am Karfreitag versehentlich einmal ein Rädle Wurst statt grätiger Forelle in den Mund schieben. Entschuldigung, wir schweifen schon wieder ab.

Zurück zu den Maulbronner Mönchen, die der Legende nach mit Schwabenschläue eine List zur Lösung ihres fleischlichen Dilemmas ersannen. Also hackten sie das sündige Fleischstück klein, mischten es mit Kräutern und Spinat und versteckten es in Nudelteig – in der Hoffnung, der Herrgott möge es darin nicht sehen. Dem angeblichen Ursprungsort und ihrer Taschenform sollen die Maultaschen heute ihren Namen verdanken – und auch ihren Spitznamen: „Herrgottsbscheißerle“.

Maultaschen statt Manna auf der himmlischen Speisekarte

Beweisen kann dies heute niemand mehr. Falls es die legendären Maulbronner Mönchsmaultaschen je gegeben hat, sind sie ebenso wie die Mönche längst den Weg allen Irdischen gegangen. Ob die Zisterzienser wohl im Jenseits für ihre List bestraft wurden? Oder sind Maultaschen tatsächlich so etwas wie Gottes blinder Fleck?

Der seinem naiven Kinderglauben entwachsene Katholikenbub von damals hält es doch für eher unwahrscheinlich, dass so ein bisschen in Teig versteckte Fleischmasse den heiligen Zorn Gottes heraufbeschwört. Stattdessen möchte er lieber an einen Herrgott glauben, dem seine erste schwäbische Maultasche so jesasmäßig gut gemundet hat, dass er danach das schnöde Manna für immer von seiner himmlischen Speisekarte hat streichen lassen. Heidanei und Halleluja!