Humor Gar nicht witzig, diese Germans
Hätte vielleicht eine Prise Humor unserer Kolumnistin beim Verdauen ihres belauschten Gesprächs helfen können? Eine Episode aus einem Pub von Elisabeth Kabatek.
Hätte vielleicht eine Prise Humor unserer Kolumnistin beim Verdauen ihres belauschten Gesprächs helfen können? Eine Episode aus einem Pub von Elisabeth Kabatek.
Wer in Großbritannien eine Alternative zum Essen im Pub sucht, der geht in der Regel zum Inder. Das ist ungefähr so, wie wenn wir in Deutschland zum Italiener gehen. Und so bleibt es nicht aus, dass man sich irgendwann in diesem rekordverdächtig heißen und trockenen Sommer in Wales in einem klimatisierten indischen Restaurant wiederfindet. Beim Inder ist es nicht nur günstiger als im Pub, sondern auch die Geräuschkulisse ist niedriger. Im Hintergrund klimpert zwar Bollywood-Musik, aber vom Nachbartisch dringen zumindest Gesprächsfetzen herüber, während man Chutney auf sein Papadam schaufelt. Eine Autorin lebt schließlich davon, nicht nur in der Stadtbahn in Stuttgart, sondern überall auf der Welt Gespräche zu belauschen, die der Inspiration, Erhellung und dem allgemeinen Weltverständnis dienen. Nur leider hört in diesem Fall der Lauscher an der Wand die eigene Schand. Die vier am Nachbartisch sind nicht mehr ganz jung, offensichtlich gebildet und das, was man in Deutschland als „Intellektuelle“ bezeichnen würde. In Großbritannien dürfte man das nicht sagen, auch wenn einer der vier mit seinem wirren grauen Haar sehr intellektuell aussieht, aber das ist hier schon fast ein Schimpfwort. „Intellectual“ ist fast so schlimm wie arrogant.
Das Gespräch der vier dreht sich um Bücher und Künstler, die sie persönlich kennen, und deren Ausstellungen in ihren Ateliers sie sich gegenseitig empfehlen. Das plätschert so dahin, doch dann spitzt die Lauscherin plötzlich die Ohren. Deutsche können ja ganz nett sein, sagt eine der Frauen. Sie habe schon die eine oder den anderen kennen gelernt. Bloß leider hätten sie absolut no sense of humour. „Zumindest ist der Humor ganz anders als unserer“, ergänzt einer der beiden Männer. Was natürlich übersetzt heißt: Der britische Humor ist um Klassen besser als der deutsche. Während es vorher durchaus Diskussionen gab, sind sich die vier bei diesem Thema einig: Deutsche haben keinen Sinn für Humor.
Man kann sich darüber streiten, ob es „besseren“ und „schlechteren“ Humor gibt und ob man den Humor einer ganzen Nation definieren kann. Tatsache ist, dass sich außerhalb Deutschlands hartnäckig das Klischee hält, dass wir Deutschen keinen haben. Wir sind mehr fürs Dichten, Denken und Komponieren bekannt. Landestypischen Humor kann man international übers Kino verbreiten. Die Finnen haben Kaurismäki, die Spanier Almodóvar, die Briten Monthy Python. Loriot ist leider nie synchronisiert worden.
Es stimmt schon, dass Briten im Alltag vieles mit Humor nehmen, worüber wir Deutsche uns ärgern. Trotzdem. Ganz kaltgelassen hat mich die Bemerkung am Nachbartisch nicht. Vielleicht hätte ich mit dem Handy rübergehen und den Vieren „Dinner for one“ zeigen sollen. Das in Hamburg beim NDR gedrehte Kultvideo kennt nämlich in Großbritannien kein Mensch.