Hund, Katze, Maus Warum Haustiere so wertvoll sind

Wer einen Hund hat, muss auch bei Regen vor die Tür. Foto: Adobe Stock/Skrypko Ievgen

Kinder, die mit Haustieren aufwachsen, lernen was fürs Leben. Sie übernehmen Verantwortung und entwickeln Empathie. Doch ohne die Unterstützung der Eltern geht es nicht.

Riana saß schon auf einem Pony, da hatte sie gerade erst Laufen gelernt. Durchs Haus tobte sie nicht nur mit ihrer großen Schwester Lisa, sondern auch mit sechs Hunden. Familie – das waren für Riana immer auch Tiere. Sie ist mit ihnen aufgewachsen, denn ihre Mutter Felicia Ruhland leitet einen Gnadenhof. Ruhland ist davon überzeugt, dass ihre mittlerweile erwachsenen Töchter von den tierischen Familienmitgliedern profitiert haben.

 

Beide seien empathisch und verantwortungsbewusst. Das liegt ihrer Meinung nach nicht nur, aber auch an den Tieren, die gute Lehrmeister seien. „Wer mit einem Hunderudel oder einer Pferdeherde aufwächst, muss seinen Platz finden und Führungsstärke beweisen“, sagt Ruhland. Beide hätten beim Umgang mit den Pferden früh gelernt, Stopp zu sagen. Auch die Hofkatzen seien hilfreich gewesen, etwa beim Lernen für Prüfungen. „Allein ihre Anwesenheit brachte Ruhe und Gelassenheit“, sagt die 51-Jährige.

Ein Tier als bester Freund

Viele Eltern kennen das: „Ich wünsch’ mir einen Hund! Bitte, bitte, bitte!“ Die Stimme des Sohnes klingt flehend. Das Versprechen der Tochter, sich auch immer gut zu kümmern um den Fellfreund, unerschütterlich. Dass Kinder sich ein Haustier als Gefährte wünschen, ist für Rainer Wohlfarth nicht verwunderlich. Er ist Psychologischer Psychotherapeut, Experte für Mensch-Tier-Beziehungen und Leiter eines Instituts für tiergestützte Therapie im Schwarzwald. „Der Mensch kommt aus der Natur und der Tierwelt und hat sich im Wechselspiel mit ihnen weiterentwickelt“, sagt er. „Natur und Tiere wirken bei Kindern gesundheitsfördernd, weil sie ihre ureigenste Heimat sind.“

Tiere könnten für Kinder Bindungspartner sein, mit denen sich stabile, vertrauensvolle und vor allem liebevolle Beziehungen entwickeln können. Sie könnten Kameraden sein, die den Wunsch nach Zugehörigkeit stillen, aber auch Tröster, „denn einem Tier gegenüber dürfen Trauer und Freude spontan und ungefiltert ausgedrückt werden“.

Haustiere fördern Selbstvertrauen

Längst ist wissenschaftlich belegt, dass Haustiere die emotionale Entwicklung von Kindern positiv beeinflussen können. Die Erlanger Diplom-Psychologin Andrea Beetz beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren damit. Nicht nur von Studien, sondern auch aus eigener Erfahrung weiß die Diplom-Psychologin, dass Haustiere Kindern Selbstvertrauen schenken, ihr Verantwortungsbewusstsein fördern, sie kommunikativer und ausgeglichener machen können. Wer ein Tier streichelt, schüttet das Bindungshormon Oxytocin aus. Das reduziert Stress, lässt einen innerlich zur Ruhe kommen.

Doch als Allheilmittel sieht Andrea Beetz Haustiere keinesfalls. Die 47-Jährige betont, dass es nur dann sinnvoll sei, ein Tier zu sich zu nehmen, wenn die Voraussetzungen stimmten. „Auch wenn Kinder hoch und heilig versprechen, dass sie sich um das Tier kümmern werden: Es sind die Eltern, die verantwortlich sind. Sie müssen erinnern, anleiten und beaufsichtigen.“

Nicht nur Wünsche entscheidend

Meist haben Kinder oder Eltern bereits ein Lieblingstier ins Auge gefasst, das sie adoptieren wollen, weiß Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Sie findet es jedoch wichtig, sich nicht allein von Wünschen leiten zu lassen, sondern sich vorab intensiv über die Bedürfnisse des neuen Mitbewohners zu informieren. Die Größe und Gestaltung der Wohnung spielen laut Schmitz dabei ebenso eine Rolle wie die Zeit, die für ein Tier aufgebracht werden muss. Auch die Kosten und die Lebensdauer könnten sich deutlich unterscheiden und sollten in die Wahl mit einfließen.

Und wenn ein eigenes Tier nicht möglich ist? Dann können Kinder laut Rainer Wohlfarth trotzdem eine Beziehung zu Tieren aufbauen, etwa durch regelmäßigen Kontakt über Stadtbauernhöfe, Tierheime oder Begegnungshöfe. Er findet das wichtig. „Wenn um uns herum nur noch Beton und Stahl verbaut sind, wir uns nur noch auf Smartphone und PC fixieren und Natur und Tiere nur noch virtuell erleben, dann verlieren Kinder wichtige Freiräume.“

Welches Tier passt zu meinem Kind?


Hunde sind sehr zeitintensiv, sie brauchen täglich mehrere Gassigänge und Beschäftigung. Da die Tiere 16 Jahre alt werden können, trägt man für lange Zeit die Verantwortung. Ob Hund und Kind gut zusammenpassen, hängt mit den Eigenschaften und mit der Sozialisierung des Tieres in seiner Welpen- und Junghundphase zusammen. Auch große Hunde können sanftmütige Riesen sein, wenn sie frühzeitig mit Kindern positive Bekanntschaft gemacht haben. Große Hunde, die selbst noch sehr wild und ungestüm sind, eignen sich besser für etwas ältere Kinder, rät der Deutsche Tierschutzbund. Wachsen Kind und Hund zusammen auf, verläuft das Miteinander aber meist problemlos, solange es klare Regeln gibt.

Katzen sind eigenständiger als Hunde, sodass bei ihnen keine solch enge Bindung vorausgesetzt werden sollte. Unter den Katzen gibt es die verschiedensten Charaktere. Solche, die sehr verschmust und/oder verspielt sind und engen Kontakt zu ihren Menschen suchen, ruhigere Tiere, ängstlichere und solche, die lieber in Ruhe gelassen werden wollen.

Kleine Heimtiere eignen sich nur bedingt – und wenn, dann eher für ältere Kinder, die Spaß an der Tierbeobachtung und -versorgung haben. Meerschweinchen und Kaninchen sind keine Kuscheltiere und sollten immer mit Artgenossen gehalten werden. Mit einem handelsüblichen Käfig in der Kinderzimmerecke ist es nicht getan. Die Tiere brauchen viel Auslauf (in Außenhaltung etwa sechs Quadratmeter für zwei bis drei Kaninchen oder vier Quadratmeter für zwei bis drei Meerschweinchen). Hamster sind für Kinder ungeeignet, da sie nachtaktiv sind. Anfassen und hochheben bedeutet Stress für die Tiere.

Mäuse und Ratten leben gerne in Gruppen und möchten gut beschäftigt sein. Hier braucht es ein abwechslungsreiches Gehege. Ratten sind unter den kleinen Heimtieren die Tiere, die am ehesten Zutrauen zum Menschen fassen. Allerdings sind sie dämmerungsaktiv.

Fische sind prima zum Beobachten. Ab einem Alter von circa sechs Jahren kann das Kind beim Einrichten, Wasserwechsel und Füttern helfen. NAD

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