Homeoffice und Kurzarbeit verstärken Nachfrage
Gassi gehen, kuscheln und spielen: Hunde gelten seit jeher als bester Freund des Menschen, gehören sie doch für viele Halterinnen und Halter fest zur Familie. Und diejenigen, die bisher noch nicht auf den Hund gekommen waren, sind das dann in den langen Monaten der Pandemie mit reichlich Zeit zuhause: „Die Corona-Krise und die damit verbundene vermehrte Zeit zu Hause durch Homeoffice oder Kurzarbeit hat die Nachfrage nach Heimtieren in die Höhe schnellen lassen“, berichtet der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) in einer Pressemitteilung. Hundewelpen seien gefragt wie nie, doch der Verband beobachte die gestiegene Nachfrage „mit Sorge“ heißt es weiter. Viele geben dem Wunsch nach Gesellschaft oder dem Drängen der Kinder unüberlegt nach, berichtet Pressesprecher Udo Kopernik. Dazu käme, dass die Züchter die Vielzahl der Anfragen nicht mehr bewältigen könnten.
Tierheim vermittelt mehr Hunde als sonst
Nicht nur die Züchterinnen und Züchter aus dem Landkreis bemerken den regelrechten Hunde-Boom seit Corona, auch im Tierschutzheim ist die Nachfrage hoch: „Es fing letzten April an deutlich mehr zu werden. Viele Menschen arbeiten im Homeoffice und haben jetzt Zeit“, berichtet Annette Lehmann, Vorstandsvorsitzende im Tierschutzverein Böblingen und seit 2017 Leiterin des Tierschutzheims und der Hundetagesstätte. „Wir haben schon vielen ein gutes Zuhause vermitteln können“, sagt sie, fügt aber ein Aber hinzu: „Es gibt im Welpenhandel leider viele schwarze Schafe. Für kriminelle Banden, die illegal mit Hundewelpen handeln, bringt der Handel zurzeit einen Geldsegen.“
Zulauf bei Hundeschulen
Jasmin Pfaff, die mit ihrem Mann eine Hundeschule in Sindelfingen betreibt, kann sich vor Anfragen kaum retten: „Wir haben einen unglaublichen Zuwachs an Neukunden.“ Lange sei für viele Hundeschulen unklar gewesen, ob sie öffnen dürften oder nicht, doch Pfaff und ihr Mann haben direkt beim Landwirtschaftsministerium nachgefragt und konnten während des gesamten Lockdowns mit den Hundekursen weitermachen. Mittlerweile ist die Kapazitätsgrenze aber „fast erreicht“, erzählt sie, „zurzeit haben wir fünf Welpenkurse parallel im Monat laufen, vor der Pandemie waren es ein bis zwei Kurse“.
Preise steigen an
Nicht nur die Zahl der Tierschutz-Hunde an ihren pelzigen Schülern sei gestiegen, berichtet Pfaff, auch „Hundehybride“ – ausgefallene Kreuzungen mit noch ausgefalleneren Namen – sind im Trend. „Hunde, die früher als ‚Mischlinge‘ bezeichnet wurden, werden jetzt als Cockapoos (Cockerspaniel und Pudel) oder Aussiedors (Australian Shepherd und Labrador) hochpreisig verkauft“, erzählt die Böblingerin. Und ergänzt: „Eine Kundin hat erzählt, dass sie einen Cockapoo-Welpen für fast 3000 Euro gekauft hat, früher hat man um die 1500 Euro für so einen Welpen gezahlt.“
Viele unterschätzen den Aufwand
Problematisch könne es werden, erzählt Pfaff, wenn Familien mit Kindern unterschätzen, „dass so ein Welpe auch eine zusätzliche Belastung ist“. Auch Wolf Eisenmann, Co-Vorsitzender des Kreistierheims Böblingen sieht das kritisch: „Wenn Corona und das Homeoffice zurückgehen, gibt es eventuell Tiere, die jetzt angeschafft, dann schwierig in der Betreuung werden und letztlich wieder bei uns landen.“
Hunde-Hype wird Folgen haben
In dem vom Landkreis betriebenen Kreistierheim war der Wunsch nach den Fellnasen ebenfalls „riesengroß“: „Wir konnten die Nachfrage nach Tieren gar nicht bedienen – was bei uns eher ein gutes Zeichen ist“, schmunzelt Eisenmann. Bei all den positiven Folgen, die der Hunde-Hype fürs Tierheim hat, bleibt allerdings die Sorge vor einem umgekehrten Trend: „Vor Corona wurden immer nach den Feiertagen, zum Beispiel Weihnachten, deutlich mehr Tiere abgegeben“, weiß Eisenmann, „jetzt rechnen wir nach dem Lockdown mit einem höheren Aufkommen“.