Schlüsselübergabe zur Geisterstunde im Sindelfinger Rathaus: Auf Bernd Vöhringer folgt Markus Kleemann. Ein Beitrag aus den „Bonbons“, der wöchentlichen Humorkolumne dieser Zeitung.
Treffen sich zwei Oberbürgermeister zur Geisterstunde . . . Was nach dem Anfang eines Witzes klingt, ist in Wahrheit der Anfang einer neuen Ära in Sindelfingen. In der Nacht auf Freitag übertrug OB Bernd Vöhringer in einer feierlichen Schlüsselübergabe vor dem Rathaus die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Markus Kleemann.
„Ich starte diese neue Aufgabe mit großer Motivation und voller Elan. Es ist mir eine große Ehre, von nun an den Menschen in Sindelfingen, Maichingen und Darmsheim zu dienen und Verantwortung für Sindelfingen zu tragen“, hatte Kleemann verkündet. Gemeinsam mit Bürgerschaft, Gemeinderat und Verwaltung wolle er „das große Potenzial der Stadt mit frischen Ideen, Erfahrung und Tatkraft ausschöpfen“, versprach der 41-Jährige. Sein Amt wird er vorerst nur als „bestellter Oberbürgermeister“ ausüben können, weil beim Verwaltungsgericht Stuttgart Klagen gegen die Wahl erhoben wurden.
Auch der OB a.D. fand würdige Worte für den historischen Augenblick: „Es war mir eine Ehre und Freude, meiner Heimatstadt Sindelfingen und ihren Bürgerinnen und Bürgern als erster Bürger dienen zu dürfen. Ich wünsche der Stadt für die Zukunft alles Gute“, sagte Vöhringer und wünschte seinem Nachfolger „viel Erfolg, eine stabile Gesundheit und eine glückliche Hand“.
Es drohen politische Geisterfahrer und apokalyptische Paragrafenreiter
All das wird Kleemann sicher gut gebrauchen können. Schließlich kann es mit Blick auf einbrechende Gewinnzahlen bei Mercedes, Baustellenstress und andere Horrorszenarien mitunter ganz schön gruselig werden für den neuen Oberbürgermeister und obersten Schlüsselmeister aus Oberstenfeld.
Apropos Schlüsselmeister: Bei diesem Amtstitel muss der geneigte Kino-Fan unwillkürlich an den Filmklassiker „Ghostbusters“ denken. In der Horrorkomödie öffnet sich ein Tor zur Hölle und die Geisterjäger müssen all die Gruselgestalten wieder einfangen. In gewisser Weise ist der Job eines Oberbürgermeisters da nicht so viel anders: Im Verwaltungsgeschäft drohen jederzeit Monstersitzungen, Gespensterdebatten, politische Geisterfahrer, apokalyptische Paragrafenreiter, Verwaltungsvorschriften-Vampire, Grundsteuer-Ghule und Zwischenverwendungsnachweis-Zombies. „Who you gonna call?“, lautet dann genau wie im Film die Frage, wen man im Notfall ruft. Zumindest für die nächsten acht Jahre dürfte die Antwort klar sein: Markus Kleemann – den Oberbürgergeisterjäger.