Humor im Kreis Böblingen Trebbel, Baby, Trebbel
Fahrt Rad: Ein Liter Bier ist billiger als ein Liter Diesel! Das hat unser Kolumnist Ulrich Stolte eiskalt berechnet.
Fahrt Rad: Ein Liter Bier ist billiger als ein Liter Diesel! Das hat unser Kolumnist Ulrich Stolte eiskalt berechnet.
Monatelang sann ich über eine passende Metapher nach, die beschrieb, warum die Radwege in Böblingen so leer waren. Das ist, sagte ich in die imaginäre Runde von wissend und bewundernd nickenden Zuhörern, das ist, als würde man ein Schiffshebewerk mitten in die Wüste bauen und sich dann wundern, warum keine Schiffe fahren. Das galt bis vorige Woche.
Blickt man nun auf die Weltpolitik, werden gerade mehr Schiffe versenkt als gehoben.
Jetzt dürften die Böblinger Radwege voller werden, denn gegen die hohen Spritpreise hilft nur eines: Fahrradfahren. Vor allem, wo der Liter Bier deutlich billiger als der Liter Diesel geworden ist und ein guter Radler selten mehr verbraucht als drei Liter auf 100 Kilometer. Er stärkt nicht nur seine Waden, sondern auch die heimische Industrie statt irgendwelcher Autokraten im Nahen Osten und Fernen Westen. Also Satteltasche packen und rauf mit ihr auf den Gepäckträger.
Wissen Sie was eine Pletscher-Platte ist? Ich musste es schmerzlich erfahren. Früher, als alles viel einfacher war und vor allem aus Eisen, gab es diese flache Platte an jedem Fahrradrahmen, benannt nach der Schweizer Firma Pletscher, einem, heute würde man sagen, hidden Champion, nicht zu verwechseln mit einem Hütten Champion. Diese Platte saß auf den Streben des Hinterrades und hatte drei Bohrungen, an die man jeden Gepäckträger schrauben konnte. Heute sind die Mountainbikerahmen ein wildes Konstrukt aus Aluminium und irgendwelchen Bohrlöchern, nach Donald Trumps Motto „Drill, baby, drill“.
Und es ist praktisch nur möglich, einen originalen Gepäckträger der originalen Marke an den originalen Rahmen zu schrauben, sofern es einen originalen Gepäckträger überhaupt gibt. Und den gab es bei meinem Fahrrad natürlich nicht.
Bevor ich jedoch mein Rädle mit Kabelbindern, Blechwinkeln und Wasserrohrschellen verschandelte, ging ich zum Fahrradhändler meines Vertrauens. Ja, also dieses Modell habe er nun gar nicht im Programm, sagt er, und überhaupt sei am Schutzblech und der Sattelstütze zu wenig Platz, und die Schrauben, also da könne er gar nichts sagen, und wenn ich das von unten reinschrauben wolle, dann müsse man die Luft aus dem Reifen lassen, bevor man einen Schlüssel ansetzen könne und dann sei ja auch keine Garantie, dass . . .
Vergiss es, dachte ich, dann schraub ich den Sch... rott halt selber hin. Zugegeben, es gab gewisse konstruktive Schwierigkeiten, denn man wusste ja nicht, ob man mit willkürlich gesetzten Bohrlöchern den Radrahmen in einen Schweizer Käse verwandelte und zum Brechen brachte. Deswegen ist das „Drill, baby, drill!“ gerade bei Fahrradrahmen absolut neben der Spur.
Aber solche konstruktiven Probleme waren für einen Menschen mit einigermaßen technischem Sachverstand leicht zu lösen. Also schwang ich mich etwas später als feuriges Fanal für den Weltfrieden und billigen Sprit über den elegant mit Gummiringen, Kaugummi und Heftklammern angeflanschten Gepäckträger aufs Rad, um die gähnende Leere der Böblinger Radwege zu beheben: „Trebbel, Baby, Trebbel!“