Humorkolumne aus Böblingen Eine Wespe macht noch keinen Summer
Freche Wespen bauen einfach ihr Nest im Dach unseres Autoren! Und das sogar mit einem Roten Punkt. Das kann nicht unwidersprochen bleiben. Ein Beitrag aus unserer Humorkolumne.
Freche Wespen bauen einfach ihr Nest im Dach unseres Autoren! Und das sogar mit einem Roten Punkt. Das kann nicht unwidersprochen bleiben. Ein Beitrag aus unserer Humorkolumne.
Am ersten Tag lag die Bauvoranfrage auf dem Tisch, am zweiten das Gesuch zur Bebauungsplan-Änderung, am dritten der Satzungsbeschluss des Bebauungsplans, am vierten das Baugesuch und am fünften prangte der Rote Punkt an dem Spalt zwischen Dachziegel und Isolierung.
Bei der Party zum Spatenstich flogen meine neuen Nachbarn wie im Rausch von Bier- zu Limoflaschen und machten sich dran, mein Steak aufzufressen, das ich gerade vom Grill geholt hatte. „Ihr habt wohl einen Stich“, sagte ich zur Wespenkönigin, „ihr könnt doch nicht unter meinem Dach ein Nest bauen. Und das in einer Woche? In Deutschland hat das gefälligst mehrere Jahre zu dauern!“ „Deswegen sterbt ihr auch aus, weil ihr eure Jungen nirgendwo großziehen könnt“, antwortete die Wespenkönigin, „würden wir auch bei euren Planungszeiten.“ Außerdem hätte ich während der Auslegung vorgestern meine Einsprüche geltend machen können. „Das ging nicht“, sagte ich, „da war ich Steaks kaufen.“
Sie biss herzhaft in meine mittelalterliche Marienstatue, um Holzfasern für die Nestwände zu gewinnen. Das gab mir Zeit für die Retourkutsche. „Und wo ist Ihr Klimapass?“ „Brauchen wir nicht, wir bauen 100 Prozent CO2-neutral.“
„Und der Brandschutz?“ Gerade wollte ich zur Verdeutlichung das Feuerzeug an das Nest halten, als sich die Wespe sanft auf meine Hand setzte. Ich betrachtete meinen Handrücken. Jetzt hatte ich auch einen Stich. Es war kein Spatenstich. „Zwei Notausgänge“, beharrte ich, „und die Holzwände in Brandschutzklasse fünf. Außerdem ist der Eingang nicht barrierefrei.“
„Haben Sie schon mal eine Wespe im Rollstuhl gesehen?“, fragte mich die Königin. Mir summte der Kopf und ich sagte: „Hier ist Deutschland, da geht es doch nicht um Sinn oder Verstand! Hier geht es um die Vorschrift, die heiligste, tiefste und unverrückbare Basis unserer Gesellschaft, die ein Heer von Beamten ernährt, auf die sich unser Staat nun mal gründet. Diese Vorschrift muss stets so gebaut sein, dass sie niemand versteht, zwei anderen Vorschriften widerspricht und nicht einzuhalten ist. So schützen wir die Natur, weil niemand mehr bauen kann!“
Einigermaßen verschwirrt flog die Wespenkönigin aufs Amt. Eine Stunde später war sie zurück. „Wie wäre es“, summte sie kühl, „wenn Sie sich weniger um Bauvorschriften kümmern würden, als um die Gesetze? Laut BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) dürfen weder Wespen getötet, noch ihre Nester entfernt oder zerstört werden. Außerdem – in meinem Staat gibt es keine Beamten. Nur Arbeiter“, summte sie.
Inzwischen haben die fleißigen Wespen-Arbeiter meine Wohnung vollständig übernommen und die restlichen Möbel zu Holzbrei verarbeitet. Sollen sie doch. Seit ich dem Verfassungsschutz gemeldet habe, dass hier eine Königin einen monarchistischen Staat errichte, wurde mir die Nachbarwohnung zur Verfügung gestellt. Von dort aus soll ich als V-Mann ihre verfassungsfeindlichen Umtriebe im Auge behalten.
Zuweilen backe ich einen Bienenstich, um sie zu ärgern, kleine Sticheleien unter Nachbarn sind ja normal.